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Klimaarbeit von heute verhindert die Armut von morgen

Tadschikistan kämpft mit den Folgen von Umweltsünden - Mediendienst 8/2017

In den letzten 20 Jahren konnten bei der Armutsbekämpfung enorme Erfolge erzielt werden. Allerdings gingen die Fortschritte oft auf Kosten der Umwelt. Es handelt sich folglich um Entwicklung auf Pump, denn schon in wenigen Jahrzehnten werden die Folgen von Umweltzerstörung und Klimawandel diese Erfolge wieder zunichtemachen. Verhindern kann dies nur eine radikale Umstellung auf eine nachhaltige und klimasensitive Nutzung der natürlichen Ressourcen. Ein konkretes Beispiel, das diese These unterstreicht, ist Tadschikistan.

Seit der Unabhängigkeit und dem Ende des darauffolgenden Bürgerkrieges verzeichnet Tadschikistan hohe Wachstumsraten. Allerdings basiert diese Entwicklung auf einem sorglosen Umgang mit Wasser, fruchtbarem Boden und Wäldern. 70 Prozent der knapp 8 Millionen Tadschiken leben von der Landwirtschaft, für die aber nur 7 Prozent der Fläche des Landes geeignet sind und dies in der Regel auch nur dann, wenn umfangreich bewässert wird. Viele Leitungen und Bewässerungskanäle sind jedoch undicht und laufen überdies oft tagsüber, so dass ein Grossteil des Wassers verloren geht oder in der Sommerhitze verdunstet, bevor es überhaupt die Felder erreicht. Zum hohen Wasserverbrauch trägt auch bei, dass ein Grossteil der Agrarwirtschaft auf dem Anbau von Baumwolle – einer Pflanze, die extrem viel Wasser benötigt – gründet.

Die allgemeine Bodenknappheit führt zu Überweidung und dazu, dass Ackerbau auch an steilen Hängen und exponierten Lagen betrieben wird. Die Folgen sind stark degradierte Böden, Erosion und zunehmende Anfälligkeit für Naturkatastrophen wie Erdrutsche und Flutwellen. Letztere werden von der radikalen Abholzung befeuert, die ihrerseits eine Konsequenz des Zusammenbruchs der Gasversorgung aus Sowjetzeiten und der daraus resultierenden Abhängigkeit von Holz zum Kochen und Heizen ist.

Es wird heisser und trockener

Die wirtschaftlichen Folgen dieser selbstverschuldeten Umweltsünden sind kurz- und mittelfristig stark schwindende Erträge, häufigere Ernteausfälle und Schäden an der Infrastruktur. Diese Entwicklung wird von extern verursachten klimatischen Faktoren verstärkt: Tadschikistan gehört zu den Ländern, die von den Folgen des Klimawandels stark betroffen sind, aber zu dessen Ursachen sehr wenig beitragen. Dem Land werden für die nächsten Jahrzehnte ein überdurchschnittlicher Temperaturanstieg und schwindende Niederschlagsmengen prognostiziert.

Die steigenden Temperaturen werden dazu führen, dass die einzigen Wasserreserven Tadschikistans, die Gebirgsgletscher, immer schneller abschmelzen und sich im Winter nicht wieder regenerieren können. Bereits in zwei Jahrzehnten werden sie verschwunden sein; die Hauptflüsse werden immer weniger Wasser führen, weil auch Niederschläge immer seltener werden. Weniger Flusswasser bedeutet auch weniger Verdunstung, was wiederum zu noch mehr Hitze und noch trockenerer Luft führt. Ausserdem bedeutet es für Tadschikistan zusätzliche Einschränkungen bei der Energieproduktion, die dort fast ausschliesslich durch Wasserkraft erfolgt und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist.

Stark schmelzende Gletscher können auch Schlammlawinen und eine Verschlammung des Flusswassers auslösen, das den Menschen als Trinkwasser dient. Langanhaltende Dürren in den Sommermonaten werden immer häufiger werden, so dass es in einigen Regionen teilweise über mehrere Jahre hinweg nicht möglich sein wird, Lebensmittel anzubauen.

Damit ihre Heimat in ein paar Jahrzehnten nicht völlig verarmt, müssen die Tadschiken dringend Anstrengungen unternehmen, Wasser effizienter zu nutzen, Wasserreserven zu schützen, der Abholzung Einhalt zu gebieten und die Ausbeutung des Bodens zu stoppen. Zusammen mit Partnern wie der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit oder der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau engagiert sich Caritas Schweiz bei diesem Wettlauf gegen die Zeit. Im Vordergrund stehen dabei Wiederaufforstung und nachhaltige Wald- und Weidebewirtschaftung, die Umstellung der Landwirtschaft auf Fruchtfolgewechsel und auf hitzeverträgliche Nutzpflanzen, die wenig Wasser benötigen.

Hungerkrisen vorbeugen

Es ist eine Arbeit, die einen langen Atem fordert, denn zum einen muss viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, zum anderen gelingen die genannten Umstellungen nicht von einem Tag auf den anderen. Die nötige Geduld aufzubringen und sich langfristig zu engagieren fällt vielen Geldgebern jedoch zunehmend schwer. In Anbetracht der auch medial deutlich stärker beachteten akuten Dürre- und Hungerkrisen in weiten Teilen Afrikas verlegen sie ihre Aufmerksamkeit immer mehr dahin. Dabei wäre es gerade vor diesem Hintergrund wichtig, in Tadschikistan jetzt am Ball zu bleiben und Entwicklungszusammenarbeit mit Blick auf den Klimaschutz zu betreiben. Denn andernfalls wird das Land schon in ein paar Jahrzehnten unfruchtbar und selbst Schauplatz einer Hungerkrise sein. 

 

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