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Regen ist Segen – und Fluch

Eigentlich hat Hamid Ahmed Glück. In seinem Dorf gibt es einen kleinen saisonalen Fluss. Zumindest nach den Regenzeiten führt er etwas Wasser, sodass Hamid seine Mais- und Wassermelonen-Felder bewässern und seine 12-köpfige Familie versorgen kann.

Doch der unerwartet starke Frühjahrsregen, der im April 2016 niederging, ließ den kleinen Fluss zu einem reissenden Strom werden. Fast die gesamten bebaubaren Flächen wurden überspült und die gerade erst aufgegangene Saat fortgewaschen. Hamid hat sein gesamtes Saatgut verloren. Die paar wenigen Pflanzen, die noch übrig sind, sind zwar etwas gewachsen, durch die Überflutungen aber vergammelt. «Ich kann keine Ernte mehr einfahren».

Zudem hat das reissende Wasser weite Teile der Uferböschungen weggewaschen, sodass sich viele Felder um mehr als 10 Meter verkleinert haben. Bei den ohnehin bescheidenen Feldgrössen von ungefähr einer halben Hektare wiegt dieser Verlust wertvoller Anbauflächen sehr schwer. «In unserem Dorf sind weit über hundert Familien betroffen», berichtet Hamid.

Wie viele andere Familien ist auch die von Hamid auf Nahrungsmittelhilfe von Aussen angewiesen. Aber die staatliche Nahrungsmittelhilfe ist stark reglementiert und streng rationiert. Hilfe gibt es für maximal fünf Monate pro Jahr und nur für drei Personen pro Haushalt – für die meisten Familien ist das nicht genug. Auch für Hamids Grossfamilie reicht die Hilfe hinten und vorne nicht. Sie ist in seinem Fall nicht nur auf drei Personen, sondern auch auf einen Monat beschränkt.

Hamid weiss nicht, wie es danach weitergehen soll. Er hofft, dass er sich wieder etwas Saatgut von anderen Bauern leihen kann, damit er in der kommenden Regenperiode im Sommer wieder etwas ernten kann.

Hamid Ahmed lebt im östlichen Äthiopien, in der Verwaltungszone Sitti in der Somali-Region, einem von der Dürre am stärksten betroffenen Gebiet. Aufgezeichnet von Jens Steuernagel, Caritas-Delegierter in Äthiopien.

 

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