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In der Schule bleiben

Mit dem Erdbeben wurde mühsam Aufgebautes wieder zerstört. Auch der Bildungsbereich, der sich in den letzten zwanzig Jahren etwas erholt hatte. Caritas treibt den Wiederaufbau von Schulen voran, doch wird dieser durch politische Unruhen derzeit gehemmt.

„Noch vor 20 Jahren konnten 90 Prozent der Leute hier auf dem Land weder lesen noch schreiben“, sagt Laya Prasad Prasain, der Schulleiter der Terse Sekundarschule im Distrikt von Sindhupalchok.

Gemäss UNICEF haben sich diese Zahlen seither markant verbessert: Etwa 90 Prozent aller jungen Männer und 77 Prozent der jungen Frauen im Land haben zumindest einige Jahre lang die Schule besucht. Und doch – das Ziel einer angemessenen Ausbildung für Alle bleibt eine Herausforderung: Besonders in den ländlichen Gebieten brechen viele Kinder frühzeitig die Schule ab, die meisten, weil sie arbeiten müssen oder früh verheiratet werden. „Manche Mädchen heiraten mit 13“, sagt der Schulleiter und ergänzt: „Kürzlich waren wir zu so einer Hochzeit eingeladen.“

Durch das Erdbeben hat sich die finanzielle Lage vieler Familien im ländlichen Sindhupalchok drastisch verschlimmert: „Es ist, als wäre unser Leben um 20 Jahre zurückgeworfen worden“, schildert der 16-jährige Sameer Lamichhane, der in der Terse Sekundarschule die zehnte Klasse besucht. „Das Haus meiner Familie ist zerstört. Wir konnten nur einige Bücher, Kleider und etwas Geld aus den Trümmern retten.“ Fast alle im Distrikt haben ähnliche Geschichten zu erzählen, und Kinderschutz-Organisationen warnen, dass viele Familien vermehrt Kinderarbeit in Betracht ziehen, um mit den materiellen Verlusten umzugehen. Für Sameer steht dies momentan nicht zur Diskussion: „Ich möchte meine Ausbildung abschliessen und Hotel Management studieren“, sagt er. „Damit kann man in die USA, das ist der Traum aller Nepalesen.

Damit Sameer und seine Mitschüler ihre Berufswünsche erfüllen können, braucht es dauerhafte Schulgebäude. „Die neuen Schulen müssen Erdbeben standhalten, die Klassenzimmer sollten grösser und heller sein als die alten, und die Kinder brauchen Platz zum Spielen im Freien“, wünscht sich der Schulleiter Prasain. Pläne für Gebäude, die das berücksichtigen, bestehen. Trotzdem kann das Land nur zögerlich in die Zukunft schauen: Aufgrund politischer Unruhen im Süden des Landes sind Importe von Treibstoff, Gas und anderen Gütern seit Wochen lahmgelegt. Die Preise für Baumaterialien sind zum Teil um das Doppelte angestiegen – eine Entwicklung, die den dringend benötigten Wiederaufbau von Schulen, Häusern und anderer Infrastruktur gefährdet. Angesichts der anhaltenden Krisensituation im Land klammert sich Sameer an die Hoffnung, dass Bildung Veränderung bringen kann. Darum nimmt er jeden Tag den langen Weg zur Terse Schule auf sich, um in einem provisorischen Klassenzimmer dem Unterricht folgen zu können.

Text: Manuela Bruelisauer, Caritas Schweiz
Bild: Peter Jaeggi

 

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