Navigation mit Access Keys

 

Mustafa kann nicht mehr aufstehen

In einem Zelt eines libanesischen Flüchtlingscamps für syrische Flüchtlinge steht ein Eisenbett, darin liegt Mustafa Chekladeh, ein 85 Jahre alter Mann. Er winkt schwach, als wir eintreten. Rings um ihn nimmt seine Familie Platz. Zwei der drei Töchter sitzen mit im Zelt: Amani, 26 Jahre alt und Souad, 35 Jahre alt. Beide haben je drei Kinder. Die dritte der Schwestern ist in Syrien geblieben – von ihr weiss die Familie nichts, ausser dass sie ihren Mann im Krieg verloren hat. Das ist auch den beiden hier anwesenden Frauen passiert.

Alle Töchter Mustafas sind Witwen. Ihr Vater windet sich im Bett, will auch etwas sagen, aber es kommen keine Worte mehr, sein Kummer ist zu gross. Erst vor wenigen Wochen wurde er an der Prostata operiert. Aber erst nachdem die Caritas sich für seinen Fall einsetzte und einen Teil der Operationskosten übernahm. Nun liegt er hier im Zelt, während seine Frau die Weinblätter für heute Abend rollt. Zum Glück konnte sie die in der Umgebung pflücken und musste nicht dafür zahlen. Denn das Geld ist knapp – die Reisfüllung für die Blätter haben libanesische Nachbarn vorbeigebracht. Das ist ein echtes Geschenk für die Chekladehs.

Seit einem Jahr haust die Familie nun schon in dem inoffiziellen Zelt auf dem Grundstück eines Bauern. Das Zelt wurde von der Caritas mit Matratzen und Bettwäsche ausgestattet. Ringsherum, in der Bekaa-Ebene, sind nichts als trockene Ackerflächen und Schotter für eine neue Strasse. Zum Glück können sich die Menschen über Pumpen mit sauberem Trinkwasser versorgen.

Ein Leben ohne Leben

Amanis Tochter Ghazal drückt sich an ihre Mutter. Sie ist übersät mit roten Pusteln. Alle Kinder hier hatten die Masern und Mustafas Enkeltochter ist die letzte, die sie durchmachen muss. Amani erzählt: „Unsere Kinder dürfen niemals alleine aus dem Zelt. Das Spielen da draussen ist zu gefährlich. Es ist keine zwei Wochen her, dass ein Kind einer anderen Familie in den Bewässerungstümpel neben unserem Zelt gestürzt und ertrunken ist. Das hier ist ein schrecklicher Ort für uns. Es ist kein Leben. Für unsere Kinder nicht und für uns Frauen nicht. Auch wir gehen den ganzen Tag nicht aus dem Zelt“.

Doch ausserhalb des Zeltes gibt es nicht viel für die Kinder zu erkunden. Vom Schulbesuch etwa können die Witwen und ihre Kinder nur träumen, denn es gibt hier keine erreichbare öffentliche Schule. Eine Privatschule kostet jährlich 1000 US-Dollar pro Kind, Geld, das die Familie nicht hat. Souads achtjähriger Sohn Ahmad kam eines Tages zu seiner Mutter und bat sie, ihm das Alphabet beizubringen. Schliesslich könne sie doch lesen und schreiben. Souad hat es versucht mit dem wenigen, was sie noch haben. Doch es gelang ihr nicht. Sie ist von dieser traurigen und trostlosen Situation psychisch so sehr angegriffen, dass sie Ahmads Wunsch einfach zu viel Kraft kostet.

Text: Jörg Schaper, Caritas International / Bild: Philipp Spalek

 

Teilen Sie diesen Beitrag

Ersatzinhalte

 
Ersatzinhalt-Startseite-Standard-DE
 
 

Caritas Schweiz
Adligenswilerstrasse 15
Postfach
CH-6002 Luzern

 

PC 60-7000-4
IBAN CH69 0900 0000 6000 7000 4
Spenden können bei den Steuern in Abzug gebracht werden.

 

Spenden­beratung

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf. Wir beraten Sie gerne persönlich. 

MEHR