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«Herzlich willkommen in unserem Zuhause»

Welche Zukunft erwartet diese afghanische Familie, die in Athen strandete? Trotz ihrer schwierigen Situation werden wir herzlich und humorvoll empfangen.

Wir treffen die Familie in der Nähe des Victoria-Parks, einem kleinen öffentlichen Park im Zentrum Athens, der sich in ein Flüchtlingscamp verwandelt hatte, aber nun geräumt wurde. Dank der Telefonnummern, die wir ausgetauscht hatten, gelang es uns, sie einige Stunden später in Hellinico ausfindig zu machen. Dort halten sie sich in einem Lager auf, das vor einigen Wochen auf dem Gelände des ehemaligen Athener Flughafens eingerichtet wurde.

Sie warten vor einem Terminal auf uns. Als Treffpunkt nennen wir ihnen die alte Fluggastbrücke der Compagnie Olympic, die zur Freude der Kinder begehbar ist und die vor sich hin rostet. Allgemeine Vorstellungsrunde: Hussein, der Onkel, um die fünfzig Jahre alt, und Wali, der Neffe, circa 30 Jahre alt. Dann lernen wir noch wir Roukhia kennen, Walis Ehefrau und den gemeinsamen Sohn Sharhan. Sie hatten einen Spaziergang am Meer gemacht, um auf andere Gedanken zu kommen.

Trotz dieser unwürdigen Bedingungen erscheinen uns die Männer sehr zuversichtlich. Wir folgen ihnen durch ein Decken-Labyrinth. Jede Familie hat hier ihre eigene „Insel“, die "Privatsphäre" wird durch auf dem Boden ausgelegte Decken markiert. Die Luft ist stickig. Das Gebäude ist zwar gross, aber es dringt kaum Frischluft hinein. Hunderte von Menschen hausen hier seit Wochen unter äusserst schwierigen hygienischen Bedingungen. Hier wird gegessen, dort wird Schach gespielt und da hinten wird geschlafen. Der Besitzer einer Haarschneidemaschine erklärt sich zum improvisierten Friseur. Zwei Euro der Haarschnitt. Kinder schieben lachend einen Rollstuhl vor sich her.

«Herzlich willkommen bei uns Zuhause», empfängt uns Hussein mit trockenem Humor, als wir vor dem Decken-Viereck seiner Familie stehen. Vor einigen Wochen sind sie aus Jaghori in Afghanistan geflohen. Erst quer durch Afghanistan, den Irak und die Türkei, und dann die Überfahrt mit einem Boot Richtung Kos. Tausende von Dollar gingen dabei an die Schlepper. Aber sie hatten keine Wahl. Im letzten Jahr wurde der jüngere Bruder Husseins von den Taliban getötet. Er war Offizier in der afghanischen Armee. Bewegt und feierlich zeigte uns Hussein das Bild des Grabes auf seinem Telefon. Hussein selbst war Besitzer eines Internetcafés in Jaghori, wurde aber verdächtigt, dass er amerikanischer Spion sei. Tag für Tag wurden die Drohungen schlimmer. Die Flucht war der einzige Ausweg. Deutschland sollte das Ziel sein, weil ein Cousin dort Asyl bekommen hatte. Natürlich mit der Hoffnung, seine Frau, die Kinder und die Kinder des ermordeten Bruders bald nachholen zu können.

Jetzt sind sie hier gestrandet. Für Afghanen scheinen alle Grenzen geschlossen zu sein. Geld, um weitere Schlepper zu bezahlen, haben sie nicht. Hussein braucht unbedingt eine ärztliche Behandlung. Sein Fuss hat sich nach einer Verletzung infiziert. Er konnte schon mehrere Tage nicht duschen. Und der junge Sharhan hustet immer mehr. Am nächsten Tag möchten sie zu Caritas Athen gehen, um ärztliche Hilfe und juristischen Rat zu bekommen.

 

Texte: Fabrice Boulé, Caritas Schweiz
Bild: Lefteris Partsalis

 

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