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5 Fragen an Pamela Stathakis zur Situation im Südsudan

Wenn die Ernte wieder schlecht ausfällt, werden weitere Menschen vor dem Hunger fliehen - Mediendienst 7/2017

Der Südsudan zählt zu den am stärksten von der Hungerkrise in Ostafrika betroffenen Ländern. Sechs Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Pamela Stathakis, Mitarbeiterin der Katastrophenhilfe der Caritas Schweiz, gibt Auskunft über die aktuelle Situation.

Im Südsudan sind 6 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Sie waren kürzlich vor Ort. Welche Eindrücke haben Sie von der Situation im Land gewonnen? Wie gross ist die Verzweiflung der Menschen, die vom Hunger bedroht sind?

In der Region Ikwotos, wo Caritas schon seit Jahren präsent ist und nun ein Nothilfeprojekt starten wird, haben die Menschen schon seit mehr als zwei Jahren keine gute Ernte mehr erzielen können. Die Felder sind alle ausgetrocknet. Auf den lokalen Märkten werden lediglich etwas Blattgemüse und viel zu früh gepflückte Mangos verkauft. Viele Frauen und Kinder aus der Region sind schon über die Grenze nach Uganda oder Kenia geflohen, weil sie nicht mehr genug Essen hatten, um sich und ihre Kinder zu ernähren. Die noch vor Ort ansässigen Menschen sagen, dass auch sie das Land verlassen werden, wenn die verbleibende Ernte in diesem Jahr so schlecht ausfällt wie im letzten Jahr.

Im Land herrscht einerseits wie in ganz Ostafrika eine lang anhaltende starke Dürre, anderseits gibt es einen Bürgerkrieg, der die Not der Menschen verstärkt. Was bedeutet dies für die Arbeit von Hilfswerken? Können die notleidenden Menschen überhaupt erreicht werden?

Caritas wird im Rahmen der Nothilfe in einer Region tätig sein, die bisher stabil und weniger als andere Regionen vom Bürgerkrieg betroffen ist. Dennoch ist die Arbeit anspruchsvoll, vor allem aus logistischer und sicherheitstechnischer Sicht. Aufgrund der Schwierigkeiten haben viele Hilfswerke das Land bereits verlassen oder Projekte eingestellt. Auch Caritas musste einige Projekte einstellen. Glücklicherweise ist die Region, in der das neue Nothilfeprojekt durchgeführt werden soll, von Uganda aus gut erreichbar. Aber auch hier muss man immer vor Auge halten, dass sich die Sicherheitslage jederzeit sehr schnell verschlechtern kann. Dadurch würde es dann natürlich schwieriger werden, der Bevölkerung vor Ort zu helfen.

Wie hilft die Caritas betroffenen Menschen im Südsudan konkret?

In der ganzen Region um die Stadt Ikwotos herum hat Caritas in der Vergangenheit bereits zahlreiche Projekte realisiert. Dabei stand die Ernährungssicherheit, der Zugang zu Bildung und eine Verbesserung der Wasserversorgung im Zentrum. Einige dieser Projekte laufen weiterhin, namentlich in den Bereichen Bildung und Wasserversorgung. Neben diesen bestehenden Aktivitäten wird Caritas nun als Antwort auf die Dürrekrise Nothilfe ausrichten. Im Rahmen dieser Nothilfe werden wir der von der Dürre betroffenen Bevölkerung gezielt Lebensmittel und Saatgut verteilen, die Wasserversorgung sicherstellen und den Betrieb eines von der lokalen Caritas geführten Zentrums für unterernährte Kinder und Mütter unterstützen.

Was sind die grössten Hürden und Hindernisse bei der Gewährleistung der Nothilfe?

Die Sicherheit ist die grösste Sorge für die Hilfswerke, die im Südsudan arbeiten. Aus Sicherheitsgründen werden wir im Rahmen der Nothilfe vermehrt von Uganda aus in das Projektgebiet reisen. Eine andere grosse Schwierigkeit besteht darin, dass es nicht einfach ist, gut qualifiziertes Personal für das Projekt zu rekrutieren, weil die Sicherheitslage so volatil und die Region, in der Caritas arbeitet, sehr entlegen ist. Auch haben die meisten Banken in der Region geschlossen, was uns vor Herausforderungen stellt.   

Es gibt starke Fluchtbewegungen aus dem Südsudan. Sie waren auch in Uganda und haben Flüchtlingslager besucht. Wie ist die Lage dort?

Die Flüchtlingslager in Uganda sind sehr gut organisiert. Die Flüchtenden werden an der Grenze abgeholt und dann in eines der sogenannten «settlements» gebracht. Dort bekommen die Flüchtlinge ein Stück Land, auf dem sie ein Zelt aufstellen und einen kleinen Garten beackern können. Für Uganda ist es jedoch eine grosse Herausforderung, fast eine Million Flüchtlinge aus dem Südsudan aufzunehmen. Ein Hauptproblem ist der Mangel an Lebensmitteln. Die Vorräte sind limitiert, da auch in Norduganda die Ernten der letzten Jahre sehr schlecht ausgefallen sind. Die ugandische Regierung ist nun daran, zusätzliches Ackerland und Saatgut an die Flüchtlinge zu verteilen, damit diese zunehmend selber für sich aufkommen können.

 

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