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«In normalen Jahren haben wir ein gutes Leben»

Aisha Omar (35) lebt zusammen mit ihren acht Kindern in Gugux, einem Dorf auf dem Hochplateau der Region Sheik in Somaliland. Von der Hafenstadt Berbera führt eine spektakuläre Bergstrasse hierhin. Wo früher tausende von Ziegen und Schafen für emsiges Treiben gesorgt haben, herrscht jetzt eine fast gespenstische Ruhe - eine Folge der verheerenden Dürre. Auch die Familie von Aisha leidet unter den Folgen der Katastrophe.

Noch vor zwei Wochen war Aisha mit ihrer fünfjährigen Tochter Jimah stationär in der Hungerklinik von Berbera. Das geschwächte, stark unterernährte Mädchen hatte eine schwere Lungenentzündung und die Masern. In der Hungerklinik konnte ihr Gesundheitszustand stabilisiert werden. Jetzt ist sie wieder zu Hause unter Kontrolle des mobilen Gesundheitsteams, das alle zwei Wochen auch Gugux besucht. Jimah bekommt noch immer eine auf Erdnussbutter, Milchpulver, Öl und Zucker basierende Ergänzungsnahrung und muss in den nächsten 14 Tagen jeden Tag fünf Rationen des als «Plumpynut» bekannten Produkts zu sich nehmen.

Die Ernte reicht nicht mehr zum Leben

Die Familie von Aisha Omar führt eine kleine Landwirtschaft und baut vor allem Tomaten und Sorghum, eine Art Hirse, an. 50 Kilo Tomaten und 30 Kilo Sorghum haben auf dem Markt einen Wert von etwa 50 Dollar. Von diesem Verdienst lebt die Familie. In einer normalen Erntesaison verdient sie mit ihrer Produktion jeden Monat bis zu 250 Dollar.

Doch in den vergangenen drei Jahren hat es kaum geregnet. Die Ernten fielen aus. «Es kommt immer wieder vor, dass wir nicht genug ernten können», erzählt Aisha. «Dann greifen wir auf unsere Tiere zurück, leben von der Milch und verkaufen eine Ziege auf dem Markt.» Doch von den 45 Ziegen, die Aisha einst besass, haben nur 15 die Dürre überlebt. «In normalen Jahren kommen wir eigentlich ganz gut durch», meint Aisha. «In den letzten beiden Jahren aber war es sehr schwierig. Sehr oft hatten wir gar nichts zu essen». Der Ernährungszustand ihrer Kinder ist sehr unterschiedlich - je nachdem, was gerade da ist, leiden sie Hunger.

Wer ist für die Dürre verantwortlich?

Warum hat es in den letzten drei Jahren so wenig geregnet? Auf diese Frage weiss Aisha keine Antwort. Sie vertraut auf Allah, dass schon alles gut kommt. Um dann selbstkritisch nachzusetzen: «Vielleicht regnet es nicht, weil die Leute die Bäume fällen und damit Holzkohle produzieren» - ein Produkt, das den Ärmsten hilft, in der Not zu etwas Geld zu kommen.

Text: Jörg Arnold, Caritas Schweiz
Bild (Porträt von Aisha): Fabian Biasio

 

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