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Keine Angst vor der Kesb

Vorsorgeauftrag: in guten Tagen rechtzeitig vorsorgen - Mediendienst 2/2017

Der Vorsorgeauftrag dient älteren Menschen, für den Fall einer Urteilsunfähigkeit die richtige Vertrauensperson zu wählen. Das gibt die Sicherheit, dass bei medizinischen und finanziellen Angelegenheiten sinnvolle Entscheide getroffen werden können. Die Behörden braucht es nur,wenn die Interessen der Betroffenen gefährdet sind.

«Es ist nicht lange her, da habe ich noch Arbeitsverträge unterzeichnet. Heute unterschreibe ich meinen Vorsorgeauftrag», sagt Pascal Michel. Er ist seit fünf Jahren in Pension und regelt nun seine Angelegenheiten in Bezug auf das nächste Lebensalter. «Das Leben geht schnell» sagt er weiter, «wenn man einen spannenden Beruf und echte Freunde hatte». Auf Familie und Freunde hat er neben seiner beruflichen Karriere stets Wert gelegt. Deshalb ist es für ihn selbstverständlich, für den Fall einer Demenz oder eines schweren Unfalls seine nächsten Angehörigen zu bevollmächtigen. Er setzt dafür seine Frau ein und als Ersatzperson seinen langjährigen Freund, denn Kinder haben sie keine.

Handschriftlich abgefasst oder notariell beglaubigt

Nach dem neuen Erwachsenenschutzrecht müsste er seine Frau eigentlich nicht schriftlich bevollmächtigen. Ehepartner und eingetragene Paare sind für medizinische, rechtliche und finanzielle Belange entscheidungsfähig. Für die ausserordentliche Vermögenssorge brauchen aber auch Ehepaare eine Vollmacht – zum Schutz des Vermögens in Bezug auf allfällige andere Interessen. Der Vorsorgeauftrag ist von Anfang bis zum Schluss von Hand zu schreiben. Wie beim Testament wird dadurch sichergestellt, dass die Verfasserin oder der Verfasser urteilsfähig ist. Wer nicht mehr selber schreiben kann, braucht eine notarielle Beglaubigung. Rechtsbeistand ist auch dann sinnvoll, wenn die finanziellen oder die familiären Verhältnisse anspruchsvoll sind.

Bevollmächtige Personen einbeziehen

Die Vorsorgevollmacht sollte nicht im stillen Kämmerlein verfasst werden. Im Gegenteil – das Gespräch mit der bevollmächtigen Person schafft die Grundlage für Entscheide, die im Sinne des Betroffenen sind. Und darum geht es in erster Linie: Wer für eine urteilsunfähige Person entscheidet,muss dies in ihrem Sinne tun. Wenn eine Drittperson einen solchen Entscheid in Frage stellt, wird geprüft, ob er im Sinne und zum Wohl des Betroffenen ist. Deshalb ist es so wichtig, dass die bevollmächtige Person über die Ansichten und Wünsche, über die Hoffnungen und Ängste des Anderen Bescheid weiss. Bei medizinischen Entscheiden ist dies von besonderer Bedeutung, wenn es etwa um die Frage der künstlichen Ernährung bei einem Wachkoma geht. Wohl kann in einer Patientenverfügung der Verzicht auf lebenserhaltende Massnahmen gefordert werden. In der Realität ist aber genau zu prüfen, ob dies auf die reale Situation zutrifft. Kennt die bevollmächtigte Person die Haltung des betroffenen Menschen, kann ein besserer Entscheid gefällt werden.

Der Vorsorgeauftrag gibt älteren Menschen die Gewissheit, dass beim Verlust ihrer Urteilsfähigkeitdie für sich richtigen und sinnvollen Entscheidungen getroffen werden. Die Kesb (Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde) braucht es dafür in aller Regel nicht. Sie überprüft lediglich die Vollmacht,schreitet aber nur ein, wenn die Interessen des betroffenen Menschen gefährdet sind.

Mit der Vorsorgemappe unterstützt Caritas ältere Menschen, um in guten Tagen rechtzeitig vorzusorgen.Neben dem Vorsorgeauftrag enthält sie eine Patientenverfügung und einen Testamentsleitfaden sowie einen Ratgeber um die letzten Dinge zu regeln. Über die kostenlose Hotline 0848 419 419 können wichtige Fragen zur Vorsorgemappe geklärt werden.

 

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