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Ein Tropfen auf den immer heisseren Stein

Bioddieselprojekt der Caritas auf Bali spart 700 Tonnen CO2 ein - Mediendienst 2/2017

Soeben hat das Biodieselprojekt der Caritas Schweiz in Bali seine ersten 700 Tonnen CO2 gemäss Goldstandard reduziert. Das Zertifikat vom Goldstandard bestätigt nicht nur die Reduktion der Treibhausgase, sondern auch die Auflagen bezüglich sozialem Unternehmertum, welches die Caritas Schweiz trotz widriger Bedingungen erfüllen konnte. Das ist erfreulich, und dennoch kaum mehr als ein Tropfen auf den immer heisser werdenden Stein.

Eigentlich ist die Zertifizierung eine Erfolgsgeschichte. In einem schwierigen Umfeld in Indonesien auf Bali, wo herkömmlicher Diesel nach wie vor von der Regierung subventioniert wird und der Schwarzhandel mit Altöl blüht, konnte die Caritas erfolgreich ein kleines Sozialunternehmen aufbauen, das aus Altöl Biodiesel herstellt und als «Green Premium Produkt» auch erfolgreich absetzt.

Biodiesel preislich nicht konkurrenzfähig

Aber beim genaueren Hinschauen bleibt der Erfolg hinter den Ambitionen zurück. Ursprünglich war eine Einsparung von 800 Tonnen CO2 pro Jahr vorgesehen. Dass dieses Ziel unerreicht bleibt, liegt unter anderem daran, dass der Erdölpreis zusammengebrochen und Biodiesel zu den jetzigen Marktpreisen nicht konkurrenzfähig produzierbar ist. Für Hotels und Restaurants ist es zudem lukrativer, ihr gebrauchtes Speiseöl auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen, als dieses zu Biodiesel wiederaufzubereiten. Zwar hatte die Regierung auf Bali bei Projektbeginn versprochen, mit einer Gesetzgebung dem illegalen und stark gesundheitsschädigenden Schwarzmarkt mit Speiseöl ein Ende zu setzen. Doch sind die Interessenlagen komplizierter, und manch einer mag an diesem Handel dazuverdienen, der auch in der Politik etwas mitzureden hat. Zumindest wird Speiseöl bis heute weiterhin auf dem Schwarzmarkt verkauft und wieder und wieder erhitzt. Dabei sondert es mit jeder Erhitzung mehr krebserregende Substanzen ab. Das kümmert jedoch offensichtlich wenig, zumal diese krebserregenden Speiseöle vor allem in den Armenvierteln von Bali konsumiert werden.

Vieles läuft falsch im Klimabereich, auch in der Schweiz

Doch nicht nur im entfernten Indonesien auf Bali läuft in der Klimapolitik noch immer nicht alles so, wie es müsste. Auch das Umfeld in der Schweiz und international, das sich gemäss den Abkommen klimafreundlich entwickeln sollte, verschlechtert sich.

  • Der Emissionshandel und damit der Markt für CO2-(Reduktions-)Zertifikate ist zusammengebrochen und bietet kaum noch Anreize für Investitionen in erneuerbare Energien. Als Caritas das Biodiesel-Projekt in Bali mit «myclimate» und Kuoni im Jahr 2009 aufgleiste, war Kuoni bereit 30 Franken pro reduzierter Tonne CO2 zu bezahlen. Heute erhält man pro reduzierter Tonne CO2 höchstens noch 10 Franken, manchmal nur noch 7.50 Franken. Das ist doppelt schlecht, weil nicht nur Finanzierungen fehlen, damit neue Technologien erprobt und auf dem Markt kommen, sondern auch der Ausstoss von Treibhausgasen der Industrie wieder günstiger zu stehen kommt. Der einst als wirksamstes Steuerungsinstrument eingeführte Emissionshandel sitzt auf einem Berg von Zertifikaten, die niemand will. Und gemäss dem Prinzip von Angebot und Nachfrage ist der Preis damit im Keller.
  • Das der Schweiz vom Bundesrat vorgelegte CO2-Gesetz erfüllt die Vorgaben des Pariser Abkommens nicht. Wollen die entwickelten Staaten dem Ziel einer Erwärmung unter 2 Grad nachleben, muss eine «netto 0»-Politik eingeschlagen werden. «Netto 0» bedeutet eine Reduktion um 60 Prozent gegenüber dem Ausstoss von 1990. Nur so erreichen wir bis 2050 eine blanke Null-Emission. Das CO2-Gesetz sieht eine Reduktion von 30 Prozent vor und liegt damit klar hinter den Versprechen, die die Schweiz in Paris abgegeben hat.


Positive Zeichen

Dennoch lassen sich Umwelt und Sozialakteure nicht so leicht entmutigen. Weiter wird Altöl auch auf Bali eingesammelt und zu Biodiesel umgewandelt. Unterdessen wurde eine Tankstelle eröffnet, die dieses «Green Premium Produkt» anbietet. Eine ökologisch ausgerichtete Schule fährt ihre Schulbusse mit dem Biodiesel und umweltbewusste Eltern und Touristen interessieren ich auch dafür. Am Umwelttag hat die Gemeinde Denpasar einen ihrer Busse auf Biodiesel umgestellt.

Ob das Produkt sich auf dem Markt durchsetzen kann, hängt damit vom Bewusstsein der Konsumentinnen und Konsumenten ab. Ihre Bereitschaft, etwas mehr für eine bessere Zukunft zu bezahlen, ist also heute nach wie vor ausschlaggebend. Immer noch wartet man auf Bali und auch in der Schweiz auf die politischen Rahmenbedingungen, die umsichtig und langfristig die Weichen so stellen, dass das Gemeingut Klima besser geschützt wird als kurzfristige Gewinne der Wirtschaft. 

 

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