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Erhöhtes Gefahrenpotenzial durch Städteboom

Steigendes Gefahrenpotenzial in wachsenden Städten erfordert neue Wege - Mediendienst 10/2016

In den letzten Jahren hat die Bedeutung von Städten drastisch zugenommen. Immer mehr Menschen leben in Städten und sind durch die Entwicklung einem erhöhten Gefahrenpotenzial ausgesetzt. Besonders betroffen ist die Bevölkerung in Slumgebieten. Deren Resilienz gilt es für Hilfswerke wie die Caritas umfassend zu stärken.

Aktuell leben mehr als 50 Prozent der Weltbevölkerung in Städten und das Städtewachstum nimmt weiter stetig zu. Das weitaus grösste Wachstum ist in Afrika und Asien zu erwarten, vor allem in mittelgrossen Städten und Städten mit weniger als einer Million Einwohnerinnen und Einwohner. Aus der Verstädterung ergeben sich zahlreiche wirtschaftliche, soziale wie auch ökologische Vorteile und Möglichkeiten, und Städte haben eine zentrale Bedeutung für Entwicklung und Armutsreduktion. Ungeplantes und rasches Städtewachstum hingegen kann beträchtliche Risiken für die Bevölkerung mit sich bringen. Eine nachhaltige Entwicklung ist nicht möglich, da Infrastrukturentwicklung und gesetzliche Richtlinien meistens nicht Schritt halten können. Zudem befinden sich Städte oft an Standorten, die in hohem Mass Naturgefahren ausgesetzt sind, so beispielsweise in Überschwemmungs- und Küstengebieten sowie geologischen Störungszonen. Daraus resultiert ein hohes Gefahrenpotenzial für die Städte: Ihre Infrastruktur sowie Einwohnerinnen und Einwohner sind im Fall eines Extremereignisses katastrophalen Auswirkungen ausgesetzt. Vor allem in ärmeren Ländern bringt der unaufhaltsame Städteboom zunehmende Gefahren für die Bevölkerung mit sich und macht neue Strategien und Ansätze notwendig.

Bangladesch: 50 Prozent leben in Slums

In Bangladesch zum Beispiel führt die zunehmende Abwanderung vom Land zu einer raschen Verstädterung. Die meisten Migrantinnen und Migranten lassen sich zunächst in Slums nieder, wo sie oft ihr Leben lang wohnen bleiben. Gründe für das Abwandern aus ländlichen Gebieten gibt es viele: Naturkatastrophen, kein Landbesitz, Unterdrückung, Familienprobleme sowie die Aussicht auf Einkommen in der Stadt zählen dazu. Die Slumbevölkerung in Bangladesch macht schätzungsweise 50 Prozent der gesamten städtischen Bevölkerung im Land aus, die im Jahr 2014 etwa 53 Millionen Menschen umfasste, davon rund ein Drittel in Dhaka. Die Slumgebiete in Bangladesch befinden sich an den risikoreichsten Standorten in Städten und sind Gefahren wie Überschwemmungen, Stürmen, Bränden und Erdbeben oft schutzlos ausgeliefert. Erschwerend hinzu kommt der Mangel an sanitären Anlagen, an sauberem Wasser und an Abfallentsorgung. Angesichts der Überbevölkerung führt dies zu massiven gesundheitlichen Risiken. Die Mietverhältnisse sind instabil und damit unsicher. Oft hat die Bevölkerung kein Anrecht auf städtische Dienstleistungen und Grundversorgung wie beispielsweise Elektrizität und medizinische Versorgung. Wegen des verbreitet tiefen Bildungsstands sowie Niedriglöhnen im informellen Sektor sind die wirtschaftlichen Aussichten schlecht.

Komplexe Herausforderungen der Risikoreduktion

Das Beispiel zeigt: Die Risikoreduktion in Städten muss sich einer Vielfalt von Herausforderungen stellen, die sich aus dem Aufeinandertreffen von gebauten und natürlichen, sozioökonomischen und gesetzgebenden Faktoren ergibt. Je dichter gebaut wird und folglich die Bevölkerung lebt, desto höher ist das Risiko eines Dominoeffekts, wo ein Ereignis das nächste und oftmals noch schlimmere auslöst. Slumgebieten in ärmeren Ländern, die chronisch mit staatlichen Leistungen wie Strom oder Trinkwasser unterversorgt sind, gilt ein besonderes Augenmerk der Caritas Schweiz. Eine verstärkte Selbstverwaltung sowie das Fördern einer offiziellen Anerkennung von informellen Siedlungsgebieten sind Strategien, welche dazu beitragen, dass die Bevölkerung den Risiken mit mehr Widerstandskraft entgegentreten kann. In Bangladesch arbeitet Caritas Schweiz mit lokalen Partnerorganisationen zusammen mit dem Ziel, die Resilienz der armen Bevölkerung in vier ausgewählten Slumgebieten in den Städten Dhaka und Khulna angesichts von Naturgefahren und Klimawandel zu stärken. Dabei werden unter Einbezug von Bevölkerung und Regierung in den Slums sowohl Ursachen wie Auswirkungen von Naturgefahren angegangen sowie der Zugang zu Infrastruktur, Dienstleistungen und Einkommensmöglichkeiten verbessert.  

 

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