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Ein Gaskocher gegen die Winterkälte

Erkältete Kinder, klamme Hände, nasse Kleider, fehlende Heizungen, zu wenig zu Essen: der Winter bereitet den syrischen Flüchtlingen zusätzliche Pein. Ein Besuch in Jordanien.

Schneestürme und Temperaturen bis minus 10 Grad: Im Januar 2015 hielt der Winter im Nahen Osten mit besonderer Härte Einzug. Der jordanische König Abdullah verordnete seinem Land eine Woche lang Zwangsferien. Die Strassen waren so stark vereist, dass die mit Sommerreifen ausgerüsteten Autos auf den sieben Hügeln Ammans und in den umliegenden Städten einer aussichtslosen Rutschpartie ausgesetzt gewesen wären. Mit der königlichen Anordnung, zuhause zu bleiben, konnten schwere Unfälle und millionenteurer Blechschaden vermieden werden.

Für den Grossteil der über 600 000 syrischen Flüchtlinge im Land ist der Winter eine zusätzliche Pein in ihrer sonst schon prekären Lage. Die meisten Flüchtlinge sind in ihren Unterkünften nur mit einem einfachen Heizstrahler oder Gaskochern ausgerüstet. „Wir sassen den ganzen Tag in einem Raum zusammen, in Decken gehüllt, und versuchten uns gegenseitig warm zu halten“, erzählt der Vater einer achtköpfigen Familie. Husten und laufende Nasen seiner kleinen Kinder zeugen noch jetzt davon. Der Winter ist aber nicht nur für die Gesundheit eine Bedrohung, er verursacht für die Flüchtlingsfamilien zusätzliche Kosten. Eine Gasflasche kostet 15 Franken und reicht bei diesen Bedingungen nur wenige Tage aus. Und eigentlich bräuchte es in dieser Zeit auch mehr Kalorien, aber für Lebensmittel auch sonst schon zu wenig Geld vorhanden. Familien, die gänzlich ohne Heizung waren, wurden von Caritas Jordanien mit Heizstrahlern und wenn nötig mit Decken versorgt. Oft springen auch einfach die Nachbarn ein und versorgen bedürftige Familien mit dem Nötigsten. Die Solidarität mit den syrischen Flüchtlingen ist in Jordanien nach wie vor gross.

Bei unserem Besuch in den ersten Februartagen sind die Tage ungewöhnlich warm, das Thermometer steigt bis 20 Grad. Dass es demnächst schneien könnte, scheint tagsüber kaum vorstellbar. Doch abends, wenn die Temperaturen empfindlich absinken, werden die Heizungen eingeschaltet. Und Besserung ist noch nicht in Sicht. Für die kommenden Tage sagt der Wetterbericht die Rückkehr des Winters voraus. Auch Schneefall ist nicht ausgeschlossen, Schnee der den Wüstenboden in kurzer Zeit in Morast verwandelt. Selbst wenn es nur regnen sollte, bleibt der Effekt der gleiche. In einfachen Unterkünften drücken Kälte und Nässe durch alle Ritzen, nasse Kleider sind kaum trocken zu kriegen. Das erzählt uns eine Familie mit zwei kleinen Kindern im Alter von einem und vier Jahren, die in einem Zelt wohnt. Sie findet in solchen Situationen wieder Unterschlupf im Nachbarhaus, einem ehemaligen Stall, der von geschäftstüchtigen Besitzern kurzerhand zu Flüchtlingswohnungen umfunktioniert wurden. Der Mann erzählt: „Dann sind wir zu zwölft in einem Raum. Sobald wie möglich gehen wir zurück ins Zelt, hier haben wir wenigsten etwas Privatsphäre. Ja der Winter ist schlimm - aber ebenso der Sommer, wenn es heiss wird“. Über 40 Grad sind dann nicht selten – die Klimaextreme im Norden Jordaniens sind für Menschen in provisorischen Unterkünften erbarmungslos.

 

Text: Stefan Gribi, Caritas Schweiz / Foto: Alexandra Wey

 

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