Die stille Ausbreitung der Armut

Soziale Folgen der Corona-Krise in der Schweiz - Mediendienst 04/2021

Die sozialen Folgen der Corona-Krise sind bei der Caritas weiterhin deutlich erkennbar. Die Anfragen für Überbrückungshilfe bleiben hoch. In den Caritas-Märkten wird mehr eingekauft und die Schuldenberatungen werden stärker in Anspruch genommen.

Vor einigen Wochen publizierte das Bundesamt für Statistik eine wenig beachtete Meldung: Die Armut in der Schweiz ist deutlich angestiegen. Allerdings beziehen sich die Zahlen auf das Jahr 2019. Das soziale Gefüge ist schon vor der Corona-Krise weiter ins Rutschen geraten – zuungunsten der Menschen am unteren Rand der Gesellschaft. Der Schweiz ist es nicht gelungen, die wirtschaftlich guten Jahre zu nutzen, um materielle Entbehrung zu verringern. Im Gegenteil. Dies ist ein Armutszeugnis im wahrsten Sinne des Wortes. Das Versäumnis rächt sich jetzt in der Zeit der Krise.


Düstere Aussichten

Der Bundesrat hat seit März 2020 verschiedene Massnahmen getroffen, um die sozialen Folgen der Corona-Krise abzufedern. So konnten viele Firmen ihre Angestellten dank Kurzarbeit weiterbeschäftigen. Noch immer sind rund 400 000 Personen betroffen (Stand Januar). Aber die Aussichten sind düster: Wenn die Bezugsfrist für die Kurzarbeits­entschädigungen ausläuft, droht eine Entlassungswelle. Das Parlament hat die Ausweitung der Kurzarbeit kürzlich bis im Juni verlängert. Das ist aber nicht mehr als eine kurze Verschnaufpause. Die Arbeitslosenzahlen werden weiter ansteigen, sobald die Hilfsmassnahmen beendet werden. Zeitlich verzögert wird sich das auch in den Sozialhilfezahlen niederschlagen. Die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) rechnet mit einem Anstieg der Bezügerinnen und Bezüger von über 20 Prozent im Jahr 2022.

Perspektiven gehen verloren

Dass sich die prekäre Situation seit Beginn der Krise für viele Menschen weiter zugespitzt hat, ist aus Sicht einer Organisation wie der Caritas, die sich tagtäglich für Betroffene einsetzt, offensichtlich. Es ist ein stille, hinter dem medialen Fokus rund um Schutzmassnahmen, Impfstrategien, Fallzahlen und Mutationen wenig sichtbare Entwicklung. Die Zahl den Sozialberatungen der Caritas in der ganzen Schweiz ist auch im laufenden Jahr deutlich höher als vor der Krise. Die Anfragen von Menschen, die Überbrückungshilfe benötigen, nehmen nur langsam ab. Oft ist es das erste Mal in ihrem Leben, dass sie auf Unterstützung angewiesen sind.

Es sind Working Poor aus der Gastronomie, der Reinigungsbranche und der Hotellerie. Sie kommen mit dem reduzierten Einkommen infolge der Kurzarbeit nicht über die Runden. Wer kann schon mit 3470 Franken monatlich den Bedarf einer Familie decken? Andere kämpfen mit aller Kraft dagegen an, ihre berufliche Selbstständigkeit aufgeben und aufs Sozialamt gehen zu müssen. Wer Sozialhilfe beziehen will, muss zuerst die finanziellen Rückstellungen aufbrauchen. Dies ist aber gleichzeitig auch das Ende der Möglichkeiten, die eigene Zukunft selbstverantwortlich zu gestalten. Bei der Caritas melden sich junge Menschen, die ihr Studium oder ihre Lehre aus finanzieller Not abbrechen müssen. Auch dies ist ein schwerer Einschnitt, der die gesamte Berufslaufbahn beeinträchtigt. Und viele Ausländerinnen und Ausländer haben Angst, ihren Aufenthaltsstatus zu verlieren, wenn sie Sozialhilfe beziehen.

Mehr Einkäufe im Caritas-Markt

Dass Betroffene sparen, wo es nur geht, zeigt sich in den Caritas-Märkten. Hier steigt die Zahl der Einkäufe an. Der Umsatz in den ersten drei Monaten liegt 10 Prozent höher als im Vorjahr, dies trotz starken Preissenkungen auf dem ganzen Sortiment seit Beginn der Corona-Krise. Auch die Besucherfrequenz ist angestiegen. Im März gab es 79 500 Einkäufe, mehr als in jedem Monat des Jahres 2020.

Bedenklich ist, dass die Anfragen nun auch in der Schuldenberatung steigen. Sie kommen immer mehr auch von Menschen, die sich infolge der Corona-Einkommenseinbusse verschuldet haben und nun mit Betreibungen konfrontiert sind. Dies betrifft etwa Arbeitnehmende aus der Gastronomiebranche, die zu lange Einnahmenausfälle verkraften mussten. Die Anfragen für Privatkonkurs und Schuldensanierungen nehmen zu.

Die Hilfe der Caritas

Die Caritas setzt ihr Unterstützungsangebot weiter fort. Bisher über 20 000 Menschen haben Überbrückungshilfen in Form von Direktzahlungen erhalten. Rund 12 000 Personen hat die Caritas beratend unterstützt. 90 000 Menschen profitieren von den regionalen Projekten, ausgerichtet auf die spezifischen Bedürfnisse der Menschen, die infolge der Corona-Krise in Not geraten sind. Die gesamte Hilfe der Caritas beläuft sich bis anhin auf 18 Millionen Franken, davon stammen rund 10 Millionen Franken aus der Sammlung der Glückskette. 

Bild: Zoe Tempest

 

Caritas-Engagement: Corona-Krise verschärft die Armut

 

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