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Arzt mit Leidenschaft

Die Familie von Mohamad, einem jungen syrischen Arzt, kommt direkt aus der Hölle. Doch sie haben überlebt und eine Zukunft liegt wieder vor ihnen. So hoffen sie.

Die Medizin bestimmt sein Leben. Und auch die Selbstlosigkeit, mit der er leidende Menschen pflegt. Mohamad ist erst 24 Jahre alt, hat aber schon Erfahrungen sammeln müssen, die manch alter Mensch nicht hat. Wir treffen ihn mit seiner Frau Nur, 26 Jahre, seiner Mutter Hannah, 56 Jahre, und seiner Tochter Lena, 1 Jahr, am Empfang einer Aufnahmeeinrichtung im Zentrum von Athen, wo eine griechische NGO sie seit Mitte Februar untergebracht hat. Zum ersten Mal trafen wir Mohamad am Terminal 1 des Hafens von Piräus, wo neue Flüchtlingen ankommen und wo sich ehrenamtliche Helfer Tag für Tag engagieren. So auch Mohamad, der medizinische Hilfe leistet. Vor seiner Flucht aus Syrien legte er eine Abschlussprüfung in Medizin ab, und das mitten in Kriegszeiten. In den vergangenen drei Jahren arbeitete er als Freiwilliger beim arabischen Roten Halbmond in Syrien.

Mohamads Familie stammt aus der ostsyrischen Stadt Deir ez-Zoor. Die wurde erst durch das Assad-Regime zerstört, dann vertrieb die Freie Syrische Armee die Menschen und letztendlich kam der Islamische Staat, der alle tötete, die sich den Gesetzen nicht beugten. "Das sind alles Banditen, die sich nur für Geld interessieren", fasst Mohamad zusammen. "Während der Belagerung durch die Islamisten sind viele verhungert", erinnert sich seine Mutter Hannah. Die Familie hatte Glück und war privilegiert. Mohamad konnte seine Frau, die Tochter und kurz danach auch seine Mutter in Damaskus in Sicherheit bringen. Sein jüngerer, minderjähriger Bruder musste in Deir Ez-Zoor bleiben. Dank der Pässe, die sie noch hatten, gelang es ihm dann, sich mit seiner Familie über den Libanon und über Jordanien in die Türkei durchzuschlagen. Von der Türkei aus ging Hannah dann nach Deir Ez-Zoor, um den jüngsten Sohn nachzuholen. "Ihr müsst erzählen, dass uns auf dem Rückweg am letzten Check-Point vor der Türkei ein syrischer Soldat 1000 Dollar abgenommen und meinen Sohn geschlagen hat. Erzählt das!", fordert uns die Mutter empört auf.

Sie wussten, dass sie die Türkei schnell verlassen müssten, wenn sie eine Zukunft haben wollen. Die Überfahrt auf einem Schlauchboot zur griechischen Insel Samos war riskant. Mit einer Motorpanne und niemandem an Bord, der das Boot führen konnte. "Aber wir hatten keine Angst mehr", lacht Mohamad bitter. „Wir sind schon in Syrien Tausende Male gestorben!"

Mit gültigen Papieren bekommt die Familie wahrscheinlich sehr schnell Asyl. Die Mutter will nach Deutschland zu ihrem jüngsten Sohn, der schon dort ist. Mohamad und seine Frau würden gern in Irland leben, oder in Luxemburg.

Wir wünschen ihnen viel Glück!

 

Text: Fabrice Boulé, Caritas Schweiz
Bild: Tag für Tag kümmert sich Mohamad um Neuankömmlinge im Hafen von Piräus bei Athen; Lefteris Partsalis

 

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