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Die syrische Bevölkerung braucht unsere Solidarität

Caritas Schweiz leistet Nothilfe für die Opfer des Syrienkrieges - Mediendienst 4/2017

Mitte Januar 2017 trafen wir Familien, deren Leben durch den Syrienkrieg vollkommen aus der Bahn geriet. In einem Land, das der Krieg bereits im 7. Jahr verwüstet, ist allein der Bedarf am Allernötigsten unermesslich. Der Syrienkrieg gilt als die schlimmste humanitäre Krise seit dem zweiten Weltkrieg. Worum es in diesem Konflikt ursprünglich einmal ging, kann kaum noch jemand nachvollziehen. Doch eine Sache liegt auf der Hand: Millionen von Menschen in Syrien und in den Nachbarländern brauchen weiterhin Hilfe. 

Es geschah letzten Januar in der Vorstadt von Damaskus. Er verkaufte Brot an einer belebten Kreuzung im Quartier von Jaramana. Mager war der junge Mann, abgetragen seine Kleider, er selbst vollkommen übermüdet. Er reichte mir sofort ein grosses Stück Galette (syrisches Brot), von dem er für sich selbst etwas abriss. Unsere Blicke kreuzten sich, wir lächelten uns an. Eine Geste, die man nicht vergisst. Ihm und Millionen von Menschen in seinem Land fehlt es einfach an allem. Mehr als sechs Jahre ertragen sie einen immer sinnloseren Krieg. Das syrische Volk ist und bleibt bewundernswert. Es braucht unsere Hilfe.

Sie und wir sind miteinander verbunden

Seit dieser Reise von Beirut nach Damaskus und Homs vergeht kein Tag, an dem ich nicht an die Mitarbeiter von Caritas Syrien denke. Wie mag es ihnen gehen? Ob sie wohl wieder fliessendes Wasser haben? Macht der ständige Stromausfall den Schulalltag ihrer Kinder nach wie vor so schwierig? Haben sie inzwischen etwas gehört von ihren Brüdern und Schwestern, die im Land oder ins Ausland flohen? Ich fühle mich ihnen so verbunden, diesen Menschen, die sich selbst Mut machen, indem sie anderen helfen, die noch mehr Hilfe brauchen als sie selbst. Die schrecklichen Selbstmordattentate in Homs und Damaskus und die erneuten Bombenangriffe der Miliztruppen auf die von den Regierungssoldaten kontrollierten Quartiere bis hin zum Stadtzentrum beunruhigen mich noch mehr als sonst. Wo haben die lokalen Caritasmitarbeitenden Schutz gefunden, im Büro oder zuhause? Und was ist mit den Hilfesuchenden, die ich traf? Was wird aus all diesen Menschen, die Hilfe suchten und bekamen? Und wann endlich wird das unermessliche Leid dieses Volkes endlich ein Ende finden?  

Denken wir an die Traumata der Jugendlichen

In Jaramana und in Homs trafen wir Familien, deren Leben durch das Chaos in Syrien vollkommen aus der Bahn geriet. Seit Kriegsbeginn 2011 folgt Veränderung auf Veränderung. Die Hälfte der Bevölkerung musste im Land oder ins Ausland fliehen. Die Hälfte der Vertriebenen sind Kinder oder Jugendliche. Tag für Tag gibt es Tote und Verletzte, viele werden ihr Leben an den Folgen der Verletzungen leiden. Von den Traumata der Kinder und Jugendlichen, die im Krieg geboren und aufgewachsen sind, ganz zu schweigen. Traumata als Folge der ständigen Gefahr, des Hungers und der Flucht, des Sterbens so vieler Familienmitglieder und der Familien, die in alle Winde zerstreut werden.

Der 16-jährige Hussein ist einer dieser Jugendlichen. Seine Familie – seine Eltern, seine beiden Brüder und seine Schwester – flohen 2012 nach Jaramana. Sie arbeiteten zuvor als Landwirte in der Region von Aleppo. Mohamed, der Sohn und älteste Bruder kämpfte als Freiwilliger in der Regierungsarmee. Am 9. Juli 2016 starb er in Deir ez-Zor im Kampf gegen die Islamisten. Er war gerade mal 22 Jahre alt. Seitdem sperrt sich Hussein in seinem Zimmer ein und kämpft mit seinen Wutausbrüchen. Ali al-Ahmad*, Abou Mohamad, «Vater von Mohamad», ist die grösste Stütze der Familie. Zahra, die Mutter, verbringt die meiste Zeit zusammengekauert an eine Wand gelehnt und schaut ins Leere. «Ich denke an meinen Sohn«, sagte sie mir.

Eine Mutter auf der Flucht

Einige Stunden später im lokalen Zentrum von Caritas Syrien steht eine Mutter auf der Flucht in der Tür. Vor zwei Tagen floh sie aus der Region Ain al-Fijah. Von hier stammt ein Grossteil der Wasserversorgung der syrischen Hauptstadt. Die Islamisten, die die Region noch bis Mitte Januar kontrollierten, hinderten die Bevölkerung an der Flucht. Sie konnte mit ihren beiden Töchtern während der Nacht fliehen. Ihre Familie musste schon Ende 2011 aus Babila, einem Nachbarort von Jaramana fliehen aufgrund der immer heftigeren Kämpfe zwischen der syrischen Armee und den Rebellen. Ihr und ihren beiden Töchtern blieb nur das, was sie auf dem Leib tragen. Heute Abend finden sie bei einer Cousine Unterschlupf, in deren Drei-Zimmer-Wohnung bereits zehn Personen Zuflucht fanden.

Musikklänge inmitten der Ruinen

In Homs hatten wir eine wunderbare Begegnung. Wir trafen Nour Ghozam und ihre Familie. Allesamt Musiker. Nour singt, ihr Bruder Rafi ist ein begabter Pianist. Vater Houssam spielt Oud (orientalische Gitarre) und Mutter Rita schreibt die Texte. In ihrer Wohnung in einem verwüsteten Gebäude in der Altstadt von Homs erlebten wir fast irreale Minuten, als wir den wunderschönen Klängen dieser musikbegeisterten Familie lauschten, während die Sonne zwischen den Ruinen langsam unterging. Ob in der Talsohle der Verzweiflung oder getragen von den Talenten ihrer Kinder, diese Familien brauchen unsere Solidarität und unsere Hilfe um zu leben und zu überleben. Lebensmittel, Medikamente, medizinische Versorgung, Toilettenartikel und Reinigungsprodukte, psychologische Betreuung und Hilfe beim Schulbesuch, Caritas versucht diese Familien in Homs und Damaskus in all diesen Grundbedürfnissen zu unterstützen. In Aleppo, wo die Situation seit Februar 2015 noch dramatischer ist, verteilt Caritas mit ihren Partnern 8000 warme Mahlzeiten an fünf Tagen die Woche. Auch die syrischen Flüchtlinge im Libanon, in Jordanien, im Irak und in Griechenland können auf die Hilfe von Caritas zählen. 

 

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