Kulturelle Teilhabe auch bei tiefem Einkommen

Die KulturLegi der Caritas äussert sich zur Kulturbotschaft 2021–2024 - Mediendienst 10/2019

Der Bundesrat führt zur Kulturbotschaft 2021–2024 eine Vernehmlassung durch. Die Caritas als Trägerin der KulturLegi begrüsst die in der Botschaft vorgesehen Fortsetzung der bisherigen Fördermassnahmen. Erforderlich ist aber, dass Personen mit tiefem Einkommen explizit einbezogen werden. Zudem braucht es eine Erhöhung der Finanzmittel für die «Kulturelle Teilhabe».

Blog: Kulturelle Teilhabe auch bei tiefem EinkommenIm Jahr 2017 waren in der Schweiz über eine Million Menschen armutsbetroffen oder armutsgefährdet. Armut führt zumeist zu einer eingeschränkten Teilnahme am gesellschaftlichen und kulturellen Leben bis hin zu sozialer Isolation. Sozialer Ausschluss macht krank. Eine Obsan-Studie kommt zum Schluss, dass «das Risiko frühzeitig zu sterben von sozial isolierten Personen zwei bis fünf Mal so hoch ist, wie das Risiko von gut integrierten Personen». Deswegen muss Armut nicht nur bekämpft, sondern auch präventiv verhindert werden. Gerade die kulturelle und gesellschaftliche Integration ist für Menschen in prekären Verhältnissen zentral, um nicht in Armut abzurutschen. Dies ist für Menschen mit Einkommen knapp oberhalb der Armutsgrenze ebenso zentral wie für Menschen, die von Armut betroffen sind. Zudem betrifft Armut alle Bevölkerungsgruppen und Generationen. 

Im Rahmen des bisherigen Förderprogramms «Kulturelle Teilhabe» hatte die Caritas eine Leistungsvereinbarung mit dem Bundesamt für Kultur. Mit der KutlurLegi konnte sie einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Integration von Menschen mit tiefem Einkommen leisten: So etablierte sie sich zu einem schweizweiten einzigartigen Angebot, welche 96 000 Nutzenden eigenverantwortlich zur Teilhabe an rund 3200 vergünstigte Angebote im Bereich Kultur, Sport und Bildung befähigt. Hinzu kommt, dass dank dieser Leistungsvereinbarung das Pilotprojekt der KulturLegi-Lotsen der KulturLegi Bern lanciert wurde. Die KulturLegi-Lotsen haben zum Ziel, kulturinteressierte Personen unterschiedlichen Alters und verschiedener Herkunft zusammenzubringen und gemeinsame Kulturbesuche zu erleben.

Ungenügender Einbezug armutsgefährdeter Menschen

Der KulturLegi ist es ein zentrales Anliegen, dass die Kulturförderung armutsbetroffene oder -gefährdete Menschen explizit miteinbezieht und benennt. Dies ist in der Kulturbotschaft 2021–2024 ungenügend umgesetzt. 

Weiter sollen der Musikunterricht und das Angebot von «Jugend und Musik» auch für Familien und Personen mit kleinem Budget niederschwellig zugänglich gemacht werden. Das Kursangebot für eigene künstlerische Tätigkeiten (Theater- und Tanzkurse) ausgebaut und gefördert werden und für Menschen mit tiefem Einkommen bezahlbar gestaltet werden. Die KulturLegi der Caritas kann und soll dazu als nationales Instrument für die Berechtigung für Förderstipendien und Vergünstigungen in diesem Bereich dienen und anerkannt werden. 

Die KulturLegi begrüsst die Bemühungen der Kulturbotschaft 2021–2024 zur Verbesserung der Einkommenssituation und Entschädigung von Kulturschaffenden, da diese oftmals selber von Armut betroffen sind. 

Mehr finanzielle Mittel erforderlich

Parallel zur Projektförderung soll eine kontinuierliche und umfassende Förderung bestehen. Dazu soll der Bund die Finanzmittel im Bereich «Kulturelle Teilhabe» erhöhen. Diese Gelder sollen insbesondere auch für jene Organisationen und Akteure eingesetzt werden, welche sich fortwährend dafür einsetzen, die kulturelle Teilhabe von Menschen mit erhöhtem Risiko zur gesellschaftlichen Isolation zu fördern. Die Nutzung von Kulturangeboten ist stark abhängig von Herkunft, Bildung und Einkommen. Als Teil einer umfassenden Gesellschaftspolitik müssen Kulturpolitik und öffentliche Kulturförderung die gesamte Bevölkerung und ihr Miteinander im Auge haben. Die Kulturförderung soll demnach möglichst verschiedene Bevölkerungsgruppen ansprechen und gewinnen. Die Stärkung der kulturellen Teilhabe ist eine zentrale Antwort auf diese Herausforderung. 

Teilhabe am Kulturleben ist ein Grundrecht

Das Ziel der Förderung der kulturellen Teilhabe ist – wie in der Botschaft beschrieben – der gesellschaftliche Zusammenhalt. Es geht jedoch weit darüber hinaus: Die Teilhabe am Kulturleben und die kulturelle Auseinandersetzung jedes Einzelnen ist als Grundrecht zu betrachten (Art. 27 UNO Menschenrechte). Das Ziel der Förderung ist daher die Gewährleistung eines Grundrechts und das Erreichen der Chancengleichheit für alle. So ist die Teilnahme am kulturellen Leben eine Voraussetzung für die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben sowie am wirtschaftlichen und politischen Leben.

Die Vision der KulturLegi ist eine Schweiz, in der alle Menschen am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilnehmen können. Dazu braucht es die Förderung der kulturellen Teilhabe, um möglichst viele Menschen – trotz ihrer ungleichen Startchancen bezüglich Bildung, Einkommen und Herkunft – einen Zugang zu Kultur erhalten und die Möglichkeit haben, sich mit Kultur auseinanderzusetzen und Kultur selber auszuüben.

Bild: Conradin Frei


www.kulturlegi.ch

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