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Caritas Schweiz schützt Menschen in Griechenland vor Gefahren auf der Flucht

Die dunklen Seiten von Europas Abschottungspolitik - Mediendienst 5/2017

Flüchtlingsabkommen werden in Europa oft als Erfolg gewertet, ohne die Kehrseite der Medaille für die Betroffenen zu beachten. Die Schliessung von Migrations- und Fluchtrouten treibt Menschen auf der Flucht dazu, mehr Risiken in Kauf zu nehmen. Dazu gehört neben der Gefahr, im Mittelmeer zu ertrinken oder an den Aussengrenzen Europas interniert zu werden, auch das Risiko, in die Fänge von Menschenhändlern zu geraten.

Auf den gefährlichen Fluchtrouten über das Mittelmeer war der Anteil der Menschen, die in den ersten drei Monaten dieses Jahres bei der Überfahrt ihr Leben verloren haben, fünfzehnmal höher als im selben Zeitraum 2016. Aber auch nach Ankunft auf europäischem Boden sind Flüchtende nicht sicher. Dies zeigen unter anderem die völkerrechts-  sowie europarechtswidrige Internierung von Flüchtenden über Monate hinweg an der ungarischen Grenze und auf den griechischen Inseln auf. Fälle wie beispielsweise das Schicksal der 71 Flüchtenden, welche 2015 in einem Kühllaster erstickt aufgefunden wurden und deren mutmassliche Schlepper seit kurzem in Ungarn vor Gericht stehen, gehören ebenfalls dazu.

Flüchtende als Opfer von Menschenhandel

Menschen auf Flucht- und Migrationsrouten sind aber auch besonders gefährdet, Menschenhändlern zum Opfer zu fallen, wie der Jahresbericht 2016 zum Thema Menschenhandel des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung aufzeigt (UNODC, Global Report on Trafficking in Persons 2016, United Nations publication, Sales No. E.16.IV.6). Um Hindernisse wie Mauern, Zäune und restriktive Grenzkontrollen zu überwinden, nehmen es Menschen nämlich in Kauf, sich dem organisierten Verbrechen auszuliefern. Das Fehlen legaler Alternativen macht sie in ihrem Wunsch nach einem besseren Leben empfänglich für das Versprechen einer vermeintlich sicheren Reise, mit dem auch Menschenhändler werben.

Wenn dann im Land, in dem Schutz und ein besseres Leben gesucht wird, der Weg zum legalen Aufenthalt verwehrt bleibt, ist das ein zusätzliches Druckmittel, mit dem Menschenhändler ihre Opfer an sich binden. Wer zum Beispiel mit gefälschten Papieren einreist, von Menschenhändlern ausgebeutet wird, aber trotzdem glaubt, von den Behörden hart für den illegalen Aufenthalt bestraft zu werden, wird sich nicht gegen seine Peiniger wenden und den Staat um Schutz ersuchen. Zu den Barrieren, einen Aufenthalt zu legalisieren gehören auch unverhältnismässig restriktive oder langwierige Asylverfahren.

Dass diese Abhängigkeit rücksichtslos ausgenutzt wird, wird immer wieder durch erschreckende Berichte untermauert, welche aufzeigen, wie Menschenhändler ihre Opfer zu Prostitution zwingen, versklaven oder sie als extrem billige Arbeitskraft ausbeuten. Laut einer Studie der Internationalen Organisation für Migration (IOM) haben fast 10 Prozent der befragten Syrerinnen und Syrer, welche auf der Flucht über Griechenland und den Westbalkan gereist sind, Erfahrungen mit Menschenhandel oder anderen Formen von Ausbeutung gemacht.

Recht auf Schutz geltend machen

Das Engagement von Caritas Schweiz in Griechenland bietet seit November 2015 besonders schutzbedürftigen Flüchtenden Sicherheit. Auf der Durchreise oder während des Asylverfahrens finden Frauen, Familien mit kleinen Kindern oder allein reisende Elternteile mit Kindern einen sicheren Schlafplatz in den Unterkünften, welche in Zusammenarbeit mit Caritas Griechenland geführt werden. Neben Schutz vor Wind und Wetter erhalten Flüchtende in den Unterkünften auch die nötige Unterstützung, um ihre rechtliche Situation und ihre Optionen zu kennen. Mit Hilfe von Übersetzern wird besonders darauf geachtet, dass sie ihre Rechte kennen und gegebenenfalls einfordern können. Die enge Begleitung der Fälle stellt ebenfalls sicher, dass diese Menschen ihr Recht auf Schutz auch nach der EU-Türkei Vereinbarung und den Massnahmen zur Verschärfung der Asylpraxis geltend machen können. Für viele droht die Gefahr, dass eine vorschnelle Ausschaffung in die Türkei sie wieder auf die unischeren Migrationsrouten und somit in die Arme der Schlepper zurücktreiben.

Langfristig bieten diese Unterkünfte und die rechtliche Unterstützung durch die Caritas jedoch keine Lösung. Solange Europas Politiker auf Abschottung setzen, bleiben Schlepper und Menschenhändler im Geschäft. Dabei gäbe es genügend Mechanismen, um legale Alternativen zu schaffen. Diese umfassen unter anderem humanitäre Visen, erleichterte Familienzusammenführung, Programme für sichere Arbeitsmigration, vereinfachte Visumsverfahren für Ausbildung und Studium oder langfristig angelegte Umsiedelungsprogramme aus Krisengebieten. Vorausschauende Massnahmen zu ergreifen, um legale Flucht zu ermöglichen ist längst überfällig.

 

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