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„Ich wollte nicht tatenlos herumsitzen“

Nicht alle syrischen Flüchtlinge in Jordanien sind auf Unterstützung angewiesen. Einige von ihnen engagieren sich als Freiwillige im Dienste ihrer Landsleute, denen es schlechter geht. Amer K. begleitet Teams von Caritas Jordanien bei Besuchen von Flüchtlingsfamilien.

Amer K. stammt aus der syrischen Stadt Homs. Er arbeitete dort als Fahrer und als Maler, eine Zeit lang war er auch Sicherheitsangestellter in einem internationalen Unternehmen. 2010 heiratete er und wurde Vater eines Buben. Dann kam der arabische Frühling, der, wie für alle Menschen in Syrien, ein tiefer Einschnitt in sein Leben war. Auf friedliche Kundgebungen in Homs reagierten Polizei und Armee mit brutalster Gewalt. Amer wurde Zeuge, wie bei einem Granatangriff vor seinen Augen Kinder getötet wurden. Da hat er sich entschieden, mit seiner Familie zu fliehen.

Anders als viele Flüchtlinge konnte Amer sein Erspartes mitnehmen. Er fand in der jordanischen Stadt Mafraq eine Wohnung und kann sich über Wasser halten. Inzwischen ist ein zweiter Sohn zur Welt gekommen. Syrische Flüchtlinge haben in Jordanien Arbeitsverbot. Für ihn aber kam es nicht in Frage, tatenlos herumzusitzen. Er meldete sich bei der örtlichen Caritas, um dort als Freiwilliger zu arbeiten. Seit vier Jahren ist er täglich unterwegs mit den Teams der Caritas. Sie besuchen Flüchtlingsfamilien, klären deren Bedürfnisse ab und nehmen sie auf in die Unterstützungsprogramme. Bei den heiklen Gesprächen ist Amer ein Türöffner. „Es ist eine grosse Hilfe für uns, wenn ein Landsmann der Flüchtlinge dabei ist. Viele haben grosse Bedenken, persönliche Angaben zu machen, weil sie bei Befragungen des syrischen Geheimdienstes schlimme Erfahrungen gemacht haben. Deshalb arbeitet Caritas wo immer möglich mit syrischen Volunteers zusammen“, sagt Caritas-Sozialarbeiter Suhail Zreikat. Die Freiwilligen erhalten dafür auch Schulungen, unter anderem zum Umgang mit traumatisierten Menschen oder zur Friedensförderung.

Amer ist kein Mann der grossen Worte. „Ich bin froh, wenn ich meinen Landsleuten helfen kann“, sagt er auf die Frage, was ihn zu dieser Arbeit motiviere. Auf Besuch bei den Flüchtlingsfamilien ist aber gut erkennbar, dass er den richtigen Ton im Umgang mit diesen Menschen in ihren schwierigen Situationen findet. Auch mit Kindern kommt er leicht ins Gespräch und bringt sie da und dort zum Lachen. Ja, diese Szene damals in Homs, die komme ihm manchmal wieder hoch. „Ich will nicht zurück nach Syrien“, sagt er resolut. Sein Ziel ist es, mit seiner Familie nach Europa oder nach Amerika weiterzuziehen. Solange dies nicht möglich ist, setzt er sich für seine syrischen Landsleute in Not ein.

Text: Stefan Gribi, Leiter Abteilung Kommunikation von Caritas Schweiz / Bild: Alexandra Wey

 

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