Netzwerk gegen Mädchenbeschneidung wird stärker

Fortschritte bei einem wichtigen Thema - Mediendienst 12/2019

Nach dreieinhalb Jahren intensiver Aufbauarbeit steht die Versorgung von Betroffenen und die Prävention gegen Mädchenbeschneidung in Spitälern, Familienberatungsstellen und kantonalen Integrationsfachstellen weit oben auf der Agenda. Die Aktivitäten des Netzwerks Mädchenbeschneidung zeigen Wirkung. Das Bundesamt für Gesundheit und das Staatsekretariat für Migration haben das Projektmandat bis Sommer 2021 verlängert.

Die Ärztin aus dem Universitätsspital Basel berichtet aus ihrem Alltag in der Abteilung «Gynäkologische Sozialmedizin und Psychosomatik», die Leiterin der «Beratungsstelle für Familienplanung, Schwangerschaft und Sexualität» erzählt Schwieriges und Ermutigendes aus ihren Alltagsgesprächen mit somalischen Frauen. Fachfrauen für sexuelle Gesundheit aus den Kantonen Aargau, Freiburg und aus der Stadt Genf erzählen aus ihren Gesprächen mit eritreischen oder sudanesischen Frauen und wie sie das Thema Mädchenbeschneidung in die sexualpädagogische Arbeit in den Schulen integrieren würden. Als Mitglieder der Begleitgruppe des Netzwerks gegen Mädchenbeschneidung Schweiz ergänzen sie den Tour d’Horizon durch die Arbeitsgebiete der anwesenden Personen. Zwei Mal im Jahr treffen sich in dieser Begleitgruppe Fachpersonen aus der spitalärztlichen Versorgung, der sexuellen Fachberatung und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren der verschiedenen Communitys sowie Vertreterinnen von Bund und Kantonen im Rahmen des Netzwerks gegen Mädchenbeschneidung Schweiz. 

Immer mehr Organisationen arbeiten mit

Die in der Begleitgruppe vertretenen Organisationen und Fachdienste sind quasi der verlängerte Arm der Versorgungs- und Präventionsarbeit der vier federführenden Trägerorganisationen Sexuelle Gesundheit Schweiz, Terre des Femmes Schweiz, des Schweizerischen Kompetenzzentrums für Menschenrechte der Universität Bern und Caritas Schweiz. Diese leiten im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit und des Staatsekretariates für Migration seit dreieinhalb Jahren das Netzwerk gegen Mädchenbeschneidung Schweiz. Sehr zuversichtlich stimmt deshalb die laufende Integration von zahlreichen Partnerorganisationen in die Begleitgruppe des Netzwerkes. Dazu gehören zum Beispiel auch die für die gesundheitliche Versorgung wichtigen Sprechstunden FGM in den Spitälern in Genf, Luzern, Aarau (im Aufbau) oder Basel. Ergänzt wird die Versorgungs- und Präventionsarbeit durch die communitybasierte Sensibilisierung von ausgebildeten Multiplikatorinnen. 

75 Veranstaltungen für betroffene Communitys

In den ersten drei Jahren erreichte das Netzwerk in fast 50 Weiterbildungen mehr als 1200 Fachpersonen, konnte 564 Beratungsanfragen behandeln und 75 Community-Veranstaltungen für 1400 Migrantinnen und Migranten mit speziell ausgebildeten Multiplikatorinnen in allen drei Sprachregionen durchführen. Die Webseite www.maedchenbeschneidung.ch wird jährlich rund 20'000 besucht. In den Regionen wird das Netzwerk die Bemühungen vorantreiben, die drei Pfeiler Versorgung, Beratung und Communityarbeit in den kantonalen Strukturen zu verankern. Hierbei gibt es durchaus erfolgversprechende Ansätze. In der Zentralschweiz, im Tessin oder in Graubünden und den östlichen Landesteilen kam es zu weiteren Vernetzungsschritten. 

Die Trägerorganisationen des Netzwerks sind davon überzeugt, dass die geleistete Arbeit zielführend war, sind sich aber auch bewusst, dass allenfalls ein erstes Samenkorn gesät werden konnte. Für eine erfolgreiche Prävention, die ein Umdenken und Hinterfragen einer für die Betroffenen in vielerlei Hinsicht schädlichen Tradition voraussetzt, sind weiterhin intensive Bemühungen notwendig. Das Bundesamt für Gesundheit und das Staatsekretariat für Migration haben mittlerweile das Projektmandat bis Sommer 2021 verlängert. 

Caritas-Engagement im Kampf gegen Mädchenbeschneidung

www.maedchenbeschneidung.ch

 

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