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«Ich habe kein Problem damit, Abfall aufzusammeln»

Khaleds Familie ist 2013 gezwungen, aus ihrer syrischen Heimat ins benachbarte Jordanien zu fliehen. Nach ihrer Ankunft lebt sie am Existenzminimum, bis Khaled am Cash-for-Work-Programm der Caritas teilnehmen kann. Nichtsdestotrotz ist der grösste Wunsch des Familienvaters, bald nach Syrien zurückkehren zu können.

Khaled ist Flüchtling, 54 Jahre alt. Gemeinsam mit der Ehefrau, drei Söhnen und zwei Töchtern kam er 2013 aus dem ländlichen Umfeld von Damaskus nach Amman. Bis zu einer Bandscheibenverletzung, die ihn zur Aufgabe seiner Arbeit zwang, hatte er in Damaskus in der Aluminiumindustrie gearbeitet, danach in einer Kunstgalerie. In der syrischen Hauptstadt besass Khaled ein eigenes Haus, ein Auto und ein Stück Land. Er hatte ein gutes Einkommen und konnte seiner Familie einen angemessenen Lebensstandard bieten. «Im Jahr 2013 kam es zu immer heftigeren Kämpfen in unserem Ort. Eines nachts mussten wir von einem Moment auf den anderen fliehen, um unsere Leben zu retten. Wir mussten alles zurücklassen: unser Zuhause, unser Land und all unser Hab und Gut. Wir hatten nichts als unsere Kleidung, als wir in Jordanien ankamen», erzählt Khaled. «Wir kamen mitten in einer sehr kalten Nacht im Flüchtlingslager Zaatari in Nordjordanien an und waren entsetzt und schockiert von den Zuständen im Lager und unserem neuen Leben», fügt er hinzu.

Körper und Geist haben gelitten

Khaleds Ehefrau erzählt von der schweren Depression, unter der ihr Ehemann litt. Er war psychisch wie gelähmt und konnte seit seiner Ankunft in Jordanien nichts mehr tun. Sie erzählt auch von den Herzproblemen ihres Mannes und von den Medikamenten, die er zurzeit von der Caritas erhält, unter anderem zur Behandlung des Taubheitsgefühls im linken Bein – einer Folge seiner Bandscheibenverletzung.

Khaled und seine Familie verliessen das Flüchtlingslager Zaatari sechs Monate nach ihrer Ankunft. Gemeinsam mit ihrer Schwiegertochter und einem Enkel konnten Sie eine kleine Wohnung in der Stadt Irbid mieten. Die monatliche Miete in Höhe von 220 US-Dollar bereitet der ganzen Familie grosse Sorgen, da keines der Familienmitglieder ein genug hohes, gesichertes Einkommen hat. Die Familie hält sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser, die kaum genug Geld für die notwendigsten Lebensmittel einbringen.

Khaleds erste richtige Arbeit seit 2013

Im März 2017 hörte Khaled bei einem Besuch eines der Caritas-Zentren vom Cash-for-work-Programm der Caritas und beschloss, sich zu bewerben. Die Caritas stellte Khaled über die Gemeinde Irbid, die das Programm umsetzt, ein. Nun hilft er mit, Abfälle von den öffentlichen Plätzen der Stadt, von Strassen, aus öffentlichen Parks und von anderen Orten zu entfernen. Es ist die erste Arbeit, die Khaled seit seiner Ankunft in Jordanien im Jahr 2013 bekommen hat. Mit seinem Tageseinkommen von 15 US-Dollar trägt er nun erheblich zur Deckung der Haushaltsausgaben, einschliesslich der monatlichen Miete, bei. «Ich bin zwar erst zwei Monate im Cash-for-Work-Programm, aber ich spüre schon die positiven Auswirkungen, die meine Arbeit auf die Lebensbedingungen meiner Familie hat. Und auch mein mentaler Zustand hat sich verbessert. Ich habe kein Problem damit, die Strassen zu reinigen und auf den Friedhöfen Abfälle aufzusammeln, und ich hoffe, dass das Programm noch lange läuft», sagt Khaled.

Khaleds Bruder und seine beiden Schwestern wurden im Krieg getötet und sein gesamter Besitz wurde beschädigt. Trotzdem ist es sein sehnlichster Wunsch, so schnell wie möglich nach Syrien zurückzukehren und wiederaufzubauen, was zerstört wurde. Seine Hoffnung ist es, auf das Stück Land zurückzukehren, das er früher bewirtschaftet hat, und in der Gegend zu leben, in der er sein bisheriges Leben verbracht hat.

*Name geändert

Text: Nader Duqmaq, Caritas-Delegierter im Bereich Einkommenssicherung in Jordanien
Bilder: Caritas Schweiz

 

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