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Nächste Station: Zukunft

In dieser Woche flossen viele Tränen in der Flüchtlingsunterkunft von Caritas auf Lesbos. Tränen der Freude und des Trennungsschmerzes. Gut die Hälfte der über 200 derzeit beherbergten besonders bedürftigen Flüchtlinge wurden in das Umsiedlungsprogramm von UNHCR aufgenommen und durften mit dem Flüchtlingshilfswerk die Insel in Richtung Athen verlassen. Dort werden nun ihre Papiere für die Umsiedlung in ein anderes EU-Land erstellt.

Seitdem sie im März auf Lesbos gestrandet waren, ist die eigentlich für den Transit aufgebaute Unterkunft von Caritas zu ihrem Zuhause geworden. Die Mitarbeitenden wurden zu engen Vertrauten, die anderen Flüchtlinge zu Freunden und Familienersatz. Daher gab es gemischte Gefühle bei den 105, in dieser Woche abreisenden, Flüchtlingen, die mithilfe des UNHCR in andere europäische Länder umgesiedelt werden. In die Vorfreude auf eine Zukunft, auf ein neues Zuhause und vor allem auf ein Ende der seit Monaten andauernden Ungewissheit, mischt sich der Abschiedsschmerz von lieb gewonnen Menschen und von dem Ort, an dem sie zumindest zeitweise Zuflucht und Unterstützung gefunden haben.

Schon kurze Zeit nach der Abfahrt des Busses, erreichen Neuankömmlinge die Unterkunft. Familien und allein reisende Frauen mit kleinen Kindern sowie hochschwangere Frauen, die bisher in den unzureichend ausgestatteten provisorischen Lagern leben mussten und dort von Partnern der Caritas (wie UNHCR, IRC oder MSF) als besonders bedürftig identifiziert wurden. Das Team von Caritas wird ihnen nun nicht nur eine saubere Unterkunft, Beratung im Asylverfahren, der Familienzusammenführung oder Umsiedlung bieten können, sondern auch den Zugang zu Ärzten ermöglichen und vor allem Schutz bieten. Die Erleichterung ist ihnen nach den Strapazen der letzten Monate ins Gesicht geschrieben, es fliessen schon wieder Tränen, Freudentränen.

Ein wenig abseits vom Trubel der Einweisung der Neuankömmlinge, steht eine junge Frau, weinend. Gerade hat sie die Nachricht erhalten, dass in einem Haus der Familie in Syrien eine Bombe eingeschlagen ist. Ein Bruder und ein Onkel sind tot. Der Krieg nimmt kein Ende und verfolgt die Betroffenen auch auf ihrer Flucht.

Text und Bild: Mandy Zeckra, Programmverantwortliche, Caritas Schweiz

 

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