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Positive Einstellung

Lucie* managte vier Jobs gleichzeitig, um finanziell über die Runden zu kommen. Kraft geben ihr ihre beiden Kinder und sie ist fest davon überzeugt, dass eine positive Einstellung zum eigenen Leben das Allerwichtigste ist.

«Seit über fünf Jahren bin ich alleine mit meinen Kindern. Mit 20 Jahren wurde ich zum ersten Mal Mutter. Dies haben wir nicht so früh geplant, wir haben uns dann aber doch sehr darüber gefreut. Wir waren glücklich zusammen, bis wir ein eigenes Lokal eröffneten. Die ersten zwei Jahre lief alles super, bis mein Partner dann anfing, immer öfters zu trinken. Mit der Zeit nahm das dann völlig überhand, ich konnte ihm in vielen Dingen nicht mehr vertrauen.

Mit viel Glück fand ich eine zahlbare kleine Wohnung in derselben Stadt, in der meine Eltern wohnen. Die ersten drei Jahre, als meine Kinder noch nicht im Schulalter waren, musste ich Sozialhilfe beziehen, was schrecklich für mich war. Es hat mir und meinem Stolz, schwer zu schaffen gemacht.

Ich hätte mir nicht im Traum vorgestellt, dass ich einmal mit 30 Jahren, alleine, mit zwei kleinen Kindern da stehen würde. Aber das Schicksal kann man leider nicht aufhalten.

Seit nun knapp zwei Jahren arbeite ich täglich, von Montag bis Freitag, von 7.30 Uhr bis 14.30 Uhr und ich beziehe seither keine Sozialhilfe mehr. Eine Zeitlang hatte ich vier verschiedene Jobs, um über die Runden zu kommen. An einem Ort geputzt, am anderen serviert. Mittlerweile sind es Gott sei Dank nur noch zwei Jobs.

Ich habe ein monatliches Einkommen von circa 3500 Franken, unsere Miete beträgt 1600 Franken. Es gibt Monate, da müssen wir mit meinem Trinkgeld über die Runden kommen. Es klappt immer irgendwie. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg!

Ich bin sehr dankbar über die Hilfe meiner Familie, meine Kinder essen jeden Tag bei ihren Grosseltern zu Mittag, damit ich arbeiten kann und nachmittags nach Schulschluss zuhause bin. Manchmal bin ich echt fertig und möchte nur noch die Beine hochlegen, wenn ich heimkomme. Aber es warten die Wäsche, der Rasenmäher, die dreckigen Fenster, die ich seit Wochen ignoriere, und noch vieles mehr auf mich. Ich bin dankbar, dass ich es immer wieder hinkriege, alles unter einen Hut zu bringen.

Ich finde es wunderschön, Mutter zu sein. Ich denke, die Belastung ist, dass man alles alleine auf den Schultern trägt. Das fängt bei der Erziehung an, geht bis zum Tadeln weiter und hört beim Zähneputzen auf. Ich gebe es ungern zu, aber manchmal hätte ich gerne wieder einen Mann im Haus, der auch mal auf den Tisch klopft, damit nicht immer nur ich die „Böse“ sein muss.

Meine Kinder geben mir jeden Tag aufs Neue die Kraft, weiterzumachen. Indem sie lachen und glücklich sind. Ich hatte eher eine schwierige Kindheit und möchte aus ganzem Herzen, dass meine Kinder immer unbeschwert Kinder sein können. Und ich bin fest davon überzeugt, dass eine positive Einstellung zum eigenen Leben das Allerwichtigste ist. Wenn man sich ständig einredet oder nur schon darüber nachdenkt das alles „so doof“ ist, dann ist auch alles doof. Schlechte, negative Energie kann einem so manchen, eigentlich wundervollen, Tag vermiesen. Genau darum versuche ich, im Hier und Jetzt zu leben, der Vergangenheit zu vergeben und darauf zu vertrauen, dass wir den richtigen Weg einschlagen werden und das Schicksal es gut mit mir und meiner Familie meint.

Meine Mutterrolle bedeutet für mich alles! Natürlich ziehe ich auch mal mit meinen Freunden los und geniesse es, einfach mal ich selbst zu sein, aber eigentlich bin ich Tag für Tag Taxifahrerin, Putzfrau , Köchin, Lehrerin, Ärztin, Seelsorgerin und das aus voller Leidenschaft.

Ich bin kein grosser Fan von der Gesellschaft. Überall Neider und jeder will besser sein, als der andere. Ich weiss nicht genau, ob mich andere Leute verstehen oder auch nicht. Es interessiert mich ehrlich gesagt auch nicht. Wichtig sind nur meine Familie und Freunde, bei ihnen fühle ich mich gut aufgehoben und verstanden.

Die Hauptprobleme einer ledigen Alleinerziehenden sind ganz klar die finanziellen Seiten, vor allem für jene, die keine Ausbildung haben. Sind alle Rechnungen bezahlt und der Kühlschrank voll, herrscht innerliche Ruhe, Glück und Liebe. Ist dies nicht der Fall, kommen der Kummer, die schlaflosen Nächte, der Tinnitus und somit auch die Überforderung.

Ich finde, dass Zahnarzt-Rechnungen in so einem Fall komplett übernommen werden sollten. Ich zahle meine noch immer mühselig ab.

Wenn ich drei Wünsche frei hätte, würde ich mir wünschen, dass es mir und meinen Mädchen ein Leben lang an nichts fehlt, dass ich mich von Ort zu Ort beamen könnte, damit wir die ganze Welt bereisen können und dass sich meine Rechnungen von alleine bezahlen»

Lucie, 29 Jahre (*Name von der Redaktion geändert)


Text: Caritas Schweiz
Bild: Zeichnung von Lucie

 

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