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Ostafrika noch immer in den Fängen der Hungerkrise

Eindrücke aus Somaliland - Mediendienst 9/2017

Obwohl die Hungerkrise in Somalia, Südsudan und andern ostafrikanischen Ländern aus dem Fokus der Medienberichterstattung gerückt ist, stellt sie für die dort lebende Bevölkerung nach wie vor die bittere Realität dar. Myriam Haberecht hat kürzlich Somaliland besucht. Ihr Fazit: Weitere Nothilfemassnahmen sind dringend nötig.

Als Anfang dieses Jahres die mediale Aufmerksamkeit für die aktuelle Hungerkrise am Horn von Afrika auf ihrem Höhepunkt war, sprachen die internationalen Hilfsorganisationen von der grössten humanitären Krise seit 1945, dem Gründungsjahr der UNO. Mittlerweile ist die Hungerkrise in den medialen Hintergrund gerückt, dabei hat sich die Nahrungsmittelknappheit nicht verbessert: Trotz des verstärkten Engagements internationaler und lokaler Hilfsorganisationen fehlen noch immer substantielle Finanzmittel, um der Krise nachhaltig und grossflächig begegnen zu können. Dazu kommt, dass durch die extreme Dürre nicht nur alle Lebensgrundlagen wie Vieh und Ernteerträge verloren gegangen sind, sondern Epidemien wie Masern und Cholera die Resilienz der betroffenen Bevölkerung zusätzlich schwächen. In Somalia, Südsudan und im Jemen sind ein Grossteil der Menschen auch noch Opfer kriegerischer Auseinandersetzungen, so dass viele von ihnen zur Flucht gezwungen sind.

Entwarnung ist also fehl am Platz: Dieser Eindruck bestätigte sich bei meinem Besuch Mitte August in Somaliland. Gemeinsam mit der lokalen Hilfsorganisation «Candlelight» habe ich mehrere Familien in der Region Waqooyi Galbeed besucht. Sie erhalten im Rahmen unserer Projekte monatliche Geldzahlungen um Nahrungsmittel, Medikamente und Kleidung kaufen zu können. Rund 70 Prozent der Bevölkerung Somalilands sind Nomaden. Ihre Tiere waren ihre Existenz. Doch seit die langanhaltende Dürre die Weideflächen über Jahre hinweg ausgetrocknet hat, sind die meisten Tiere gestorben. Ayan, 25 Jahre alt und Mutter von sieben Kindern, erzählt, dass sie und ihre Familie vor der Dürre mehr als 300 Kamele und Schafe hatten. Heute lebt sie mit ihrer Familie in einem Zelt aus alten Stofftüchern und Plastikplanen. Im Zelt ist es dunkel und eng. Es ist in zwei Bereiche unterteilt. Plastiktüten mit den wenigen Habseligkeiten hängen an der Zeltinnenwand und ersetzen Regale oder Schränke. Es gibt kein Bett; die Familie schläft auf einer dünnen Plane und praktisch auf dem Sandboden. Ayan ist ratlos, wenn man sie nach einer Perspektive und ihrer Zukunft fragt. Frühere Lebensgrundlagen wie die Viehhaltung sind keine Option mehr, und die meteorologischen Voraussagen zeigen keine Besserung bis 2018 auf. Durch die monatlichen Geldzahlungen in Höhe von rund 150 Franken sollen die Familien davor bewahrt werden, in eine noch tiefere existenzielle Krise zu rutschen. Die Hilfsorganisationen sind sich einig: Es geht darum, eine Hungersnot zu vermeiden.

Vor dem Hintergrund der langanhaltenden Dürre weitet Caritas Schweiz ihre Nothilfemassnahmen in Somaliland aus: Rund 10 000 Menschen im Osten des Landes erhalten Unterstützung durch direkte Geldzahlungen. Mütter von unterernährten Kindern werden hinsichtlich Hygiene und Ernährung geschult und erhalten Nahrungsmittelrationen. Caritas Schweiz prüft zudem, wie sie mit einem zusätzlichen Projekt zur Verbesserung der Gesundheit von Müttern und Kindern beitragen kann.

 

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