Navigation mit Access Keys

 

Mit einer grossen Landwirtschaftsmaschine, Know-how und Kartoffeln zu einem besseren Einkommen

Kein Land der Welt beherbergt mehr Geflüchtete pro Kopf als der Libanon. Je länger diese Situation andauert, desto wichtiger wird es, dass Syrerinnen und Syrer auf der Flucht, aber auch die lokale Bevölkerung nachhaltig gestärkt werden. Im Herbst 2018 hat Caritas Schweiz zusammen mit der Gewerkschaft der libanesischen Landarbeiter ein neues Projekt in der Bekaa-Ebene gestartet. Es dreht sich um eine grosse landwirtschaftliche Maschine, Vermittlung von Wissen – und Kartoffeln.

Blog Syrien: Mit einer grossen Landwirtschaftsmaschine, Know-how und Kartoffeln zu einem besseren EinkommenWer an einem heissen Sonntagnachmittag im Dorf Ghazze in der Region Bekaa ankommt, ist wohl eher überrascht, eine grosse Schar Dorfbewohnerinnen und –bewohner anzutreffen, versammelt unter einem improvisierten Dach. Doch am Sonntag, dem 16. September 2018, haben sich Menschen aus dem Dorf sowie Vertreter verschiedener Ministerien, Gewerkschaften, Gemeinden und Kooperativen auf einem Platz eingefunden. Sie sind zur Einweihung einer Anlage für das Waschen, Sortieren und Abpacken von Kartoffeln gekommen, die für die Bauernfamilien und Landarbeiter aus Ghazze und den umliegenden Dörfern gedacht ist. Sogar die Medien waren anwesend!

Das fruchtbare Land des Bekaa-Tals so gut als möglich nutzen

Blog Syrien: Mit einer grossen Landwirtschaftsmaschine, Know-how und Kartoffeln zu einem besseren EinkommenDoch eigentlich erstaunt es nicht, dass so viele Menschen an der Nachernteverarbeitungsanlage interessiert waren. Die Bauernfamilien und Landarbeiter von Bekaa haben es nicht einfach. Die Region Bekaa gehört zu den ärmsten und am stärksten unterversorgten Regionen des Libanon. Sie beherbergt 36,1 % aller syrischen Flüchtlinge im Land, was den Druck auf die bereits armen Bauernfamilien, die ums Überleben kämpfen, verstärkt. Die fruchtbaren Böden und die zwei Flüsse, die durch die Bekaa-Ebene fliessen (Litani im Süden und der Orontes – Al Aasi – im Norden), machen die Region zum wichtigsten landwirtschaftlichen Gebiet des Libanon. Sie bietet gute Voraussetzungen für landwirtschaftliche Entwicklungsprojekte, besonders im Kartoffelanbau. Doch Landwirtschaftsförderung ist teuer, die Infrastruktur für Arbeiten vor und nach der Ernte dürftig, es fehlen Regulierungen sowie Know-how. Hinzu kommen ein erschwerter Zugang zu lokalen Märkten, eine schlechte Produktionsqualität und die Vorherrschaft von Mittelsmännern im Sektor.

Einkommensmöglichkeiten für syrische Flüchtlinge und schutzbedürftige libanesische Landarbeiter

Caritas Schweiz knüpfte an der vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) gespendeten Kartoffelwasch- und -sortiermaschine an und tat sich mit der Gewerkschaft der libanesischen Landarbeiter zusammen, um Produktivität und Know-how der Bauern sowie den Produktwert zu verbessern. Dadurch sollen schutzbedürftige syrische Geflüchtete kurzfristige Einkommensmöglichkeiten erhalten. Es braucht nämlich feste und temporäre Arbeitskräfte, um die Anlage zu betreiben und während der Kartoffelsaison einen ordentlichen Arbeitsablauf zu gewährleisten. Das Projekt schafft ausserdem Arbeitsplätze für Libanesen. Denn es werden einheimische Arbeitskräfte rekrutiert, um die verschiedenen Tätigkeiten umzusetzen.

Blog Syrien: Mit einer grossen Landwirtschaftsmaschine, Know-how und Kartoffeln zu einem besseren EinkommenLängerfristig soll das Projekt zudem die Anbauqualität und den Bodenertrag der Kartoffelbauern steigern, indem das Bewusstsein gefördert und technisches Know-how in Bereichen wie Düngung, Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, Bewässerung, landwirtschaftlicher Betriebsführung sowie Vor- und Nachernteprozessen vermittelt wird. 
An der Einweihungsfeier am 16. September wurde demonstriert, wie die Maschine läuft. Der Vertreter des Landwirtschaftsministeriums, der Präsidenten des Gemeindeverbands des westlichen Bekaa-Tals, der Präsident der Landarbeitergewerkschaft und Markus Koth, Programm-Manager von Caritas Schweiz, hielten feierliche Reden.

Alle Redner betonten die Bedeutung vergleichbarer Projekte für die schutzbedürftigsten Menschen im Libanon und erklärten, dass es wichtig ist, den Landwirtschaftssektor im Allgemeinen und die Bauern und Landarbeiter im Besonderen zu unterstützen. «Wir freuen uns auf eine hoffentlich langfristige, fruchtbare Zusammenarbeit», sagte Markus Koth zum Schluss. Auf eine bessere Zukunft für die Bauernfamilien und Landarbeiter im Bekaa-Tal.

Text und Bilder: Sarah Omrane, Programmmitarbeiterin Libanon und Syrien, Beirut

Bild ganz oben links: Einwohner von Ghazze, Gewerkschaftsmitglieder und ihre Familien kamen am 16. September 2018 zur Eröffnungsfeier des Projekts «Einkommensförderung für Bauernfamilien und Landarbeiter im Libanon».
Bild oben rechts: Markus Koth (Programm-Manager Syrien und Libanon, Caritas Schweiz), Herr Akl vom Landwirtschaftsministerium und Herr Majzoub vom Gemeindeverband des westlichen Bekaa-Tals weihen feierlich die Nachernteverarbeitungsanlage ein.

Bild oben links: Bauern, Gewerkschaftsmitglieder und Pressevertreter fotografieren die laufende Anlage. Glückliche und begeisterte Gesichter beobachten, wie die Kartoffeln nach dem Waschen sortiert werden.

 

 

Teilen Sie diesen Beitrag

Ersatzinhalte

 
Ersatzinhalt-Startseite-Standard-DE
 
 

Caritas Schweiz
Adligenswilerstrasse 15
Postfach
CH-6002 Luzern

 

PC 60-7000-4
IBAN CH69 0900 0000 6000 7000 4
Spenden können bei den Steuern in Abzug gebracht werden.

 

Spenden­beratung

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf. Wir beraten Sie gerne persönlich. 

MEHR