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Inmitten der Katastrophe: ein «goldenes Haus» für Kinder

Das Zuhause ist vom Erdboden verschluckt, vielleicht sind Verwandte und Freunde gestorben: Für Kinder sind Katastrophen wie das Erdbeben und der Tsunami in Indonesien häufig noch traumatischer als für Erwachsene. Weil die Familien meist keine Zeit und Energie haben, sich um die Bedürfnisse der Kinder zu kümmern, springt die Caritas ein. Patricia Kröll war zu Besuch in einem «goldenen Haus», einem Ort, der Kindern hilft, die Schrecken der Katastrophe zu verarbeiten.

Blog Indonesien: Inmitten der Katastrophe - ein «goldenes Haus» für Kinder, Bild: Caritas SchweizSchon von weitem höre ich das Lachen der Kinder. Mit meiner Kollegin Puspa und dem Team unserer Partnerorganisation bin ich unterwegs im Dorf Bangga auf Sulawesi – beziehungsweise im Zeltlager, in dem sich die Dorfbewohner nach der Katastrophe angesiedelt haben. 

Bangga wurde schwer vom Erdbeben getroffen. Die Mehrheit der Gebäude ist komplett zerstört. Die Menschen im Zeltlager zwischen den Kokospalmen sind auf jede Hilfe angewiesen. Sie haben ihr Haus und ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Auch Caritas Schweiz hat in Bangga Hilfsgüter verteilt, darunter Decken, Wasserfilter und Hygieneartikel.

Einfach einmal Kind sein dürfen

Auf einem schmalen Pfad zwischen den Zelten folge ich also meinen Kolleginnen und Kollegen zu einem grösseren Zelt. Etwa 30 Kinder sind dort versammelt. Das Team fängt an, die Kinder mit einem Klatschgesang zu begrüssen. Alle machen enthusiastisch mit. 

Blog Indonesien: Inmitten der Katastrophe - ein «goldenes Haus» für Kinder, Bild: IBURumah Kencana, «Goldene Häuser» - so heissen diese Zelte, die Caritas gemeinsam mit der Partnerorganisation IBU in zehn Dörfern auf Sulawesi errichtet hat. In den Rumah Kencana betreuen IBU-Mitarbeitende Kinder, spielen und singen mit ihnen. So bieten sie den Kindern ein paar Stunden Abwechslung zu ihrem tristen Alltag.

Eigentlich haben die Schulen den Betrieb nach der Katastrophe wieder aufgenommen. Aber weil es an Lehrpersonen und intakten, geeigneten Räumen fehlt, besuchen die Kinder die Schule meist nur zwei Stunden am Tag. Den Rest des Tages verbringen sie hier im Lager.  Doch den Eltern fehlt die Zeit, ihre Kinder zu betreuen – zu sehr sind sie damit beschäftigt, ihren Alltag unter den widrigen Umständen zu meistern. «Für die Kinder sind die Rumah Kencana deshalb sehr wichtig. Sie benötigen einen Raum, wo sie in Ruhe Kind sein und spielen können», erklärte mir Yaya, der IBU-Projektmitarbeiter.

Gummitwist auf Sulawesi

Blog Indonesien: Inmitten der Katastrophe - ein «goldenes Haus» für Kinder, Bild: IBUNun bildet das IBU-Team kleine Gruppen von Kindern in verschiedenen Altersstufen. Ich setze mich zu einer Gruppe etwas älterer Mädchen und Buben, denen Yaya Gummibänder austeilt. Ich bin erstaunt – was kann man denn bloss mit Gummibändern anfangen? Doch ich werde überrascht. Unter der Anleitung von Yaya formen die Kindern mit den Gummibändern und ihren Händen verschiedenste Muster. Auch ich versuche es. Aber ich bin nicht halb so geschickt wie die Kinder.

Eine Mädchengruppe knüpft mit den Gummibändern eine Kette. Zwei Mädchen stellen sich auf, um die Kette zu halten, die anderen hüpfen abwechselnd verschiedene Formen – Gummitwist! Das Spiel kenne ich aus meiner eigenen Kindheit. 
Während des Spiels gruppieren sich eine Reihe von Mädchen und Jungs um mich. Noch nie haben sie eine Ausländerin gesehen und sie sind neugierig. Puspa übersetzt mir ihre Fragen. Wie ich heisse, woher ich komme und wie es in der Schweiz aussehe, wollen sie wissen. Und versuchen, mir ein paar einfache Wörter auf Indonesisch beizubringen. 

Blog Indonesien: Inmitten der Katastrophe - ein «goldenes Haus» für Kinder, Bild: IBUDie Kinder haben die Zuversicht nicht verloren

Zwei Stunden sind schnell vorbei. Es ist Mittagspause. Wir verabschieden uns und die Kinder gehen zurück zu ihren Zelten. Als wir uns auf den Rückweg durchs Lager machen, bin ich nachhaltig beeindruckt: Trotz der schrecklichen Erlebnisse und des Verlusts in ihrem frühen Alter, sind die Kinder voller Energie, Stärke und Hoffnung.

Text: Patricia Kröll, Projektverantwortliche Indonesien
Bilder: IBU, Caritas Schweiz

 

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