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«Es ist ein Glück, dass die Caritas uns unterstützt»

Im kleinen Gesundheitsposten des Hauptortes von Xagal, Somaliland, treffen wir Yassin Ibrahim (32). Er ist einer von zwei Gemeindekrankenpflegern im Ort und verantwortlich für die Grundversorgung von rund 8500 Menschen. Was er über die Lebenssituation der Menschen in seinem Dorf zu sagen hat, ist bedrückend. Trotzdem glaubt er an die Zukunft seiner Heimat.

Wir reisen von der Hafenstadt Berbera nach Xagal, einer verstreut besiedelten Region, die mit dem Auto durch die Wüste in gut zwei Stunden zu erreichen ist. Die Nomaden, die in dieser Gegend leben, haben einzig ihre Tiere als Einkommensquelle. Sie ziehen mit ihren Herden von Weideplatz zu Weideplatz, Schulen für die Nomadenkinder gibt es keine.

Der Hunger macht krank

«Die Menschen kommen von überall her zu uns, weil sie vor der Dürre fliehen und hier Hilfe suchen», erzählt der Gemeindekrankenpfleger Yassin Ibrahim. «Die Ernährungssituation ist sehr angespannt. Die Menschen können ihre Kinder nicht mehr ernähren. Gravierende Fälle überweisen wir ins regionale Gesundheitszentrum. Dort hat es ausgebildetes Pflegepersonal, das sich um die 25 bis 30 Kinder kümmert. Besonders schwere Fälle werden dann von dort mit der Ambulanz in die Hungerklinik im Spital von Berbera gebracht.

Die Unterernährung und Erkrankungen durch Mangelernährung sind die schlimmsten Probleme hier. Viele essen nur einmal pro Tag. Wenn diese eine Mahlzeit dann aus Reis besteht, reicht das nicht für die Kinder, vor allem deshalb, weil es auch kaum Milch gibt.

Der Gesundheitsposten hilft den Kindern, wieder zu Kräften zu kommen

Wir sehen hier nur die Kinder, die zu uns kommen. Kinder, die weit draussen in der Steppe wohnen, wo aus unsere mobilen Teams nicht hinkommen, sterben. Dort draussen ist die Situation noch viel schlimmer als hier. Immer wieder schaffen es Leute zu uns, die sagen, sie hätten in den vergangenen sieben Tagen nichts gegessen. Vor der Dürre hat es Unterernährung in unserer Region eigentlich nicht gegeben. Die Leute hatten genug Milch und Fleisch und hatten dank dem Verkauf von Tieren ein gutes Einkommen. Jetzt sind alle ihre Tiere tot sind.

In unserem Dorf gibt es etwa 350 Kinder unter fünf Jahren. Von diesen sind 141 schwer unterernährt, aber über drei Viertel zeigen Zeichen von Unterernährung. Wir geben den Kindern Ergänzungsnahrung und schwangere Frauen bekommen Zusatznahrung, damit sie keine Anämie entwickeln. Eines unserer grössten Probleme ist, dass die Eltern mit ihren Kindern nicht nach Berbera ins Spital fahren können oder wollen. Der Transport ist sehr teuer und auch der Aufenthalt kostet viel. Deswegen ist es besonders wichtig, das die Caritas für Kosten wie diese aufkommt. Dafür sind wir sehr dankbar.

Auch der Regen beseitigt den Hunger nicht

Im Vergleich zu den vergangenen drei Jahren regnet es jetzt zwar ausreichend - das löst aber unsere Probleme nicht. Wir haben Gras, aber keine Tiere. Und die Leute müssen die wenigen Tiere, die sie noch besitzen, verkaufen, sobald die Tiere wieder einigermassen bei Kräften sind. Denn sie haben kein anderes Einkommen. Vielleicht wäre es gut, wenn wir das Regenwasser besser nutzen und es in Zisternen lagern könnten: Dann hätten die Leute vielleicht die Chance, in die Landwirtschaft zu investieren. Die Erde ist hier eigentlich sehr fruchtbar. Wenn die Leute lernen, wie Wasser gewonnen, gelagert und für Bewässerung genutzt werden kann, dann haben wir hier vielleicht eine Zukunftschance.»

Text: Jörg Arnold, Caritas Schweiz
Bild: Fabian Biasio

 

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