Navigation mit Access Keys

 

Hoffnung und Skepsis

Nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal ist auch nach Tag 5 der absolute Schaden noch nicht absehbar. Viele Orte sind nicht zu erreichen, die Menschen warten dringend auf Hilfe. Andreas Zinggl von Caritas Österreich hat einen ersten Eindruck gewonnen.

Aufgeregte Stimmen - durchsetzt mit lautstarken Rufen - vor dem Verwaltungsgebäude. Jüngere und ältere Männer sind nach stundenlangen Fussmärschen hier her gekommen. Sie wollen auf die Notlage in ihren entlegenen Dörfern aufmerksam machen. Sie beklagen, dass noch immer Menschen in den Trümmern liegen. Sie bringen handbeschriebene Zetteln mit, auf denen das Ausmass der Zerstörung dokumentiert ist. Sie versuchen, Hilfe zu organisieren. Erfolglos. Der zuständige Beamte ist nicht auf seinem Arbeitsplatz. Vielleicht, um sich selbst ein Bild zu machen, vielleicht aus Angst vor der aufgebrachten Menschenmenge.

Ein Militärhubschrauber landet auf einem 500 Meter entfernten Hügel. Hoffnung und Skepsis machen sich gleichermassen breit. Kurz darauf hebt der Hubschrauber wieder ab. Die Skeptiker haben gewonnen. Niemand weiss, warum er hier war. Es wird gemunkelt. Gerüchte gedeihen.

Die von jenem verschollenen Beamten erforderliche Unterschrift für den Hilfstransport der Caritas kann nicht eingeholt werden. Man beschliesst, die Aktion ohne Genehmigung fortzusetzen und die Unterschrift im Nachhinein einzuholen.

Eine halbe Stunde dauert die Fahrt auf einer unbefestigten Gebirgsstrasse in das Dorf. Normalerweise. Am Weg dorthin wird der Lastwagen mit den geladenen Hilfsgütern vom Militär angehalten. Die Genehmigung fehlt. Innerhalb kurzer Zeit versammeln sich Menschen aus einem anderen Dorf beim Lastwagen. Sie fordern die Hilfsgüter ein. Auch sie – so argumentieren sie – hätten noch keinerlei Hilfe erhalten. Vier Tage nach dem Beben. Der Grossteil der Häuser sei zerstört. Die Menschen bräuchten dringend Unterstützung. Lange Verhandlungen. Nach zwei Stunden kann der Lastwagen weiterfahren.

Sehnsüchtig wird der Lastwagen im Dorf erwartet. Der Begriff „Dorf“ wird dem was davon übrig geblieben ist nicht mehr gerecht. Etwa neunzig Prozent der Wohngebäude sind in sich zusammengestürzt. Dutzende Tote werden beklagt. Die Überlebenden haben mittlerweile vier Nächte im Freien verbracht. Auch im Regen. Nun steht die fünfte Nacht bevor. Die Essensvorräte sind aufgebraucht. Die Hilfe kommt gerade rechtzeitig.

Der 20-jährige Gyanendra Dulal ist bereit, bei der Verteilung mitzuhelfen. Er selbst hat das Beben in der Hauptsatadt Kathmandu erlebt, wo er Management studiert. Erst nach zwei Tagen erreichte ihn die Nachricht seines Vaters, was passiert ist. Sein kleiner Bruder ist unter den Trümmern gestorben. Ebenso seine Grossmutter, eine Tante. Die Mutter konnte schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht werden.

Seit er zurück ist, hat er unentwegt und mit blossen Händen die Trümmer nach brauchbaren Gegenständen durchsucht. Was sich für sein Leben nun geändert hat? Vieles, sagt er. Er möchte ab jetzt möglichst vielen Menschen helfen, die ebenso in eine so schwierige Notlage geraten sind, „like Caritas“ - so wie die Caritas, fügt er hinzu.

Text: Andreas Zinggl, Caritas Österreich
Foto: Caritas Schweiz

 

Teilen Sie diesen Beitrag

Ersatzinhalte

 
Ersatzinhalt-Startseite-Standard-DE
 
 

Caritas Schweiz
Adligenswilerstrasse 15
Postfach
CH-6002 Luzern

 

PC 60-7000-4
IBAN CH69 0900 0000 6000 7000 4
Spenden können bei den Steuern in Abzug gebracht werden.

 

Spenden­beratung

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf. Wir beraten Sie gerne persönlich. 

MEHR