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«Die Menschen müssen mindestens für die nächsten sechs Monate mit Nahrungsmitteln versorgt werden»

Caritas hilft nach dem Zyklon «Idai» in Mosambik - Interview mit Bernhard Huwiler, Delegierter Caritas Schweiz, zurzeit in Chimoio, Manica, Mosambik

Bernhard Huwiler, welche Gebiete in Mosambik sind vor allem von der Katastrophe betroffen?

Sehr stark betroffen sind die Grossstadt Beira und der Beira-Korridor. Dieser führt vom Hafen in Beira bis nach Simbabwe. Die Eisenbahn und die Strassen hier sind stark beschädigt. Insgesamt sind vier Provinzen betroffen: Sofala mit der Grossstadt Beira, Zambezia im Norden, Manica im Westen und Inhambane im Süden von Beira.

Haben Sie nähere Angaben zu den einzelnen Bezirken?

Von Zambezia und Manica liegen noch nicht viele Angaben vor, Inhambane ist weniger stark betroffen, die Hauptstrasse nach Beira ist unterbrochen. Wir können die Gesamtsituation erst in den kommenden Tagen richtig einschätzen. Die Problemgegenden sind vor allem die grossen Flächen im Osten zum Ozean hin. Da gibt es öfter Überschwemmungen. Diesmal ist es schlimmer, weil es schon vor dem Zyklon schwere Regenfälle gab.

Wie sieht die Lage in Dombe, im Bezirk Manica, aus?

Ich konnte eine Schule besuchen und mit vielen Katastrophenopfern sprechen, die hier gestrandet sind. Die Leute hier erhielten lange keine Hilfe, kein Helikopter flog in diese Gegend. Viele Menschen ertranken oder mussten lange auf Bäumen ausharren ohne irgendwelche Nahrung. Die Menschen hier haben sich einfache Notboote aus Bananenbäumen gebaut. Teilweise suchten bis zu 15 Menschen Zuflucht auf solchen Booten. Andere konnten sich nicht retten und wurden von den Fluten weggespült. Ich habe heute mit einem Mann gesprochen, der vier Kinder verloren hat. 

Ist das Land völlig überschwemmt?

Das Wasser ist bereits etwas versickert. Nun wird aber die immense Zerstörung sichtbar. Hausdächer liegen am Boden, von Wänden ist nichts mehr zu sehen. Die Regierung verteilt nun neue Landparzellen an die Gestrandeten, damit sie nicht an die überschwemmungsgefährdeten Orte zurückkehren Hier können sie Zelte aufstellen und später ihre Häuser bauen. 

Haben Sie neue Angaben zu den Todesopfern?

Bis jetzt zählt man 470 Todesopfer. Der Präsident von Mosambik geht allerdings von 1000 oder mehr Toten aus. Insgesamt sind 1,8 Millionen Menschen von den Überschwemmungen betroffen.

Wie sind Ihre Eindrücke vor Ort? Werden schon Hilfsgüter verteilt?

In Beira ist die Situation – gemäss letzten Meldungen – angespannt und es kommt auch zu Gewalt. Die Menschen haben Hunger und fangen an zu plündern. Nahrungsmittelkonvois befinden sich auf dem Weg, der Transport verlangsamt sich jedoch wegen den beschädigten Strassen. Die UNO hat bereits Hilfsgüter aus der Luft abgeworfen: Schutzplanen, Küchen-Utensilien und Wasserbehälter.

Welche Massnahmen konnte die Caritas bereits ergreifen?

Die lokale Caritas, zum Beispiel auch jene in Dombe, konnte mit der Verteilung von Nahrungsmitteln und Trinkwasser starten und bietet auch eine gesundheitliche Basisversorgung an. CRS, die amerikanische Caritas, hat Lebensmittel im Wert von 25'000 US-Dollar verteilt. Zum Teil mussten die Helfer zu Fuss zu den Dörfern vordringen, da die Strassen unterbrochen sind.

Konnte den Menschen, die ihre Häuser verloren haben, Obdach geboten werden?

Zum Teil. Viele Leute sind in öffentlichen Gebäuden untergebracht: in Schulen, Kirchen und Administrationsgebäuden. In Dombe sind 9000 Personen so untergebracht, und es werden täglich mehr. Die Menschen wollen sich nicht weit von ihren Häusern entfernen, um zum Beispiel in ein Camp zu gehen. Sie haben Angst wegen Plünderungen und wollen deshalb nahe bei ihren Häusern bleiben.

Wie sieht es mit Krankheiten aus? Besteht die Gefahr von Epidemien?

Das stehende Wasser ist natürlich ein grosses Risiko. Es gibt mehr Mücken und die Zahl von Malariafällen – die sowieso schon hoch ist in Mosambik – steigt an. Moskitonetze sind also sehr gefragt. Auch sind die Brunnen verschmutzt, Typhus und Cholera sind eine grosse Gefahr, da sich diese Krankheiten schnell verbreiten.

Wie sehen Sie die Entwicklung der Lage?

Die Wetterlage hat sich zum Glück etwas beruhigt. Im Westen des Landes, wo ich mich zurzeit aufhalte, scheint wieder die Sonne. Auch in Beira lassen die Regenfälle nach. Trotzdem brauchen die Menschen dringend Hilfe. Die Bauern standen kurz vor der Ernte. Nun sind die Felder überflutet und die Ernte ist verloren. Die Menschen in den überschwemmten Gebieten müssen mindestens für die nächsten sechs Monate mit Nahrungsmitteln versorgt werden.

Bild ganz oben: Eine Familie, die ihr Haus und all ihr Hab und Gut verloren hat. (c) Donal Reilly/Caritas
Bild oben: Bernhard Huwiler am Flughafen von Chimoio nach seiner Ankunft. (c) Caritas Schweiz


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