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Geld mit Müll? Arbeitsplätze für syrische Flüchtlinge in Jordanien

Cash-for-Work-Programm in Jordanien - Mediendienst 10/2017

In Jordanien arbeiten syrische Flüchtlinge und die ärmste lokale Bevölkerung Hand in Hand, um die Gemeinden von Abfall zu säubern. Das Arbeitsprogramm zeigt erste Erfolge: Die Teilnehmenden und ihre Familien können besser mit der Krise umgehen und die Gemeinden sind sauberer und umweltfreundlicher geworden. Langfristig braucht es zusätzliche Massnahmen, um den Menschen eine Zukunft und Perspektiven zu ermöglichen.

Es ist Vormittag und schon drückend heiss in einem Aussenbezirk der Wüstenstadt Irbid in Jordanien. Schweissgebadet pickt Khaled neben der asphaltierten Strasse die für Jordaniens Landschaftsbild typischen kleinen Plastiktüten aus den dornigen Sträuchern. Ein neuer Besen und schwarze Abfallsäcke sind seine wichtigsten Arbeitsgeräte. Khaled ist Flüchtling, 54 Jahre alt. Gemeinsam mit seiner Ehefrau, drei Söhnen und zwei Töchtern kam er 2013 aus dem ländlichen Umfeld von Damaskus nach Amman.

Die Krise betrifft alle

Seit mehr als sechs Jahren herrscht Krieg in Syrien, und noch immer ist keine politische Lösung in Sicht. Die schon lange andauernde Flüchtlingskrise, die limitierte internationale Unterstützung und die mangelnden Erwerbsmöglichkeiten haben die über 650'000 Flüchtlinge in Jordanien in eine äusserst prekäre Lage gebracht. Viele haben ihr gesamtes Erspartes aufgebraucht und verarmen zusehends. Oft sind der Verkauf des Hausstandes oder die Reduzierung der Ausgaben für Gesundheit und Schule die einzigen verbleibenden Überlebensstrategien. Gleichzeitig wird die Unterstützung von internationalen Organisationen wie dem Welternährungsprogramm oder dem Flüchtlingshilfswerk wegen fehlender Finanzmittel laufend reduziert.

Doch auch bedürftige Jordanierinnen und Jordanier spüren den zunehmenden Druck auf öffentliche Dienstleistungen wie Gesundheit oder Bildung und Infrastrukturen wie sanitäre Einrichtungen oder den Wohnungsmarkt. Die Krise wirkt sich auf die wirtschaftliche, ökologische und soziale Situation des ganzen Landes aus. Die vielen Flüchtlinge stellen den Wüstenstaat vor zahlreiche Herausforderungen, zunehmend auch im Abfallmanagement. Mehr Menschen, das bedeutet mehr Müll. Viele aufnehmende Gemeinden stossen bei der Reinigung der Strassen und des öffentlichen Raums an ihre Grenzen. Auch Ökosysteme und die Biodiversität leiden unter der engen Besiedlung und zunehmenden Abfallproduktion.

Mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) schaffen Caritas Schweiz und ihre lokale Partnerorganisation Caritas Jordanien mit Abfallbewirtschaftung Einkommensmöglichkeiten für syrische Flüchtlinge und jordanische Familien, die durch die Krise akut von Armut betroffen sind. Diese sogenannten Cash-for-Work-Programme («Geld für Arbeit») ermöglichen Betroffenen, nach einer Katastrophe oder in Krisensituationen ihre Einkommenssituation zu stabilisieren und damit besser mit dem Schock umzugehen. Gleichzeitig soll die verrichtete Arbeit der Gemeinschaft zugutekommen. Das Prinzip ist einfach: Die Menschen arbeiten und werden dafür entlöhnt. Die Beschäftigten erhalten den orts- und branchenüblichen Lohn, mit dem sie die wichtigsten Lebenshaltungskosten der gesamten Familie wie Miete und Ausgaben für Nahrungsmittel decken können. Zusätzlich sind sie kranken-, unfall- und sozialversichert. Die insgesamt 2'500 syrischen und jordanischen Arbeiter sind durchschnittlich während drei Monaten angestellt.

Cash-for-Work – (k)ein Wundermittel

Das Programm trägt bereits Früchte: «Ich bin zwar erst zwei Monate im Cash-for-Work-Programm, aber ich spüre schon die positiven Auswirkungen, die meine Arbeit auf die Lebensbedingungen meiner Familie hat», meint Khaled. Dies bestätigt auch eine aktuelle Umfrage. Die grosse Mehrheit der engagierten Abfallsammler konnte ihre negativen Bewältigungsstrategien reduzieren. Erspartes wird weniger angezapft und oft bleibt sogar noch etwas übrig für andere notwendige Ausgaben wie Winterkleider oder Medikamente. Eine grosse Rolle spielt der Zeitfaktor: Je länger die Person am Arbeitsprogramm teilnimmt, desto besser können Stress und kritische Ereignisse bewältigt und je länger die Projektlaufzeit, desto vorausschauender die Ausgaben geplant werden. Auch die lokale Bevölkerung ist zufrieden. Seit die Arbeiter den Gemeinden bei der Abfallentsorgung unter die Arme greifen, sind die Ortschaften viel sauberer und haben wieder ein solides Abfallentsorgungssystem, wie kürzlich eine Erhebung zeigte.

Trotz aller Erfolge sind Cash-for-Work-Programme keine dauerhafte Lösung. Arbeitsprogramme sind zwar richtig und wichtig, um über eine gewisse Zeit Einkommen zu generieren und währenddessen akute Armut und Notsituationen zu mildern. Angesichts der anhaltenden Krise braucht es aber auch langfristige Perspektiven und stabile Arbeitsplätze, welche es den Menschen ermöglichen, der Armut nachhaltig zu entkommen und ihr Leben selbstständig zu meistern. Die Internationale Gemeinschaft und Hilfsorganisationen wie Caritas Schweiz arbeiten bereits daran, längerfristige Einkommensmöglichkeiten zu schaffen. Die jordanische Regierung hat zugesagt, mehr Arbeitsgenehmigungen für Flüchtlinge zu erteilen. Insgesamt sollen so 200'000 neue Jobs entstehen. 

 

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