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Bildung im Libanon – ein Schulwesen in Not

Was bedeutet die Flüchtlingskrise für die Schulbildung im Libanon? - Mediendienst 6/2017

Kein Land der Welt hat pro Kopf mehr Flüchtlinge als der Libanon. Ein Drittel der Bevölkerung,also rund 1,5 Millionen Menschen, stammen aus Syrien. Die Hälfte der Flüchtlingskinder geht nicht zur Schule und das Schulwesen ist mit der schieren Anzahl syrischer Kinder heillos überfordert. Darunter leidet eine ganze Generation. Es gilt, neben Bildungsangeboten in der akuten Notsituation auch mittel- und langfristige Ansätze zu verfolgen.

Die Anzahl der schulpflichtigen Kinder in Libanons öffentlichen Schulen hat sich seit Ausbruch des Krieges im Nachbarland Syrien fast verdoppelt. Gleichzeitig geht nur jedes zweite syrische Kind im schulpflichtigen Alter auch in die Schule und von zehn erfolgreich eingeschulten syrischen Schülerinnen und Schülern brechen sieben die Ausbildung wieder ab. Der Staat steht trotz grosser internationaler Unterstützung vor einer Herkulesaufgabe.

Die meisten syrischen Flüchtlinge haben keine Arbeit und ihre Ressourcen zur Selbstversorgung sind aufgebraucht. Aber auch die libanesische Gastgemeinschaft verarmt zusehends. Die Leidtragenden sind die Kinder. Viele Familien können sich einen Schulbesuch gar nicht leisten, oft müssen Kinderarbeiten damit die Familie überleben kann. Gehen sie zur Schule, findet das Lernen unter erschwerten Bedingungen statt. Viele Kinder leben in schwierigsten wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen und leiden unter traumatisierenden Erlebnissen. Dies führt oft zu besonderen Lernschwierigkeiten und hohen Schulabbruchraten.

Öffentliches Schulwesen ist völlig überfordert

Das libanesische Bildungsministerium hat sich mit einem kürzlich verabschiedeten Fünfjahresplan(RACE II – Reaching All Children with Education) zum Ziel gesetzt, dass bis 2021 alle 450’000 Flüchtlingskinder die öffentliche Schule besuchen; heute sind es erst rund die Hälfte. Dies stellt das schon vor dem Krieg angeschlagene Schulsystem vor enorme Herausforderungen und ist mit massiver Überforderung und Qualitätseinbrüchen verbunden. Der grösste Druck lastet auf den Lehrerinnen und Lehrern. Aufgrund der knappen vorhandenen Ressourcen wurden Massnahmen wie Schichtunterrichteingeführt, bei welchem morgens mehrheitlich die libanesischen und nachmittags die syrischen Kinder unterrichtet werden. Mancherorts werden auch einfach die Klassengrössen um bis das Zweifache erhöht.Für die häufig unterbezahlten und ungenügend qualifizierten Lehrpersonen bedeutet dies, dass sie doppelte Arbeit in einem äusserst schwierigen Lernumfeld leisten müssen und dabei kaum Unterstützungerfahren.

Obwohl viele Kinder besondere Lernschwierigkeiten und wegen verpassten Schuljahren einen unterschiedlichen Wissensstand haben, ist der Frontalunterricht im Libanon gängige Praxis. Die meisten syrischen Schülerinnen und Schüler verstehen jedoch oft nicht einmal die Unterrichtssprache. In ihrem Heimatland findet der Unterricht nur auf Arabisch statt, während im Libanon mathematische und naturwissenschaftliche Fächer entweder auf Englisch oder Französisch gelehrt werden. Lehrpersonen sind nicht genügend geschult, um auf die individuellen Lern- und Förderbedürfnisse der Kinder einzugehen.Diese Schwierigkeiten schlagen sich zusehends in der Verschlechterung der Unterrichtsqualität für alle Schulkinder nieder und führen oftmals zu Spannungen, Frustration und Ablehnung.

Keine verlorene Generation ̶ Entwicklung des Bildungssystems

Das Engagement von Caritas Schweiz im Libanon setzt auf drei Ebenen an. Erstens wird unter wissenschaftlicher Betreuung und in Koordination mit dem Bildungsministerium ein angewandtes Schulungsmodul für Lehrpersonen entwickelt, um besonders den Förder- und Nachhilfeunterricht zu verbessern. Zweitens begleiten Coaches des Bildungsministeriums die Schulleitungen dabei, qualitative Verbesserungen des Förderunterrichts fundiert und systematisch umzusetzen. Das ermöglicht sowohl Lehrpersonen wie Schülern ein adäquates Arbeits- und Lernumfeld. Drittens soll das Bildungswesen langfristig und über die Syrienkrise hinaus gestärkt werden. Unter akademischer Begleitung wird in enger Zusammenarbeit mit dem libanesischen Bildungsministerium ein Konzept für die Aus- und Weiterbildung und Coaching für Lehrerinnen und Lehrer begutachtet und weiterentwickelt, um die Bildungschancen aller Kinder langfristig zu verbessern.

Dieser Ansatz geht weit über die akute Nothilfe hinaus, aber hat dennoch seine Grenzen hinsichtlich der komplexen Problematik. Bildungshindernisse wie Armut und Kinderarbeit verlangen nach ganzheitlichenAnsätzen, die nur mit langem Atem und in strategischer Partnerschaft verschiedener Akteureangegangen werden können. Angesichts der Flüchtlingssituation in der Region, aber auch in Europa,ist solch ein Vorgehen nicht nur für den Libanon eine Notwendigkeit, um die Zukunft einer Generationvon Kindern zu sichern.

 

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