Navigation mit Access Keys

 

Ein Leben hinter Folien

Für Fosa Hamoud sind die Plastikfolien, die ihre Herberge verdecken, das letzte bisschen Würde, das ihr geblieben ist. Hinter der provisorischen Verkleidung verbirgt sich ein trauriger Anblick: Auf dem nackten Erdboden liegen Matratzen, die die Caritas ihrer Familie zugeteilt hat. Bevor Sozialarbeiter die Flüchtlinge aus Syrien in einem Gewächshaus entdeckten, hatte sie nicht einmal das: Ein Blick in die Notunterkunft verrät, unter welchen Bedingungen sie und ihre Familie ausharren muss.

Und trotzdem ist die Mutter von sieben Kindern froh hier zu sein: Während in ihrer Heimat seit nun drei Jahren ein Bürgerkrieg tobt, ist es ruhig in Mount Lebanon. 30 Kilometer entfernt von Beirut reihen sich die Gewächshäuser aneinander: Vor allem Gurken und Tomaten züchten die Landwirte auf dem fruchtbaren Boden. Damit es im Sommer für die Pflanzen nicht zu heiss wird, stehen die wackligen Konstruktionen an den Seiten offen. Genau hier, hinter transparenten Folien, leben seit ein paar Monaten Fosa Hamoud mit ihrem Mann und Kindern. Im Frühjahr, als die Syrier das Gebirge erreichten, schützte das Gewächshaus vor Wind und Regen. Jetzt im Sommer ist es unerträglich heiss hinter den Folien, deshalb haben sie und einige andere Flüchtlinge sporadische Schattenplätze errichtet, die sie vor der sengenden Sonne schützen sollen. Wie es im Winter weitergehen soll, weiss keiner: 1300 Meter über dem Meeresspiegel wird es eisig kalt werden. Das Folienhaus bietet bei diesen niedrigen Temperaturen kaum noch Schutz.

„Miete“ für eine Notunterkunft

Doch auch jetzt ist das Leben in der Folienunterkunft nicht leicht, denn umsonst ist das Leben hier nicht: Duldete der Gemüsebauer die Syrier anfangs noch, fordert er von den sechs Familien nun jeweils monatlich 300 US-Dollar für die „Miete“ des Gewächshauses, inklusive Strom für eine Glühbirne und Wasser, dessen Herkunft ausserdem zweifelhaft ist. Ein unverschämter Preis, denn in Libanon kann man für diese Kosten auch eine richtige Wohnung haben.

Das Geld für ihr neues Zuhause hat die Familie jedenfalls nicht. Auch sonst hat sie sich das Leben hier besser vorgestellt. In Syrien waren sie Ziegenbauern. Deshalb hofften die Hamouds sich in der Landwirtschaft nützlich machen zu können. Zwar helfen sie dem libanesischen Landwirt so gut wie es geht, trotzdem müssen sie jeden Tag damit rechnen, von dem Gewächshaus davongejagt zu werden, weil sie nicht zahlen können.

Von der Caritas werden sie weiterhin unterstützt: Neben dem Matratzenlager, gibt es inzwischen Seife, Shampoo, Spülmittel und Toilettenpapier für die Flüchtlinge. Mit einem Gutschein über 125 US-Dollar pro Familie, können die Hamouds ausserdem Nahrung kaufen. Die Frage ist nur, wie sie an die Lebensmittel kommen, denn der Supermarkt liegt zehn Kilometer entfernt von ihrer Bleibe. Doch Fosa Hamoud bleibt optimistisch, schliesslich hat sie schon so viel überstanden seit ihrer Flucht. „Wir sind froh, überlebt zu haben!“, erklärt sie. Das Leben hinter Folien geht für sie weiter.

Text: Jörg Schaper, Caritas International / Bild: Philipp Spalek, Caritas International

 

Teilen Sie diesen Beitrag

Ersatzinhalte

 
Ersatzinhalt-Startseite-Standard-DE
 
 

Caritas Schweiz
Adligenswilerstrasse 15
Postfach
CH-6002 Luzern

 

PC 60-7000-4
IBAN CH69 0900 0000 6000 7000 4
Spenden können bei den Steuern in Abzug gebracht werden.

 

Spenden­beratung

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf. Wir beraten Sie gerne persönlich. 

MEHR