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Seit 20 Jahren leistet Caritas Schweiz Rückkehrberatung

Menschen, die in ihre Heimat zurückkehren - Mediendienst 5/2017

Die Schweiz nimmt in der Rückkehrhilfe europaweit eine Vorreiterstellung ein. Bereits seit 20 Jahren bietet der Bund Asylsuchenden und Flüchtlingen die Möglichkeit, freiwillig und mit finanzieller Unterstützung in ihr Herkunftsland zurückzukehren. Ebenso lange führt auch Caritas Schweiz eine Rückkehrberatungsstelle und zählt damit zu den ältesten Anbietern dieser Dienstleistung.

Die Frage, ob und mit welchen Mitteln ausreisepflichtige Asylsuchende bei der Rückkehr unterstützt werden können, bewegt auch die Politik. Ende März dieses Jahres besuchte Justizministerin Simonetta Sommaruga ein Treffen der EU-Innenminister in Brüssel, wo über genau dieses Thema diskutiert wurde. Das Modell der Schweiz stiess dabei auf Interesse, da es innerhalb der EU als fortschrittlich gilt. Bereits während des Asylprozesses bieten Rückkehrberatungsstellen wie die der Caritas eine frühzeitige und kontinuierliche Information der Asylsuchenden an. Das Thema der Rückkehr ist somit schon vor einem definitiven Asylentscheid präsent. Muss eine betroffene Person die Schweiz verlassen, kennt sie oft bereits die Unterstützungsmöglichkeiten, die ihnen seitens des Staatssekretariats für Migration (SEM) und der Rückkehrberatungsstelle geboten werden: Unterstützung bei der Ausreiseorganisation, Abklärungen im Heimatland sowie die Möglichkeit, ein individuelles Berufsprojekt im Rahmen von 3000 Franken zu verwirklichen.

Mit Business-Plan zum Strassencafé oder Coiffeur-Salon

Dabei steht der Aspekt der Reintegration im Vordergrund: Die Gelder sind zweckgebunden und werden im Zielland durch Partnerorganisationen ausbezahlt oder direkt an die jeweiligen Lieferanten überwiesen. Dazu muss zunächst bei der Rückkehrberatungsstelle ein Businessplan erarbeitet und vom SEM genehmigt werden. Oftmals sind es einfache Projektideen, die an bestehende berufliche Erfahrungen der Rückkehrenden anknüpfen: Strassencafés, kleine Gemischtwarenläden oder Coiffeur-Salons. Es gibt jedoch auch Menschen, die den Moment der Rückkehr für einen Neuanfang nutzen und berufliches Neuland betreten. Manchmal sind sie dabei bemerkenswert innovativ, wie der ehemalige Geschäftsmann, der nun in seinem Heimatdorf die erste Betreuungsstätte für Kinder berufstätiger Eltern eröffnete und damit einen Nerv traf. Neben Berufsprojekten kann die Rückkehrhilfe auch für die Bezahlung von Wohnraum oder eine Ausbildung im Heimatland verwendet werden.

Die Rückkehrberatungsstelle unterstützt die zurückkehrenden Personen bei der Vorbereitung der Rückkehr und vermittelt zwischen ihnen und den involvierten Stellen und Organisationen. Caritas Schweiz führt seit 1997 eine solche Rückkehrberatungsstelle im Auftrag der Kantone Schwyz, Zug und Obwalden. Seit 2016 übernimmt sie auch die Rückkehrberatung im Bundeszentrum Glaubenberg im Kanton Obwalden. Neben dem Erstellen eines Reintegrationsplans beinhaltet die Arbeit der Rückkehrberatung Unterstützung bei der Beschaffung gültiger Reisedokumente, medizinische Vorabklärungen und nötigenfalls die Organisation medizinischer Hilfe im Heimatland.

Hinter jeder Rückkehr steckt eine individuelle Geschichte. Zum Beispiel die von M. Z. aus Burkina Faso. Er lebte während einigen Jahren als Asylsuchender in der Schweiz. Die Nachricht, dass sein Asylgesuch abgelehnt worden war und er die Schweiz verlassen müsse, stellte ihn vor eine ganz neue Situation. Wie könnte er nach seiner Rückkehr in seinem Heimatland wieder Fuss fassen? Wo sollte er wohnen? Womit würde er seinen zukünftigen Lebensunterhalt verdienen? Mit diesen und weiteren Fragen gelangte er an die Rückkehrberatungsstelle der Caritas. Nach Kontaktaufnahme mit Freunden und Familienangehörigen fasste er den Entschluss, nach der Rückkehr ein eigenes Kleinunternehmen zu gründen und seinen zukünftigen Lebensunterhalt mit Reifenwechseln und Servicearbeiten an Kleinmotorrädern, dem Hauptverkehrsmittel in Ouagadougou, zu verdienen. Caritas unterstützte sein Projekt und beantragte beim Staatssekretariat für Migration (SEM) eine Unterstützung in der Höhe von 3000 Franken für Lokalmiete, Werkzeug sowie Pneus und Ersatzteile.  Die gewährte Rückkehrhilfe bedeutete für M.Z viel, milderte sie doch die Ungewissheit in Bezug auf seine Zukunft. Vor Ort wird ihn zudem eine Hilfsorganisation beim Neustart und der Realisierung seines Projektes unterstützen.

Gegen eine Beschränkung der Rückkehrhilfe

Im Zuge der Neustrukturierung des Asylbereichs ab 2019 sind auch Änderungen im Bereich der Rückkehrhilfe vorgesehen. Diskutiert wird unter anderem, ob eine Rückkehrhilfe in gewissen Fällen beschränkt werden sollte. Als Hilfsorganisation fordert Caritas auch zukünftig eine breit abgestützte Rückkehrhilfe ohne Einschränkungen. Eine fehlende Aussicht auf eine solche Unterstützung könnte dazu führen, dass die beschwerliche und aussichtslose Migration innerhalb Europas aus Mangel an besseren Alternativen fortgesetzt wird. Auch M.Z. aus Burkina Faso hätte vermutlich den Weg des Neustarts in seinem Heimatland sonst nicht angetreten.

 

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