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Die Ärztin vor Ort

Knochenbrüche, geschwollene Beine, Erkältungen – das sind nur einige Beschwerden, mit denen Dr. Katarina Mitrovic tagtäglich zu tun hat. Rund hundert Flüchtlinge betreut sie jeden Tag, manchmal sind sie in einem besorgniserregenden Zustand. Mitrovic arbeitet für die amerikanische Caritas CRS entlang der serbischen Grenze zu Ungarn und Kroatien. Ihre Diagnosen sind schnell, viel Zeit bleibt nicht.

„Man muss eben schnell arbeiten, wenn man pro Tag hundert Patienten hat“, erklärt Dr. Katarina Mitrovic. „Und du weisst automatisch, mit welchen Fragen du am schnellsten zur Klärung des Problems kommst.“ Die Ärztin, die auf innere Medizin spezialisiert ist, kann auf 30 Jahre Berufserfahrung zurück blicken. Jetzt hilft sie tausenden Flüchtlingen, die medizinische Versorgung benötigen. „Es ist sehr kalt geworden in Serbien und Kroatien. Und noch immer sind viele der Flüchtlinge barfuss unterwegs. Etliche haben keine Socken, manche nur kurze Hosen an. Es ist erschütternd“, so ihr Resümee.

In einem Interview erzählt sie mehr über ihre Arbeit und ihre Eindrücke.

Welche Beschwerden sind es, die Sie am meisten behandeln?

Am meisten sehe ich derzeit grippeähnliche Symptome, vor allem bei Kleinkindern. Sie haben Fieber und Atemwegsinfektionen. Aber auch viele Durchfallerkrankungen aufgrund der schlechten Ernährung treten auf. Weiter kommen viele mit geschwollenen Beine zu mir. Kein Wunder, die Menschen sind teilweise hunderte Kilometer gelaufen.

Nach welchen Medikamenten wird am meisten gefragt?

Am meisten wird nach Antibiotikum gefragt, nach Nasentropfen und etwas gegen Halsschmerzen. Oder nach Medizin für die Füsse und Beine.

Was ist für Sie derzeit die grösste Herausforderung?

Es ist sehr schwierig, verlässliche Diagnosen ohne diverse Hilfsmittel zu geben. Wenn zum Beispiel ein Patient mit Bauchschmerzen kommt, ist mitunter unklar, ob wir schnell handeln müssen und ihn in ein Spital bringen sollten. Unter normalen Umständen haben wir ja verschiedene Mittel zur Hand, die Aufklärung bringen können, wie Blutanalysen, Labortests etc.. Das gibt es hier nicht.

Was ist Ihre grösste Sorge?

Am meisten macht mir das Wetter Sorgen, denn die viele der Flüchtlinge sind das kalte Wetter nicht gewöhnt. Ich befürchte, dass das Wetter die Krankenrate erhöhen wird.

Was löst die Arbeit bei Ihnen selbst aus?

Nun ja, ich frage mich die ganze Zeit, wohin die Leute gehen und woher sie kommen. Dann realisiere ich, dass sie aus einer Katastrophe kommen und sie die schlechten Bedingungen doch erst dazu bewogen haben, diese Reise anzutreten. Ich weiss nicht, wie viele hunderte Kilometer sie gelaufen sind oder wie viele Bootsfahrten sie gemacht haben. Darüber denke ich nach. Ich hoffe, dass sie ihr Glück irgendwo finden. Aber ich mache mir über die Kinder grosse Sorgen und darüber, was das Erlebte mit ihnen macht. Sie bekommen medizinische Hilfe, aber wie können sie ihr Trauma überwinden?

Erinnern Sie sich an besondere Begegnungen?

Am Samstag kam ein Mann auf mich zu. Er war Chirurg in Damaskus, jetzt hat er sein ganzes Leben hinter sich gelassen. Das ist sicher schwierig für ihn. Ein anderer Mann erzählte mir von seiner Tochter und seiner Frau und wie Bomben auf sein Haus fielen. Ich bin davon überzeugt, dass man diesen Menschen Sicherheit geben muss. Denn das macht uns menschlich. Sie sind in Schwierigkeiten und wir sollten helfen, so gut wir können.

Text: Nikki Gamer, CRS / Bild: Nikki Gamer, CRS

 

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