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«Meine Mutter hat mir das Leben gerettet»

Das erste Erdbeben am 25. April hat die Kleinstadt Sankhu im Nordosten Kathmandus in ein Trümmerfeld verwandelt. Mehrere Hundert Menschen sind dort gestorben oder werden noch vermisst. Eine Mutter und ihre Tochter erzählen, wie sie einander das Leben gerettet haben.

«Ich war im vierten Stock und kochte Reis und Kartoffeln, als die Erde zum ersten Mal bebte. Ich rannte die Treppe hinunter, fiel aber mehrmals hin, weil alles so sehr schwankte», erzählt die junge Anjila Shrestha mit zitternder Stimme. Im Erdgeschoss angekommen stiess sie auf ihre Mutter und zog sie mit sich nach draussen. Erneut bebte die Erde. Diesmal griff die Mutter, Osha Shrestha, ihre Tochter am Arm: «Ich zog meine Tochter in Richtung Hühnerstall und warf mich so auf sie, dass unsere Köpfe im metallenen Käfig geschützt waren».

Dann stürzte das Haus der Nachbarn zusammen und begrub beide Frauen bis zur Brust unter sich. Zum Glück konnten sie ihre Arme bewegen und sich gegenseitig ausgraben. «Meine Mutter hat mir das Leben gerettet», stellt Anjila fest. Ihren beiden jüngeren Geschwistern war gottseidank nichts passiert. Sie hatten am Fluss ausserhalb der Stadt gespielt. «Während des Bebens kamen mehrere Kinder um, die auf der Strasse gespielt hatten», berichtet sie weiter. Beide Frauen sind verletzt: die Tochter an der Hand, die Mutter am Rücken und am Bein.

Am Stadtrand im Zelt

Jetzt lebt die Familie am Stadtrand, unweit vom Fluss, in einem Zelt. Aber ohne den Vater, der als Polizist arbeitet. «Wir haben ihn seit dem Beben nicht mehr gesehen, weil er ständig im Einsatz ist, um den Opfern zu helfen», erzählt seine Frau. Die Nepalesen sind mit der Arbeit von Polizei und Armee zur Unterstützung der Opfer sehr zufrieden. Mit der Regierung dagegen weniger: diese habe nach dem Beben nicht ausreichend Hilfe zur Verfügung gestellt.

Die Stadt Sankhu ist ein einziges Trümmerfeld. Die meisten Häuser sind völlig zerstört. Hunderte Menschen sind gestorben oder werden vermisst. Der beissende Geruch ist unerträglich. Die Menschen tragen Stoffmasken, um sich vor dem Gestank und dem Staub zu schützen. Sie haben Angst vor weiteren Nachbeben und wagen es nicht, ihre Habseligkeiten unter dem Schutt auszugraben. Auch Mutter und Tochter haben Angst, in ihr Haus zurückzukehren, aber sie sind noch einmal in die Stadt, um das letzte ihrer Hühner zu suchen, das während des Bebens davongelaufen war. Von ihren zehn Hühnern hatten sieben überlebt. Mit vielen «putt putt putt» und ein paar Körnern gelingt es der Mutter schliesslich, das Huhn vor dem Dunkelwerden einzufangen. Jetzt, wo Lebensmittel knapp sind, ist ein Huhn extrem wertvoll.

Text: Katja Remane, Kommunikationsverantwortliche Westschweiz
Foto: Caritas Schweiz

 

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