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«Es sind so viele»

Am Abend sitze ich mit einer französischen Journalistin am Tisch. Sie lebt in Jerusalem, berichtet regelmässig aus Palästina. Sie ist ein „alter Hase“, kennt sich in der Region aus, spricht fliessend arabisch. Für ihren Sender soll sie einen Beitrag über die Situation der syrischen Flüchtlinge in Jordanien machen. Sie besucht das Lager Zaatari, mitten in der Wüste, unweit der jordanischen-syrischen Grenze. Dort leben 40 000 etwa Flüchtlinge in einem riesigen Camp. Weitere 40 00 werden in den nächsten Wochen dort ankommen.

Fast überdreht kommt die französische Kollegin aus Zaatari zurück, berichtet von ihrem Beitrag, von den mobilen Krankenhäusern der Franzosen und der Marokkaner im Lager. Als ich sie nach ihrer persönlichen Einschätzung über das Lager und über die Situation der Flüchtlinge dort frage, schiessen Tränen in ihre Augen. Ich hätte mit jeder Antwort gerechnet, aber nicht mit dieser. Die Frau mir gegenüber lebt in Palästina, ist tagtäglich mit Gewalt, Leid und Hoffnungslosigkeit konfrontiert. Sie hat unzählige Berichte über palästinensische Flüchtlinge in den umliegenden Ländern gemacht. Und nun sitzt sie da und weint. Sie sieht mich an und sagt einfach: „Es sind so viele. Livia, es sind so viele!“

Weit über 200 000 Frauen, Männer und Kinder mussten bis heute Syrien verlassen. In Zaatari und all den anderen Orten, wo die Flüchtlinge Schutz suchen, erhalten die Statistiken plötzlich ein Gesicht. Aus der abstraten Zahl „Tausende“ werden tausende Gesichter, die Leid, Angst und Schock  widerspiegeln.

Das können nicht mal „alte Hasen“ ungerührt wegstecken.

 

Text: Livia Leykauf-Rota, Caritas Schweiz / Foto: Livia Leykauf-Rota

 

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