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«Die Bedürfnisse sind immens»

Hilfe der Caritas für 70'000 nach Bangladesch geflüchtete Rohingya - Mediendienst 10/2017

In Bangladesch spielt sich seit einigen Wochen eine humanitäre Krise ab: 500‘000 Angehörige der Rohingya sind in kurzer Zeit vor der Gewalt und Unterdrückung aus Myanmar geflohen. Ihre Lage ist äusserst prekär. Das internationale Caritas-Netz leistet Nothilfe für 70‘000 Flüchtlinge. 

Ende August lösten in Myanmar Zusammenstösse und das brutale Durchgreifen der Armee eine Massenflucht von Angehörigen der Rohingya-Volksgruppe aus. Eine halbe Million Menschen brachten sich über die Grenze ins benachbarte Bangladesch in Sicherheit. Unter ihnen sind schätzungsweise 60'000 schwangere Frauen. Die Hälfte der Flüchtlinge sind Kinder.

In Bangladesch ist ihre Situation höchst prekär. Das Land zählt zu den ärmsten der Welt und ist von klimabedingten Katastrophen wie den diesjährigen grossflächigen Überschwemmungen zur Monsunzeit stark betroffen. Nun hat Bangladesch zusätzlich die Ankunft einer halben Million Flüchtlinge zu bewältigen. Diese leben in provisorischen Camps und versuchen sich mit Plastikplanen gegen den Monsunregen zu schützen. Viele müssen unter freiem Himmel schlafen oder finden Unterschlupf in Betonröhren, Ställen und Unterständen im Nirgendwo. «Mütter mit zwei oder mehr Kindern geraten in akute Notsituationen. Kleinkinder bekommen nicht genug zu essen. Mädchen und Frauen sind grossen Risiken ausgesetzt», beschreibt Amrita Rozario, Mitarbeiterin von Caritas Schweiz in Bangladesch, die Situation. Es fehlt an sauberem Trinkwasser, sanitären Anlagen und medizinischer Versorgung. Auch Nahrungsmittel sind knapp. «Die Bedürfnisse sind immens», sagt Amrita Rozario. «Jetzt ist rasches und umfangreiches Handeln gefragt, damit die Menschen überleben können.»

Traumatische Erlebnisse

Hinzu kommt, dass die Flüchtlinge vom Erlebten stark psychisch belastet sind. Ihre Vertreibung war systematisch und von Gewalt geprägt. Das Militär brannte ganze Dörfer ab. «Jeder hat grausame Geschichten zu erzählen von Angehörigen, die ermordet wurden, von grausamen Gewalttaten, bei denen die Menschen dabei waren, Frauen, die vergewaltigt wurden. Die Gewalt, von der die Menschen berichten, die nach Bangladesch geflohen sind, ist grauenvoll», sagt Peter Seidel, Mitarbeiter des Deutschen Caritas-Verbandes nach einem Besuch vor Ort in einem Gespräch mit dem Deutschlandfunk.

Caritas versorgt Flüchtlinge in der Grenzregion

Caritas Bangladesch versorgt mit Unterstützung der Caritas Schweiz und anderen Organisationen aus dem internationalen Caritas-Netz Rohingya-Flüchtlinge in einem grossangelegten Nothilfeprojekt. Dieses fokussiert auf die Grenzregion bei Cox’s Bazar im Distrikt Chittagong und bezieht weitere Regionen mit ein. Verteilt werden Nahrungsmittel, Trinkwasser, Kleidung, Tabletten zur Trinkwasserdesinfektion und Plastikplanen. Die Hilfe der Caritas Bangladesch erreicht rund 70‘000 Menschen. 

 

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