Die Armut hat bereits vor der Corona-Krise zugenommen

Schweiz: Armutszahlen des Bundesamtes für Statistik für 2019 liegen vor - Mediendienst 02/2021

Am 18. Februar 2021 hat das Bundesamt für Statistik die Armutszahlen für das Jahr 2019 veröffentlicht. Die Armut in der Schweiz ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. Caritas bereitet besonders Sorgen, dass im Jahr vor der Corona-Krise die Armutszahlen erneut deutlich gestiegen sind.

735 000 Menschen waren 2019 von Armut betroffen. Gegenüber den 660 000 ein Jahr davor bedeutet dies eine Zunahme von 11 Prozent. 2019 hatten wir in der Schweiz Wirtschaftswachstum und rekordtiefe Arbeitslosigkeit. Trotzdem ist es nicht gelungen, die Armut zu reduzieren. Für das Jahr 2020 liegen noch keine Zahlen vor, aber alles deutet darauf hin, dass sich die Armut infolge der Corona-Krise noch einmal stark ausgebreitet hat.

Starker Anstieg bei den «Working Poor»

Die Armut ist gerade im Zusammenhang mit prekären Arbeitsverhältnissen gewachsen, also bei Menschen, die nur kurze Zeit später durch die wirtschaftlichen Folgen der Covid-Pandemie besonders stark getroffen wurden. Bei den «Working Poor» gab es einen Anstieg um 16 Prozent, das bedeutet, dass 2019 rund 155 000 Personen trotz Erwerbsarbeit arm waren. Gestiegen ist auch die Armutsquote von Menschen ohne nachobligatorische Bildung, nämlich von 12,1 Prozent auf 15,9 Prozent oder auf rund 174 000 Menschen. Mit einer Zunahme von 245 000 auf 273 000 waren Menschen ohne Schweizer Pass ebenfalls stärker von Armut betroffen.

Kinderarmut gibt weiter Anlass zu Sorge

Eine auf den ersten Blick erfreuliche Entwicklung gab es 2019 bei der Kinder- und Familienarmut. So ist die Armutsquote bei Kindern (0-17 Jahre) von 9,6 Prozent im Jahr 2018 auf 7,5 Prozent zurückgegangen. Die 115 000 armutsbetroffenen Kinder im Jahr 2019 sind jedoch immer noch höher als im Jahr 2017 mit 6,9 Prozent und bestätigen damit eine steigende Tendenz bei der Kinderarmut in den letzten Jahren. Auch bei der Armutsquote der stark betroffenen Einelternhaushalte gab es 2019 eine Abnahme von 19,3 auf 13,5 Prozent.

Gerade die Lage von vielen Alleinerziehenden dürfte sich durch die Corona-Krise in der Zwischenzeit aber wieder stark verschärft haben. Alleinerziehende gehören, wie auch beispielsweise Personen ohne nachobligatorische Ausbildung, zu den Risikogruppen, deren bereits angespannte Situation sich durch die Corona-Krise nun massiv verschlechtert. Es droht, dass immer mehr Menschen, die ihre Arbeit verloren haben, denen ein Nebenverdienst weggebrochen ist oder die durch Kurzarbeit lange nur 80 Prozent ihres Einkommens bekommen haben, ihren Unterhalt nicht mehr bestreiten können.

Armut entgegenwirken – was ist zu tun?

Die Existenzsicherung muss jetzt für alle garantiert werden. Aus Sicht von Caritas Schweiz sind folgende Massnahmen erforderlich:

  • Unbürokratische Direktzahlungen für Haushalte und Personen, deren Einkommen unter dem Niveau liegt, das zu Ergänzungsleistungen berechtigt.
  • Ausfallentschädigungen für Kurzarbeit müssen bei tiefem Einkommen 100 Prozent des bisherigen Lohnes betragen, und dies nicht nur vorübergehend, sondern über das Ende der Krise hinaus.
  • Es braucht eine Budgetentlastung bei den Krankenkassenprämien durch eine deutliche Erhöhung der Mittel für die Prämienverbilligungen.
  • Zudem müssen die Begleitung und das Coaching von arbeitslosen und armutsbetroffenen Menschen ausgebaut werden. Es muss jetzt in Weiterbildungen investiert werden, um von der Krise betroffene Personen für die sich beschleunigende Digitalisierung zu befähigen.
     

Aktuelles: 23.2.2021 - Armut infolge der Corona-Krise: Das Schlimmste steht noch bevor

Zahlen und Fakten zur Armut in der Schweiz

 

Teilen Sie diesen Beitrag

 
Ersatzinhalt-Startseite-Standard-DE
 
 

Caritas Schweiz
Adligenswilerstrasse 15
Postfach
CH-6002 Luzern

 

PC 60-7000-4
IBAN CH69 0900 0000 6000 7000 4
Spenden können bei den Steuern in Abzug gebracht werden.

 

Spenden­beratung

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf. Wir beraten Sie gerne persönlich. 

MEHR