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Bevölkerung in den Slums von Bangladesch stärken

Städtewachstum als eine Folge von Klimawandel und Überbevölkerung - Mediendienst 9/2017

In Bangladesch muss die Bevölkerung schon seit je her mit den extremen klimatischen Bedingungen kämpfen. Vor allem in den letzten Jahrzehnten machen sich jedoch die Folgen des Klimawandels immer stärker bemerkbar. Das hohe Bevölkerungswachstum hat zudem auch in den ländlichen Regionen zu einer Überbevölkerung geführt. Das nutzbares Land pro Kopf wird somit immer knapper und durch Landwirtschaft kann die Lebensgrundlage nicht mehr gesichert werden. Viele Familien zieht es daher in die Städte.

Bangladesch ist eines der Länder auf der Welt, das am stärksten von Naturkatastrophen und den Folgen des Klimawandels betroffen ist. Die Bewohner Bangladeschs haben sich hierauf eingestellt, da sich die Wetterextreme immer schon jährlich wiederholen.  Es ist hier jedoch in den letzten Jahren ganz klar ein negativer Trend aufgrund des Klimawandels in Häufung und Ausmass erkennbar. Während der Monsunzeit fallen die Überschwemmungen immer heftiger aus und grössere Landesteile sind betroffen. Im Gegensatz dazu werden die Trockenperioden in den Dürreregionen des Landes immer länger und die durchschnittliche, jährliche Niederschlagsmenge sinkt. Die Küstenregionen sind immer häufiger von Wirbelstürmen betroffen, hinzu kommt hier die Versalzung des Grundwassers bis weit ins Landesinnere. Zudem sind die jahreszeitlichen Wetterbedingungen immer schwieriger voraussehbar. Für viele Familien bedeuten diese Katastrophen und extremer werdenden klimatischen Bedingungen den Verlust der Existenz- und Lebensgrundlagen, insbesondere da diese immer noch für den Grossteil der Bevölkerung Bangladeschs von der Landwirtschaft abhängen. Neben den klimatischen Bedingungen und Naturkatastrophen wird das landwirtschaftlich nutzbare Land pro Kopf durch das hohe Bevölkerungswachstum verknappt. Schon heute leben in Bangladesch im Durchschnitt weit mehr als 1000 Menschen pro Quadratkilometer.  Es wird somit immer schwieriger die Lebensgrundlage durch Landwirtschaft zu sichern. Viele Familien sind daher zu Migration, insbesondere in urbane Regionen, gezwungen.

Unkontrollierbares Wachstum der Städte

Als Konsequenz der Perspektivlosigkeit vieler Familien auf dem Land migrieren diese in die Städte und urbanen Räume. Insbesondere die Megametropole Dhaka, die Hauptstadt Bangladeschs, übt auf viele Menschen eine grosse Anziehungskraft aus. Man erhofft sich einen besseren Lebensstandard durch Jobs in der Textil- oder Bauindustrie. Dieser Traum geht nur für die Wenigsten in Erfüllung. Der Arbeitsmarkt ist kaum reguliert, Mindestlohn und Arbeitsschutz gibt es nicht. Viele Neuankömmlinge enden in den Fabriken unter schrecklichen Arbeitsbedingungen, arbeiten als Tagelöhner oder halten sich als Rikschafahrer, als Träger oder mit sonstigen unterbezahlten Jobs über Wasser.

Das Wachstum der Megametropole Dhaka ist unkontrollierbar. Täglich gibt es tausende Neuankömmlinge aus den ländlichen Regionen, die sich ohne Ressourcen und Wissen über das Leben in der Stadt in den unzähligen wachsenden oder neuentstehenden Slums der Stadt ansiedeln. Eine Stadtplanung seitens der Regierung gibt es in den meisten Fällen nicht. Falls doch, ist diese aufgrund der geringen Ressourcen der offiziellen Stellen und der massiven Herausforderungen absolut unzureichend umgesetzt. Der Zuzug in die Städte wird in den nächsten Jahren eher noch zunehmen, so dass dieses Problem immer dringlicher wird.

Das Leben in den Slums

Die neuankommende Bevölkerung aus ländlichen Regionen hat kaum Ressourcen und auch wenig Wissen über die Abläufe und das Leben in Städten. Die Slums liegen daher in den meisten Fällen in marginalisierten und unbewohnbaren Gebieten der Städte, das heisst an den Rändern, nahe Müllkippen, an grossen Strassen oder Wasserläufen und in Überschwemmungsgebieten. In vielen Fällen bestehen die Behausungen nur aus einfachen Holzhütten oder Bretterverschlägen mit Plastikplanen, die häufig auch noch über mafiöse Strukturen überteuert angemietet werden müssen. Pro Familie, die im Durchschnitt aus sechs Personen besteht, steht meistens nur ein Raum zur Verfügung. Die Unterkünfte stehen dicht an dicht. Es wird mit einfachsten Öfen bei offenen Feuer gekocht. Grössere Brände sind daher eine alltägliche Bedrohung für die Slumbewohner und führen zudem in vielen Fällen zum gänzlichen Verlust der wenigen Habseligkeiten. Die Wege sind nicht befestigt und schlammig. Es gibt mangelhafte Versorgung mit Wasser. Latrinen sind kaum vorhanden oder unzureichend. Es gibt weder Drainage- noch Abwassersysteme. Die hygienische Situation ist dramatisch und führt insbesondere in den Regenzeiten zu einer hohen Prävalenz von Infektionskrankheiten.


Befähigung von Bewohnern und Verantwortlichen

Kurz- und mittelfristig werden die Herausforderungen von Klimawandel und Übervölkerung in Bangladesch nicht zu lösen sein. Das Land kann schon heute kaum seine eigene Bevölkerung versorgen und zwangsweise wird daher in Zukunft die Migration innerhalb des Landes, insbesondere in die urbanen Räume, jedoch auch ausserhalb Bangladeschs, steigen. Um diese Prozesse und die Konsequenzen aus Klimawandel und Überbevölkerung abzumildern, ist es daher wichtig, die Betroffenen und Verantwortlichen entsprechend zu befähigen. Dies muss sowohl auf dem Land durch die Verbesserung der Kapazitäten in Land- und Wasserwirtschaft, sowie Massnahmen zur Katastrophenversorge und Klimaanpassung geschehen, als auch in den urbanen Räumen. Die Bewohner der Slums müssen sich über die alltäglichen Gefahren des Lebens in ihrem Umfeld bewusst sein und mit entsprechenden Lösungsansätzen vertraut werden. Dazu zählen die Schulung im Hygieneverhalten, die Vermeidung von Bränden und das richtige Vorgehen im Brandfall. Zudem sind auch nachhaltige Massnahmen im Bereich von Infrastruktur, wie der Bau von Latrinen oder Drainagesystemen, oder die Verteilung von Hilfsmitteln, wie sichere Öfen oder Hygieneartikel, wichtig. Immer muss hier jedoch die Regierung miteinbezogen und in Verantwortung genommen werden, um die erreichten Resultate nachhaltig zu sichern und auch längerfristig Erfolge durch strukturelle Veränderungen zu erzielen.

 

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