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Aleppo: Frieden und Zerstörung

Anfang Jahr besuchten wir mit einer kleinen Delegation Aleppo, um uns ein direkteres Bild der humanitären Lage zu machen. Wir haben mit den Mitarbeitenden unserer Partnerorganisation gesprochen und mit den Menschen, die Caritas unterstützt. Angetroffen haben wir eine Stadt, in der trotz Ende der Kampfhandlungen der Kampf im Alltag noch lange nicht vorbei ist.

Wir erreichen Aleppo von Osten. Die Autobahn führt über eine leichte Anhöhe. Nichts hätte uns auf den Anblick vorbereiten können, der sich bietet. Wie ein endloser Teppich der Zerstörung breitet sich die Stadt vor uns aus. Ganze Viertel bestehen nur noch aus ausgebombten Gebäuden. Wo früher Wohnungen waren, gähnen Löcher. Am Strassenrand liegen Schutt und Abfall. Weder Elektrizität noch eine funktionierende Wasserversorgung gibt es in diesen Quartieren, wie wir später erfahren sollten. Nicht explodierte Sprengkörper und einsturzgefährdete Betonkonstruktionen machen in einigen Gegenden die Gebäude unbegehbar.

Die Vereinten Nationen schätzen, dass 33‘500 Gebäude in der Innenstadt von Aleppo im Krieg zerstört oder stark beschädigt wurden. Besonders entlang der ehemaligen Frontlinien im Osten und Nordosten ist die Zerstörung erschreckend. Es ist unvorstellbar, dass hier jemand leben kann.

Ein normaler, menschenwürdiger Alltag?

Je weiter wir Richtung Stadtzentrum fahren, desto mehr Leben beginnt sich auf den Strassen abzuspielen. Zwischen Trümmern spielen Kinder, vor Häusern mit beschädigtem Dach und behelfsmässig geflickten Fenstern hängt Wäsche, Männer verhandeln lautstark. Läden und Restaurants haben geöffnet. Schliesslich stehen wir vor dem öffentlichen Park, wenige hundert Meter neben uns zwei Moscheen. Hier lässt sich noch etwas von der Schönheit und der historischen, kulturellen und wirtschaftlichen Bedeutung der Stadt vor dem Krieg erahnen. Alles scheint intakt.

Der Krieg von innen tobt weiter

Doch der Schein trügt: Obwohl die Kampfhandlungen in Aleppo vorbei sind, ist das Leben überall unvorstellbar schwierig. Die Wirtschaft ist komplett zusammengebrochen und wird immer weiter ausgehöhlt. «Das ist der Krieg von innen», sagt ein Mitarbeiter, der in Aleppo geboren wurde und für unsere Partnerorganisation Caritas Syrien arbeitet. Seit Beginn des Kriegs haben sich die Preise im Schnitt verzehnfacht, mehr als die Hälfte der Syrerinnen und Syrier sind arbeitslos. Nahrungsmittel, Gas oder Diesel zum Kochen und Heizen sind für viele unerschwinglich geworden. Und sicherer und menschenwürdiger Wohnraum ist sehr knapp, was zu horrenden Mieten geführt hat. Die Ärmsten wurden auf Mülldeponien verdrängt, wo sie sich im Winter an brennendem Plastikmüll wärmen.

Angesichts dieser Situation ist es nicht nur unverständlich, ja es kommt uns geradezu zynisch vor, wie über die Rückführung von syrischen Geflüchteten diskutiert werden kann. Umso mehr haben uns viele der Menschen beeindruckt, denen wir begegnet sind. Traumatisiert vom Erlebten und vom Verlust kämpfen sie jeden Tag ums Überleben ihrer Familien. Umso klarer aber auch, wie lange es noch dauern wird, bis für sie wieder ein einigermassen normaler Alltag möglich sein wird.

Text: Anna Haselbach, Caritas Schweiz
Bilder oben, und Bild unten rechts: Frederic Wiesenbach, Caritas Schweiz
Bild unten links: Alexandra Wey

 

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