Navigation mit Access Keys

 

Ein Tag in Melamchi: «Alle arbeiten an einer besseren Zukunft»

Simon Flückiger ist seit gut zwei Monaten der neue Zivildienstleistende in Nepal beim Wiederaufbau von 36 Schulhäusern. Er erzählt von Ziegenbegegnungen, fehlenden Bauteilen und Aufbruchstimmung – von einem ganz normalen Tag in Melamchi, wo er nun wohnt und arbeitet.

Ein Tag in Melamchi: Aussicht von der Wohnung

Meine Arbeit als Zivildienstleistender ist intensiv, aber spannend und sehr abwechslungsreich. Nebst den regulären Baustellenkontrollen müssen die fertiggestellten Schulen auf Qualität und Mängel kontrolliert und verbessert werden. Erst kürzlich ist das Wiederaufbauprojekt um 5 zusätzliche Schulen erweitert worden, die so einige organisatorische und planerische Arbeit mit sich bringen.

Melamchi erwacht

Und so sitze ich nun frühmorgens auf meinem Balkon und trinke meinen Kaffee, während ich in die Ferne zum Himalaya-Gebirge schaue, das sich am Horizont majestätisch präsentiert. Die Sonne wärmt mir bereits um 6:30 Uhr morgens beachtlich den Rücken. Doch idyllisch und still ist es keineswegs um diese Zeit. Nein, die Menschen hier sind bereits ab 6 Uhr aktiv. Und so mischen sich die verschiedensten Geräusche. Ein reges Treiben auf dem Platz gegenüber meiner Wohnung trägt immer etwas zu meiner Freude bei. Sich frei bewegende Tiere, das Handeln verschiedener Waren und mittendrin im Trubel eine ältere Frau, welche soeben die an einem Baum hängende Glocke läutet, um ihren Glauben zu praktizieren.

Überall entsteht Neues

Meine Nachbarn bauen, was das Zeug hält. Momentan sind insgesamt drei Häuser im Umkreis von 100 Metern im Bau. Beim Bau eines Eigenheimes hier in Nepal, wird jeweils die gesamte Verwandtschaft mit einbezogen. So geht es ziemlich rasch vorwärts, sobald das Material vorhanden ist.

Aber nicht nur die Bautätigkeit lässt darauf schliessen, dass die Nepali in ihre Zukunft investieren: so zum Beispiel sind überall auf den Dachterrassen diverse Pflanzensetzlinge zu sehen, man pflanzt an, hält Tiere, verkauft und handelt. So wie mein Lieblingsnachbar schräg gegenüber: Er unterhält eine rege Hühnerfarm auf der Dachterrasse. Gerne beobachte ich, wie er fürsorglich die jungen Küken füttert und mit ihnen ab und zu spazieren geht.

Mit etwas verschlafenem Blick und in Gedanken versunken schaue ich also dem Treiben zu, als plötzlich zwei kleine Ziegen auf meinem Balkon (welcher mit dem aussenliegenden Treppenhaus verbunden ist) auftauchen und mich erstaunt und neugierig anschauten. Nicht geringer erstaunt, versuche ich nun, die zwei Ziegen die vier Geschosse über die Treppe wieder hinunter zu bringen. Das gleicht einem morgendlichen Fitnessprogramm.

Mängelbesichtigung auf der Baustelle

Ein Tag in Melamchi: InspektionEine Stunde später im Büro angekommen, erledige ich Büroarbeiten, bis ich um 10.30 Uhr nach dem frühen Mittagessen (Reis mit Linsensuppe) mit dem Bauleiter losfahre, um eine Schule für die letzte Mängelbehebung zu besuchen. Der Zustand der Strassen wie auch der Verkehr ist für Europäer gewöhnungsbedürftig. So scheint die Vortrittsregelung von der Lautstärke des Horns abhängig zu sein, und eine asphaltierte Strasse bleibt Wunschdenken meinerseits.

Nach einer einstündigen Fahrt kommen wir schliesslich bei der Golmadevi-Schule. Sogleich machen wir uns an die Mängelbesichtigung. Diese sollte einige Zeit in Anspruch nehmen, wie wir bald merken. Nebst Kleinigkeiten wie Farbfehlern oder unschönen Wandabschlüssen gibt es nicht selten auch gravierendere Mängel wie zum Beispiel das Fehlen einiger Schrauben bei der Tragwerkskonstruktion oder nicht korrekte Montage diverser Bauteile, welche zwingend behoben werden müssen.


Eine motivierende Begegnung

Während einer kurzen Pause kommt Sristi, ein 10-jähriges Mädchen aus der Nachbarschaft, auf mich zu. Sristi möchte wissen, woher ich komme und wie ich heisse. Zu meinem Erstaunen ist ihr Englisch richtig gut. Mit grossem Stolz zeigt sie mir ihr neues Klassenzimmer und sagt, wie schön es sei, und dass sie es kaum erwarten könne, hier zur Schule zu gehen. Nachdenklich schaut sie ihr zukünftiges Schulzimmer an und findet schliesslich, dass es einzig ein wenig schmutzig sei. Ein Tag in Melamchi: Sristi vor ihrer SchuleSchmunzelnd versichere ich ihr, dass die Schule noch gründlich gereinigt werde. Sie bedankt sich und sagt: «thank you very much for this wonderful school». Solche positive Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler sowie die spürbare Investition der Einheimischen in eine bessere Zukunft Nepals freuen mich sehr. Sie ermutigen mich für meinen weiteren Einsatz hier in Melamchi.

Guten Mutes fahren wir nach getaner Arbeit nachmittags zu nepalischer Folklore wieder zurück nach Melamchi und unterhalten uns über die Projekte, das Leben und die Schönheit der Natur. 

Bild oben: Die Nachbarn von Simon Flückiger bauen.
Bild mitte: Eine Inspektion ist in Gang.
Bild unten: Sristi vor ihrer neuen Schule.

Text und Bilder: Simon Flückiger, Caritas Schweiz

 

Teilen Sie diesen Beitrag

Ersatzinhalte