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Die Vergessenen in der Ostukraine

Abseits der internationalen Aufmerksamkeit leiden über vier Millionen Menschen in der Ostukraine unter einem bewaffneten Konflikt. Für sie leistet Caritas Ukraine Nothilfe. Caritas Schweiz unterstützt Caritas Ukraine seit 2015 durchgehend dabei. Mandy Zeckra, Leiterin der Humanitären Hilfe bei Caritas Schweiz, war im April vor Ort und berichtet von der aktuellen Lage.

Wohnhaus notdürftig von Kriegsschaeden repariertWir betreten ein kleines, dunkles Häuschen in der Ostukraine. Hier haben Galina (84) und ihre Tochter Ludmilla (48) ihr gesamtes Leben verbracht. Bis zum Ausbruch des Krieges in ihrer Heimat in der Ostukraine lebten sie wegen Ludmillas Behinderung nie unbeschwert, aber sie kamen über die kleine Garten mit dem eigenen Brunnen half dabei.

Nun musste das Haus bereits mehrmals notdürftig repariert werden, ein paar Löcher in der Aussenwand verputzt und neue Fenster eingebaut werden, um Schäden, die bei nahgelegenen Raketeneinschlägen entstanden sind, auszubessern. Aber die tiefen Risse in der Wand und an der Decke lassen vermuten, dass an Sicherheit in diesem kleinen Zwei-Zimmer-Häuschen nicht zu denken ist.

 

Blog: Die Vergessenen der OstukraineKeine sicheren Häuser, kein Einkommen - aber auch keine Möglichkeit wegzuziehen

Unter Tränen berichtet Galina, dass sie mit 40 Euro Rente im Monat ohne die Unterstützung von Hilfsorganisationen nicht überleben könnten. Aber auch den Nachbarn geht es ähnlich. Ungefähr die Hälfte sind noch verblieben, zumeist Ältere und Kranke, die sich die Miete einer Wohnung ausserhalb der Gefahrenzone nicht leisten können. Zu allem Unglück soll nun auch das Grundwasser in der Region mit Schwermetallen belastet sein. Denn die vielen Minen in der Region, die nun seit Jahren nicht mehr in Betrieb sind, füllen sich langsam mit Wasser und verseuchen die Umgebung über grosse Flächen.

Das Haus von Galina und Ludmilla in der kleinen Stadt Marjinka liegt nur etwa 500 Meter von der Kontaktlinie entfernt. «Jetzt am Tag ist es ruhig, denn die OSZE-Beobachter sind in der Region. Aber am Abend, wenn alle verschwunden sind, beginnen die Kampfhandlungen wieder und die Menschen müssen hoffen, dass ihr Haus verschont bleibt», schildert uns Gregory, der Leiter der humanitären Hilfe bei Caritas Ukraine.

 

Blog: Die Vergessenen der OstukraineDie Hilfsressourcen werden immer knapper

Nicht nur eingefroren, sondern fast auch schon vergessen scheint dieser Konflikt.  Er bekommt weniger öffentliche Aufmerksamkeit. Damit schwinden auch die finanziellen Mittel der Hilfsorganisationen. Immer mehr Organisationen ziehen sich zurück oder müssen ihre Hilfsmassnahmen reduzieren. Für den kommenden Winter kann Caritas Schweiz mit vereinten Kräften im Caritas-Netzwerk ihre Unterstützung aufrecht erhalten. So werden Hilfsmassnahmen für die Anschaffung von Öfen und Heizmaterial, die Reparatur von Häusern sowie die Versorgung mit sauberem Trinkwasser finanziert, aber wie lange noch?


Text und Bilder: Mandy Zeckra, Leiterin Humanitäre Hilfe bei Caritas Schweiz

Bild ganz oben: Das Haus von Galina und Ludmilla.
Bild oben: Galina
Bild rechts: Ludmilla

 

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