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Begutachten, abmessen, entwerfen

Die Schulkinder in Melamchi Ghyang, Nepal, warten sehnlich auf ihre neue Schule. Im Moment gehen sie in temporären Klassenzimmern zur Schule. Bevor wir jedoch mit den Bauarbeiten zum Wiederaufbau der beim Erdbeben zerstörten Schule beginnen können, kommt die Planungsphase. Und die nimmt Zeit in Anspruch. Statt Frust schlägt uns aber bereits jetzt Dankbarkeit entgegen.

Wir erreichen das Dorf bei Einbruch der Dunkelheit. Obwohl nur 40 km Luftlinie von Kathmandu entfernt, ist es eine achtstündige Fahrt zur Melamchi-Ghyang-Schule. Steile Anstiege auf unbefestigten Strassen, Flussüberquerung auf gefallenen Bäumen, und scharfe Kurven neben drohenden vertikal abfallenden Klippen – so sieht die Reise nach Melamchi Ghyang aus. Die frische Luft auf 2600 Höhenmetern und die Himalaya-Gipfel direkt hinter dem Dorf: es ist ein Gefühl vollkommener Abgeschiedenheit und ein herrlicher Kontrast zur Hektik des verschmutzten Kathmandu.

Ohne exakte Planung keine stabile, sichere Schule

Am nächsten Tag machen wir uns auf den Weg zu dem Ort, an dem die Melamchi-Ghyang-Schule stand, bevor sie im Erdbeben 2015 vollständig zerstört wurde. Wir sind hier, um eine Schulung durchzuführen, die die perfekte Planung und Vorbereitung des Aufbaus der neuen Schulgebäude gewährleisten soll. Zudem treffen wir eine andere NGO, die das Wohnheim der Schule wiederaufbaut, um die Bauarbeiten zu koordinieren.

Dies ist der unsichtbare Teil eines Bauprojekts: die Monate, die notwendig sind, um die ersten Entwürfe zu skizzieren, den sozialen Kontext und die Wünsche der lokalen Bevölkerung zu verstehen, topographische Verhältnisse und Konstruktionsdetails zu studieren, Baupläne zu zeichnen, Kosten zu schätzen und zu optimieren – und manchmal wieder von vorn anzufangen. Alle diese Arbeitsschritte sind nötig, um sicherzustellen, dass die Schulen erdbebensicher sind und den Bedürfnissen der Schulkinder und Lehrpersonen entsprechen. Eine gründliche Vorbereitung ist wichtig, kann aber auch frustrierend sein: Es ist viel Aufwand, ohne dass ein wirklicher Fortschritt zu sehen ist.

Die Menschen schätzen schon jetzt unsere Arbeit

Schulkinder in ihrer Schuluniform begleiten uns auf unserem Spaziergang zur Schule. Wir gehen durch die von Caritas erbauten temporären Schulzentren, wo der Unterricht seit fast zwei Jahren stattfindet. Rechtzeitig zur morgendlichen Versammlung kommen wir auf dem Schulvorplatz an. Die Kinder aller Altersstufen stehen in langen Reihen vor einer Bühne, wo ein Schüler die täglichen Ansagen auf dem Mikrofon macht. Danach singen sie stolz die Nationalhymne.

Der Schulleiter lädt uns unerwartet auf die Bühne und gibt uns das Mikrofon. Wir werden gebeten, uns vorzustellen und ein paar Worte zu unserem Projekt zu sagen. Das Wort «Ingenieur» scheint unter dem jungen Publikum Aufmerksamkeit zu erregen.

Unerwartet legt uns der Schulleiter einen hellen Nepali-Schal um den Hals und bedankt sich für unsere Arbeit. Wo ich nach zwei Jahren vorübergehender Klassenräume und ungeduldiger Fragen zum Start des Wiederaufbaus Frustration erwartet hätte, erhielten wir Dankbarkeit. Auch wenn wir noch keinen einzigen Stein gelegt haben.
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Die Bauarbeiten zur Melamchi-Ghyang-Schule werden nach der Regenzeit im Herbst 2017 beginnen. Caritas Schweiz baut insgesamt 34 Schulen in Sindhupalchok/Nepal wieder auf.  Bis Ende April wurden fünf Schulen fertiggestellt, weitere 10 Schulen sind momentan im Bau.

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Text und Bilder: Loic Chopard. Loic Chopard ist als Zivildienstleistender für Caritas Schweiz in Nepal im Einsatz. Der ausgebildete Bauingenieur unterstützt das Team vor Ort organisatorisch und mit seinem Fachwissen.

 

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