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Baustelle ist nicht gleich Baustelle

Als ausgebildeter Bauingenieur hat Pascal Broder, Zivildienstleistender in Nepal, auch in der Schweiz schon viele Baustellen betreut. Doch Baustelle ist nicht gleich Baustelle - die Herausforderungen in Nepal sind oft ganz andere, wie er in diesem Blog erklärt.

Landprobleme

Nicht verfügbares Bauland ist in Nepal ein häufiger Grund für Verzögerungen bei den Bauarbeiten. Caritas Schweiz hat mit den Schulverwaltungen vereinbart, dass das Land, auf dem die Schule gebaut wird, ihnen gehört – ansonsten wird nicht gebaut. Die Schulverwaltungen sichern schnell zu, dass sie das Bauland ohne Probleme kaufen können. Die Ernüchterung kommt manchmal im Nachhinein: Der Besitzer möchte sein Land nicht verkaufen oder Profit herausschlagen, da eine internationale Organisation den Schulbau unterstützt. Meist gibt der Besitzer aber nach Druck des ganzen Dorfes nach, weil er sonst Schuld hätte, dass keine Schule gebaut wird. Dieser Prozess dauert aber oft mehrere Wochen bis Monate, was bedeutet, dass die Planung jedes Mal überarbeitet werden muss. In der Schweiz werden ähnliche Probleme schon in einer früheren Phase des Projekts gelöst, was weniger Verzögerung nach sich zieht. Allerdings sind in der Schweiz generell Planungsphasen länger (oft mehrere Jahre), was beim Schulwiederaufbau nicht möglich ist, weil die Kinder in der Zwischenzeit nur Bambushütten als Schulen haben und daher auf einen schnellen Wiederaufbau angewiesen sind.

Heftige Regen während der Monsunzeit

Wenn es grössere Verzögerungen gibt, kann es sein, dass das Ende der Bauphase in die Monsunzeit hineinrutscht. In diesen zwei bis drei Monaten sind die Strassen meist nicht mehr befahrbar, weswegen auch die Materialtransporte ausfallen. Dies führt zu weiteren Verzögerungen. In der Schweiz könnte man dieses Problem am ehesten mit dem Winter (Schneefall und Frost) vergleichen - wobei dies aber meist nur die höhergelegenen Baustellen betrifft.

Mensch statt Maschine

In der Schweiz wird der Aushub aus Kostengründen per Maschine erstellt. Ganz anders ist es in Nepal. Meist kommt es günstiger den Aushub von Hand zu machen. Das liegt an den tiefen Arbeitslöhnen im Vergleich zum Anmieten eines sogenannten JCB, der Marke eines hier sehr bekannten Baggers.

Sicherheit auf der Baustelle

Baustellen in der Schweiz werden immer wieder stichprobenartig von der SUVA auf ihre Sicherheit überprüft. In Nepal gibt es so etwas nicht. Vielen Bauarbeitern ist auch nicht klar, welchem Risiko sie ausgesetzt sind auf der Baustelle. Obwohl gewisse Standards (Schutzbekleidung und mehrtägigen Kurs) vertraglich festgelegt sind, wird das Tragen von Schutzbekleidung von den Arbeitern gerne «vergessen», auch, weil sie das als lästig und unangenehm empfinden.  Flipflops als Arbeitsschuhe, mit der Trennscheibe hantieren ohne Schutzbrille oder Metallschweissen mit einer handelsüblichen Sonnenbrille – das ist in Nepal keine Seltenheit.

Bewehrung/Betonherstellung direkt auf der Baustelle

Der Beton und die Bewehrung können in der Schweiz direkt auf die Baustelle bestellt werden. Ganz anders ist das hier in Nepal. Der Stahl wird als Bund zur Baustelle geliefert. Dort wird er zuerst geradegebogen, anschliessend werden die benötigten Einzelteile wie Bügel oder Ähnliches von Hand an einem Holzbock zurechtgebogen. Die einzelnen Komponenten des Betons bringt der Zulieferer separat. Sie werden vor Ort am Boden oder im Betonmischer vermischt und schliesslich verarbeitet. 

Trotz aller Herausforderungen gehen die Bauarbeiten voran und Caritas Schweiz konnte bereits 15 Schulen fertigstellen. 16 weitere Schulen sind bereits in Bau. Wir danken Pascal für seinen unermüdlichen Einsatz in den vergangenen sechs Monaten in Nepal.
 

Text und Bilder: Pascal Broder, Caritas Schweiz

 

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