Der digitale Graben

Wie fehlende Kenntnisse ausgrenzen und die Chancen auf dem Arbeitsmarkt beeinträchtigen - Mediendienst 04/2021

Die digitale Entwicklung treibt vieles voran und erleichtert den Menschen grundsätzlich den Alltag. Gerade die Corona-Krise hat nochmals verdeutlicht, wie stark wir auf Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) angewiesen sind. Leider sind aber noch nicht alle Menschen auf dem gleichen Stand, um davon zu profitieren. Im Gegenteil, einige leiden darunter. Ein digitaler Graben hat sich in unserer Gesellschaft aufgetan.  

Blog: Der digitale GrabenEgal in welchem Lebensbereich: Digitale Fertigkeiten werden zunehmend wichtiger, um unseren Alltag bestreiten zu können. Speziell in der heutigen Zeit, wo Familientreffen teilweise nur noch als Videokonferenz möglich sind, von zuhause aus gearbeitet wird, Aus- und Weiterbildungen wie auch Online-Einkäufe immer wichtiger werden, sind digitale Kompetenzen unverzichtbar. Die Nutzung und die Handhabung dieser Technologien sind aber leider noch lange nicht der ganzen Bevölkerung zugänglich. Erhebungen des Bundesamts für Statistik zeigen, dass rund ein Viertel der Schweizer Bevölkerung nur über geringe oder gar keine digitalen Kenntnisse verfügt. Ein grosser Teil dieser Gruppe sind Menschen mit einem niedrigen Bildungsstand und einem tieferen Einkommen. So nutzen beispielsweise von den Personen, welche 4000 Franken und weniger verdienen, nur 60 Prozent das Internet regelmässig. Zudem besitzt ein Drittel der Haushalte mit tieferem Einkommen weder Computer noch Laptop.

Gesellschaftliche Ausgrenzung

Diese Menschen werden automatisch von bestimmten sozialen Unternehmungen ausgegrenzt. Kann ich beispielsweise nicht mit der SBB-App umgehen, erhalte ich keine vergünstigten Billette. Weiss ich nicht, wie ich mich online registriere, kann ich keine Konzert-Tickets bestellen.

Zunehmend vermischt sich unsere analoge mit der digitalen Welt. Viele Dienstleistungen können nur noch online in Anspruch genommen werden. Gibt es doch noch eine Offline-Variante, kostet diese zusätzlich. Viele Betroffene fühlen sich entsprechend ins Abseits gedrängt und verzichten auf die Nutzung bestimmter Angebote. Die zunehmende Geschwindigkeit dieser Entwicklungen macht es für diese Leute noch schwieriger, die notwendigen Fähigkeiten aufzuholen. Sie verlieren dadurch oft den Mut und die Motivation, sich in der digitalen Welt zurechtzufinden. Die Betroffenen ziehen sich weiter zurück und die Kluft in der Gesellschaft wird grösser. 

Nicht mehr arbeitsmarktfähig

Diese Menschen laufen mit dem digitalen Wandel neben dem gesellschaftlichen Ausschluss auch Gefahr, den Anforderungen im Berufsalltag nicht mehr gerecht werden zu können. Erwerbstätige mit schwachen oder gar nicht vorhandenen IKT-Kompetenzen haben es bei der Arbeitssuche stetig schwieriger. Schon die Online-Jobsuche stellt für einige eine Herausforderung dar. Ein virtuelles Dossier zusammenzustellen, geschweige denn dieses auch noch per E-Mail oder Online-Formular zu versenden, ist für viele unvorstellbar. Doch der Trend geht unaufhaltbar in diese Richtung.

Zudem sind gewisse digitale Kompetenzen die Voraussetzung dafür, um überhaupt arbeitsmarktfähig zu bleiben. Es gibt fast keine Unternehmen mehr, die nicht auf digitalisierte Prozesse angewiesen sind. Sei es, um E-Mails zu versenden, den Zahlungsverkehr zu veranlassen oder auch nur die Arbeitszeit zu erfassen. Auch Berufsfelder mit einem durchschnittlich eher niedrigen Ausbildungs- und Lohnniveau wie die Gastronomie und das Reinigungsgewerbe funktionieren nicht mehr ohne digitale Anwendungen.

Gemeinsam den Graben schliessen

Als solidarische Gesellschaft dürfen wir nicht zulassen, dass die Betroffenen noch weiter in den Rückstand geraten. Die Caritas sieht es deshalb als Teil ihres Grundauftrags, dieser Entwicklung entgegenzuwirken und mitzuhelfen, diesen Graben zu schliessen.

Alle Menschen sollen die gleichen Möglichkeiten und Voraussetzungen haben, sich an der digitalen Welt zu beteiligen. Mit der Unterstützung des Telekommunikationsunternehmens Sunrise UPC möchte die Caritas deshalb die Menschen nachhaltig befähigen, die Chancen dieser neuen Entwicklungen wahrzunehmen und die technischen Anwendungen aktiv zu nutzen. Mit den geplanten Empowerment-Projekten hoffen wir, den Betroffenen zudem eine gewisse Unabhängigkeit und entsprechend auch Selbstvertrauen zurückzugegeben. Die Zusammenarbeit mit Sunrise UPC dient als Beispiel, wie unterschiedliche Akteure aus der Zivilgesellschaft und Wirtschaft gemeinsam Armutsbetroffene stärken und die Gesellschaft voranbringen können.

Bild: Thomas Plain

 

Pilotprojekt «Digitaler Zugang und Kompetenzen fördern»

 

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