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Mit Herzblut und Freude

Bei der Versorgung der Flüchtlinge in Griechenland können die Caritas Mitarbeitenden auf die Hilfe unzähliger Freiwilliger bauen. Darunter Phillip und Mike, die das Los der Betroffenen teilen und genau wissen, was die Menschen bewegt. Denn sie kamen einst selbst als Flüchtlinge ins Land.

Schachteln öffnen, Wasserflaschen, Kekse, Sesamsnacks, und Datteln in Plastiksäcke füllen, und diese dann in zwei Kleinbusse verteilen. Dann nach Idomeni an die griechisch-mazedonische Grenze fahren, um diese Zwischenverpflegungen an die gestrandeten Flüchtlinge und Migranten zu verteilen. Das ist die tägliche Arbeit von Mike und Phillip, die zusammen mit drei weiteren ehemaligen Freiwilligen bei Caritas Hellas (Caritas Griechenland) arbeiten und für die Verteilungen von Lebensmitteln und Kleidern zuständig sind.

Phillip ist seit fünf Jahren bei Caritas tätig. Im letzten September begann er als Freiwilliger bei den Verteilungen mitzuhelfen. Dazu gebracht hat ihn ein Abend im Sommer 2015, als er im Fernsehen sah, wie Vertreter von Hilfsorganisationen den Menschen in Not halfen. Seither wusste er, dass er auch etwas tun will. Von sich selbst sagt er, dass er in einer besseren Situation sei, wie die Menschen, die da täglich in den Booten ankommen. Und deshalb habe er die Verpflichtung, zu helfen. Phillip ist vor 12 Jahren als Migrant aus Nigeria nach Griechenland gekommen, und er weiss wie es ist, in einem fremden Land, ohne Sprachkenntnisse, ohne Beziehungsnetz und Freunde, anzukommen und von vorn anfangen zu müssen. Seine Familie kommt ursprünglich aus einer kleinen Stadt im Südosten von Nigeria. Sein Vater wurde in den Auseinandersetzungen zwischen Christen und islamistischen Gruppierungen getötet. Seine Mutter starb auch vor langer Zeit. Mehr über seine Familie und sein früheres Leben, will Phillip aber nicht erzählen. Inzwischen hat er in Griechenland eine neue Heimat gefunden, und mit der Arbeit bei Caritas Hellas auch eine neue, sinnstiftende Aufgabe. Dass er diese Arbeit mit Herzblut und auch viel Freude macht, erkennt man sofort, wenn man ihm zuschaut, wie er mit einem Schmunzeln die Menschen dazu auffordert, sich in eine Reihe zu stellen. Oder dabei, wie er den jungen Leuten, die ihn inzwischen schon kennen und ihm helfen, „hallo, my friend!“ zuruft.

Mike ist vor sechs Jahren ebenfalls aus Nigeria nach Griechenland migriert. Er fing im Januar als Volontär bei Caritas an. Mike sagt, er habe helfen wollen, weil er genau wisse, was die Flüchtlinge durchmachen. „I have been where they are“, sagt er. Er sei auch mal dort gewesen, wo die Flüchtlinge jetzt sind. Mike kam, wie die meisten der Flüchtlinge und Migranten in Idomeni, per Schiff nach Griechenland. Zwei Wochen lang war er unterwegs bis nach Lesbos, wo er aussteigen musste, ohne zu wissen, wo er genau war. An die Zeit auf dem Schiff möchte er sich nicht erinnern. Es war im Dezember 2009 und sehr kalt; er und alle anderen mussten ohne Decke in der windigen Kälte auf dem Deck schlafen. In Griechenland angekommen, bekamen sie Decken und wurden nach Athen gebracht. Er kennt die Schwierigkeiten bei den Bemühungen um eine Niederlassung, der Suche nach einer Arbeit, dem Streben nach einem neuen Zuhause. „Nobody cares for you“, «Niemand kümmert sich um dich», meint er.

Damit die Menschen, die jetzt nach Griechenland gekommen sind, es besser haben, als sie bei ihrer Ankunft, engagieren sich Mike und Phillip bei Caritas Hellas. Zusammen mit Kostas, Nicoletta und Gezim, die ebenfalls in Idomeni bei den Lebensmittelverteilungen helfen. Zusammen mit etwa 20 weiteren freiwilligen Helfern von der lokalen Caritas in Thessaloniki, die mindestens einmal in der Woche einen Tag damit verbringen, die Lebensmittelpakete zusammenzustellen oder am Wochenende in einem der von der Regierung aufgestellten Flüchtlingszentren Hygieneartikel und Kleider zu verteilen. Das sind die Menschen, die Tag für Tag, jede Woche, unentgeltlich oder für wenige Euro versuchen, den Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben zu helfen.

Text: Pamela Stathakis, Caritas Schweiz / Bild: Pamela Stathakis, Caritas Schweiz

 

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