Navigation mit Access Keys

 

«Alle Kühe sind tot»

In Kenias grüner Hauptstadt Nairobi mag einem vergeben werden, wenn man nicht realisiert, dass das Land gerade unter einer massiven Trockenperiode leidet. Obwohl «Nairobi» in der Sprache der Massai ja eigentlich «ein Ort kühler Wasser» bedeutet. Betrachtet man hingegen die Karte mit Kenias agrarökologischen Zonen, wird einem schnell klar, warum im vergangenen Monat die Butter für mehrere Wochen aus den Supermärkten verschwunden war: Der grösste Teil von Kenia wird als trockenes oder halbtrockenes Land klassifiziert. Und genau dieses Land ist Heimat von 14 Millionen Menschen.

Die Regenzeit setzt in Kenia normalerweise im März ein und dauert bis im Juni an. Doch bis auf ein paar unregelmässige Regenfälle anfangs Mai blieb der ersehnte Niederschlag dieses Jahr aus. Das Grün, das sich zwischenzeitlich sehen lässt, ist immer nur von kurzer Dauer. Hunger und Durst haben die Menschen im Griff.

Auch wenn die Milchproduktion während der Dürreperiode Priorität hatte, war es fast unmöglich, frische Milch zu finden. «Alle Kühe sind tot», sagen die Leute. Und in und um Lodwar, der Hauptstadt von Turkana County im Nordwesten von Kenia, ist tatsächlich keine einzige Kuh zu sehen. Auch viele der Ziegen, zählebige Tiere, die sogar Dornbüsche essen können, sind tot.

Nicht einmal die Kamele, Meister des Wasserhaushalts, überleben unter den vorherrschenden Umständen. Für viele Bauernfamilien stellt der Viehbestand die einzige Währung dar. Sterben die Tiere, leert sich metaphorisch gesprochen das Bankkonto. Wer zum jetzigen Zeitpunkt noch über lebende Tiere verfügt und diese verkaufen kann, erzielt auf dem Markt meist einen erbärmlichen Preis.

Im turkanischen Hinterland sind die Menschen den ganzen Tag unterwegs, nur um Wasser zu holen. Erstaunlicherweise würde Turkana über erhebliche Wasserquellen im Untergrund verfügen. Aber auch wenn diese nicht sehr tief liegen, kommt ihre Erschliessung teuer. Rohrsysteme, Pumpen und Aufbewahrungstanks von bereits erschlossenen Quellen funktionieren häufig nicht richtig.

Ihr Bohrloch kaputtging, mussten die Leute aus dem Dorf Lolupe fünf Stunden laufen, um zu Wasser zu gelangen. Tragischerweise wurde das Loch nicht rechtzeitig repariert, so dass einige der Dorfbewohnerinnen und -bewohner ums Leben kamen. «Wir haben vor allem ältere Frauen verloren, die nicht mehr bis zum Fluss gehen konnten», sagt der Stammesälteste von Lolupe. Das gesamte Dorf siedelte vorübergehend ans Ufer eines entfernten Flusses um, welcher im Gegensatz zu den meisten anderen Gewässern in Turkana nicht ausgetrocknet war.

Dank der Unterstützung des Catholic Relief Services (CRS), der US-amerikanischen Caritas, konnte die Diözese von Lodwar das Bohrloch in Lolupe reparieren und die Dorfgemeinschaft in ihr Zuhause zurückkehren. 


Text und Bilder: Nancy McNally/CRS, gekürzt und überarbeitet von Caritas Schweiz

Bild oben: Erro Ekuwom ist auf der Suche nach Weideland für seine Ziegen.

Bild unten: Akai Akiru, 40, holt Wasser. Sie geht drei Stunden bis zur Wasserquelle und drei Stunden zurück - mit dem vollen 20-Liter-Kanister auf dem Kopf. 

 

Teilen Sie diesen Beitrag

Ersatzinhalte