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«Es bricht mir fast das Herz»

Rund 90 000 Flüchtlinge kamen in den vergangenen Tagen in Slowenien an. Einem Land, mit nur zwei Millionen Einwohnern. Einem Land, das noch immer mit der Wirtschaftskrise zu kämpfen hat. Jana Lampe von Caritas Slowenien berichtet über ihre Eindrücke und die Hilfsmassnahmen für die Flüchtlinge.

Auch Slowenien ist aktuell von der Flüchtlingskrise betroffen. Rund 90 000 Flüchtlinge und Migranten strömten in den letzten Tagen in das Land. Caritas koordiniert die Nothilfe in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz, dem Zivilschutz und der Regierung. In den Durchgangslagern werden Lebensmittel verteilt und die medizinische Betreuung sichergestellt.

Jana Lampe von Caritas Slowenien verteilte in den vergangenen Tagen Lebensmittel in einer neu eröffneten Registrierungsstelle in Dobova, an der Grenze zu Kroatien. Ihre Eindrücke vor Ort:

„Ich kann nicht fassen, was die Menschen alles durchmachen müssen. Die Flucht vor dem Krieg und nun das. Es bricht mir fast das Herz. Sie sind so weit gereist und stehen jetzt in Schlamm und Kälte nach Essen an. Das Lager hat eigentlich Platz für maximal 2100 Menschen. Gestern waren es 4198, es ist wirklich unfassbar. Mehr als 20 000 Menschen kamen über das Wochenende. Einiges konnte nun besser organisiert werden, trotzdem gibt es noch Leute, die draussen schlafen müssen.

Es sind viele Familien darunter, Schwangere und Kinder. Die Flüchtlinge sind ärmer als je zuvor. Ich sah viele, die nur noch müde und hungrig sind. Einige sind krank, andere haben Panikattacken. Zum Glück kam ein Ärzte-Team von Caritas Ungarn, um zu helfen. Wir wären ohne sie wirklich in Schwierigkeiten. Sie arbeiten in drei Zelten und stellen die medizinische Grundversorgung sicher. Und sie werden Gott sei Dank zwei Wochen länger als geplant bleiben.

Gestern gab es im Lager ein grosses Gedränge. Viele wollten nur Wasser und Essen und riefen „Helfen Sie mir bitte“. Wir verteilen Lebensmittel und Kleider, und versuchen, jedem zu helfen. Die Menschen sind sehr dankbar.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass so etwas je in meinem Land passieren würde. Mich bewegt die Situation der Menschen sehr. Ich sehe ihre Qualen, sie brauchen einfach unsere Unterstützung. Aber ich weiss nicht, wie lange wir diese Situation bewältigen können. Wir sind ein kleines Land mit zwei Millionen Einwohnern, und wir haben selbst eine Wirtschaftskrise. Es hängt alles davon ab, was in anderen Ländern geschieht, und was passiert, wenn die Flüchtlingszahlen weiter steigen.„

Caritas Internationalis (Bild: Ärztezelt von Caritas, Jana Lampe)

 

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