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Gestrandet in Belgrad

Weil viele Flüchtlinge an den innereuropäischen Grenzen abgewiesen werden, ist Belgrad einer der Orte, an dem sie sich wieder sammeln. Caritas unterstützt die Menschen mit Unterkunft, Essen, Kleidern und Beratung.

„Ich habe gehört, dass mein Mann in Kroatien sein soll! Was soll ich denn jetzt tun?“, fragt mich Ines* mit Verzweiflung in der Stimme. Ines, eine schon ältere Frau aus dem Irak, befindet sich gerade im Asylzentrum in Belgrad. Auf der langen Flucht über die Balkanroute hat sie ihren Mann verloren und sie hörte von jemanden, dass er in Kroatien gesehen worden sei. Das lokale Caritas-Team, mit Dolmetscher, Psychologen und einem Sozialarbeiter, beruhigt Ines und gemeinsam wird beraten, was jetzt zu tun sei.

Eine Caritas-Delegation aus ganz Europa besuchte in diesen Tagen das Zentrum und erlebte aus erster Hand, wie die täglichen Arbeiten und Herausforderungen vor Ort aussehen. Ursprünglich eingerichtet für Menschen, die Asyl in Serbien suchen, haben sich die Konditionen und Bedürfnisse in den letzten Monaten massiv geändert. Das für das Zentrum verantwortliche Flüchtlingskommissariat der Republik Serbien hat die Tore nun für all jene Flüchtlinge geöffnet, die das Land zur Durch- und Rückreise nutzen. Hier können sie sich ein wenig ausruhen und Kräfte sammeln.

Einige Vertreter des Flüchtlingskommissariats trafen mit der Caritas-Delegation zusammen. Übereinstimmend ist man der Ansicht, dass die Herkunft der Menschen, die Hilfe im Zentrum suchen, sich geändert habe. Mehr und mehr kommen Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern. Sie wurden an der kroatischen Grenze zurück geschickt und stranden nun in Belgrad.

Laut dem Flüchtlingskommissariat sind das die direkten Auswirkungen der Entscheidung von Deutschland und Österreich, nur noch Menschen aus Syrien, Irak und Afghanistan einreisen zu lassen. Die anderen kehren um, und so wird das Asylzentrum in Belgrad mehr und mehr ein wichtiger Sammelpunkt für sie. Dort bekommen sie eine warme Unterkunft, freies Essen und die Möglichkeit, zu duschen. Caritas unterstützt das Zentrum mit Beratung, Dolmetscherservice, Lebensmitteln und Gebrauchsgegenständen, wie Hygieneartikel, Kleider, Schuhe sowie mit Logistik.

Neben dem Zentrum verteilt Caritas Serbien in den Parks und bei den Busbahnhöfen ebenfalls Lebensmittel, Hygieneartikel, Kleider und Schuhe. Seit September 2015 konnten so rund 150 000 Menschen unterstützt werden.

(*Name geändert)

Text: Ana Zikovic, Caritas Serbie, Bild: Caritas Serbien

 

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