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«Es braucht viel Einfühlungsvermögen und Offenheit»

Markus Kopp leitet die Fachstelle Familienplatzierung Deutschschweiz von Caritas Schweiz. Im Interview berichtet er über die ersten Erfahrungen mit dem neuen Angebot zur Platzierung von unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden (UMA) und den Herausforderungen, die solche Platzierungen für alle Beteiligten mit sich bringen.

Anfang Jahr hat Ihre Fachstelle einen Aufruf zur Suche von Pflegefamilien für UMA lanciert. Was hat das bewirkt?
Das Echo war sehr erfreulich, unser Aufruf ist auf grosses Interesse gestossen. Über dreissig interessierte Personen haben uns kontaktiert. Darunter waren viele interessante Bewerberinnen und Bewerber, von denen wir acht als Pflegefamilie der Caritas gewinnen konnten. Die vielen Reaktionen zeigen uns, dass sich die Menschen ganz konkret für Flüchtlinge einsetzen und ihnen zu einem Leben in Würde und neuen Perspektiven verhelfen möchten.

Weshalb werden UMA in Pflegefamilien platziert? 
Das Wohl des Kindes steht wie bei jeder anderen Platzierung im Mittelpunkt. Deshalb plädieren wir dafür, dass UMA die gleichen Möglichkeiten erhalten sich zu entwickeln, wie Schweizer Kinder. Dazu zählt auch eine kindsgerechte Unterbringung und Betreuung – idealerweise in einer Pflegefamilie. Denn dies ermöglicht einen intensiven Spracherwerb, eine starke Unterstützung bei der Integration und der Entwicklung von Zukunftsperspektiven. Aus pädagogischer Sicht macht es Sinn Kinder und Jugendliche in einer Familie zu platzieren, die sich das wünschen. Ihre Talente, aber auch ihre Schwierigkeiten können so individuell gefördert beziehungsweise bearbeitet werden

Im Vergleich zu anderen Platzierungen, worauf gilt es bei UMA besonders zu achten?
Man darf nicht vergessen, dass diese Kinder und Jugendlichen geflüchtet sind. Sie haben oft eine Odyssee hinter sich und meist Ereignisse erlebt auf ihrer Flucht oder in ihrer Heimat, die wir uns in unserer behüteten Welt kaum vorstellen können. Deshalb bedarf es viel Einfühlungsvermögen und Offenheit für eine andere Kultur seitens der Pflegefamilie sowie aller anderen Involvierten. Wichtig ist es auch mit anerkannten Übersetzern und Kulturvermittlern zusammenzuarbeiten, damit die Kinder und Jugendlichen Vertrauen fassen und verstanden werden können.
 
Welche Fragen beschäftigen die Pflegefamilien?
Viele Fragen tauchen erst im konkreten Alltag auf. Sie handeln zum Beispiel vom Essen, Körperpflege, Schule und Freizeitgestaltung. Hier ist eine enge Begleitung unsererseits wichtig, denn diese Themen sind entscheidend für die Gestaltung von Beziehungen und das Zusammenleben.
 
Was sind die ersten Erfahrungen mit UMA-Platzierungen?
Die erste Platzierung läuft seit Mitte Mai im Kanton Luzern. Ein Jugendlicher aus Afghanistan wohnt bei einer Pflegefamilie, mit der wir neu zusammen arbeiten. Die Probezeit verlief gut, weshalb sowohl der Jugendliche wie auch die Familie fortfahren wollen. Die Abklärungen für Familienplatzierungen beanspruchen Zeit, da die Unterbringung von UMA kantonal und kommunal unterschiedlich geregelt ist. Sobald sich diese Prozesse eingespielt haben, können wir mit den Behörden und zuweisenden Stellen gute Lösungen erreichen.

Wie geht es weiter?
Wir sind daran ein Netzwerk von Familien mit unterschiedlichen Profilen aufzubauen, so dass wir auf spezielle Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen reagieren können. Bis im Herbst sind drei zusätzliche Platzierungen geplant. Ziel ist es, dass bis Ende Jahr sechs UMA bei Pflegefamilien leben. Von der Wirkung einer UMA-Platzierung bei Pflegefamilien sind wir überzeugt. Umsorgt von Pflegeeltern erhalten UMA die besten Entwicklungschancen.

 

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