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Ein Krankenhaus für syrische Flüchtlinge

Rafifs Lungen schmerzen, seine Augen glänzen fiebrig, ständig muss er husten – obwohl der Dreijährige aus dem syrischen Aleppo noch mit seiner Bronchitis zu kämpfen hat, ist er froh. Er hat es aus dem Zeltlager in das „Italienische Krankenhaus“ geschafft, wo man ihm wieder auf die Beine helfen kann. Die Klinik ist nicht nur das erste Krankenhaus in Jordanien, es ist auch heute noch das Grösste in diesem kleinen Land. Gegründet wurde es 1926 von italienischen Klosterschwestern. Heute ist es nicht nur Anlaufstelle für Kranke, es ist gleichzeitig auch Sitz des Medical Centers der Caritas Jordanien.

Seit 2011 ist Jordanien ein Zufluchtsort für viele Syrer geworden. Es ist schwer festzustellen, wie viele monatlich die Grenze des Nachbarlands passieren – die Schätzungen schwanken zwischen 50 000 bis 100 000 Menschen. Das Königreich ist mit der Flut an Flüchtlingen überfordert und braucht Unterstützung – auch bei der medizinischen Versorgung. Raban Khoury, IT-Manager des Caritas Medical Centers, hilft dabei, dass die Angaben über die Patienten in einer zentralen Datenbank registriert werden. „Hier werden Flüchtlinge nicht nur behandelt, wenn sie akut krank sind. Es werden ausserdem auch alle Informationen erfasst und in ein Online-System eingespeist, damit alle Caritas-Stellen in Jordanien darauf zurückgreifen können.“

Datenbank, die Leben rettet

Wie praktisch das ist, zeigt sich gleich ein Haus weiter auf dem grossen Krankenhausgelände. Dort hält Laurice Khoury einen Vortrag über den Umgang mit Diabetes, ein kostenloses Angebot für die Flüchtlinge. Koury erklärt Grundlegendes: Was ist eine Stoffwechselkrankheit? Welche Auswirkung hat Diabetes auf die Ernährung? Die Betroffenen können dank der angelegten Datenbank ausfindig gemacht werden, denn die gespeicherten Angaben verraten den Ärzten das typische Krankheitsbild. So können die Patienten direkt angesprochen und betreut werden.

Während Koury über Diabetes informiert, konsultiert der Arzt Dr. Khaled E. Abani einen Patienten nach dem anderen: Er unterhält sich mit ihnen, misst Blutdruck und Blutzucker. Auch er hat die Informationen aufgrund des Systems sofort zur Hand. Der Doktor ist erst 27 Jahre alt und arbeitet mit Begeisterung als Arzt bei der Caritas. „Als ich gehört habe, dass ich bei der Caritas für Flüchtlinge arbeiten kann, bin ich sofort nach meinem Studium hierhergekommen“, erzählt der Jordanier.

Es bleibt aber nicht nur bei einem Vortrag und einer Untersuchung an diesem Tag. Die Caritasmitarbeiter wollen möglichst anschaulich vermitteln, was die Zuckerkrankheit für den Alltag der Erkrankten bedeutet. Alle Teilnehmer dieser Veranstaltung erhalten ein gesund gekochtes Essen, um zu sehen und zu schmecken, wie man sich mit Diabetes sinnvoll ernährt. Gekocht wird in der Caritas-Küche. Diese wurde eingerichtet, um Menschen aus der Arbeitslosigkeit zu holen. Sie kocht günstiges Essen für Projekte, aber auch für private Feste.

Häufige Patienten: Kinder

Ein paar Stockwerke über der Küche beugen sich sorgenvolle Mütter über kleine Kinder in viel zu grossen Betten. Es ist ganz ruhig in dieser Abteilung des Krankenhauses. Alle Kinder hier sind syrische Flüchtlinge und die Caritas kommt für ihre Behandlung auf. Hier ist nicht nur Rafif mit seiner Bronchitis untergebracht. Da ist auch der zarte Yaman aus Damaskus, eineinhalb Jahre alt, der seine Heimat nicht kennt und an einer Lungeninfektion leidet. Oder Hussein: Apathisch kauert der Einjährige, der in einem Zeltlager in Mafraq geboren wurde, auf einem Stuhl. Seine Diagnose ist noch unklar ist. Kinder sind häufige Patienten: Sie haben oft zu wenig zu Essen und müssen verunreinigtes Wasser trinken. Rafif, Yaman und Hussein hatten Glück: Sie haben es an einen der wenigen Orte im Land geschafft, in dem sie kostenlos behandelt werden können. Die aktuelle Lage in Syrien lässt darauf schliessen, dass die Humanitäre Hilfe längerfristig bestehen bleiben muss. Wann Rafif nach Aleppo und all die anderen Kinder mit ihren Familien in ihre Heimatorte zurückkehren dürfen, bleibt ungewiss.

Text: Jörg Scharper , Caritas International / Foto: Philipp Spalek, Caritas International

 

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