Armutsbetroffene finden kaum bezahlbare Wohnungen

Zur Volksinitiative «Mehr bezahlbare Wohnungen» - Mediendienst 12/2019

Blog: Armutsbetroffene finden kaum bezahlbare WohnungenFür immer mehr Menschen ist die Miete der grösste Posten im Haushaltsbudget. Für Armutsbetroffene und Menschen mit tiefen Einkommen wird es immer schwieriger, eine bezahlbare Wohnung zu finden, denn in der Schweiz mangelt es an preisgünstigen Wohnraum. Der Markt allein kann es nicht richten. Darum müssen Bund und Kantone eine verstärkte Rolle in der Förderung von preisgünstigen Mietwohnungen übernehmen. 

Armut geht oft mit einer prekären Wohnsituation einher. Doch was bedeuten prekäre Wohnverhältnisse für die Betroffenen? Wer wenig Geld zum Wohnen hat, weicht auf Wohnungen aus, welche nicht angemessen sind. Sie sind zu klein oder befinden sich in einem sehr schlechten Zustand. Die engen Verhältnisse setzen die Betroffenen unter Druck, verschärfen familiäre Konflikte und beeinträchtigen die Entwicklung der Kinder. Schimmel und schlechte Isolation gefährden die Gesundheit der Bewohnenden und verursachen zusätzlichen Stress. Findet man eine angemessene Wohnung, ist der Preis oftmals zu hoch. Dies kann dazu führen, dass sich die Betroffenen verschulden, um die Miete bezahlen zu können, oder dass sie wichtige Ausgaben wie den dringend nötigen Zahnarztbesuch immer weiter hinausschieben.

Zu hohe Wohnkosten

Caritas weist seit Jahren regelmässig darauf hin, dass die Versorgung mit gutem und günstigem Wohnraum für Menschen mit kleinem Einkommen immer weniger gegeben ist. Zu hohe Wohnkosten sind nach einer Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz, die im Rahmen des Nationalen Armutsprogramms erstellt wurde, denn auch die Hauptursache für die ungenügende Wohnversorgung für Armutsbetroffene. In einem ausgeglichenen Haushaltsbudget macht die Mietbelastung nicht mehr als 30 Prozent des Einkommens aus. 82 Prozent aller Armutsbetroffenen geben jedoch mehr als ein Drittel fürs Wohnen aus. Die überdurchschnittliche Belastung durch Wohnkosten müssen sie an anderen Orten einsparen. Für viele bedeutet dies, auf Ferien zu verzichten, die gesunde Ernährung zurückzustellen oder Freizeitaktivitäten wegzusparen. In einer bereits angespannten finanziellen Lage können steigende Mietkosten gar dazu führen, dass Menschen ihre Wohnung verlieren, weil sie die Miete nicht mehr bezahlen können.

Auch wenn neuere Meldungen regelmässig betonen, die Anzahl der leerstehenden Wohnungen sei in der Schweiz gestiegen, so gilt dies nicht für das unterste Preissegment. Ein Überangebot an Wohnungen besteht vor allem im oberen Preissegment. Der Wohnungsmarkt hat sich also insgesamt nicht entspannt.

Armutsbetroffene werden verdrängt

Es wird für Armutsbetroffene im Gegenteil zunehmend schwieriger, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Dabei spielt auch die Sozialhilfe eine Rolle: Setzt sie die Mietzinsgrenzen in ihrer Gemeinde zu tief an, finden Sozialhilfebeziehende zu diesen Mietvorgaben keine Wohnung. Sie werden gezwungen, in andere Gemeinden oder Kantone mit günstigerem Wohnraum abzuwandern. In den Beratungsstellen der Caritas zeigt sich, dass Armutsbetroffene schon wegen um 50 Franken zu hohen Mieten zum Umzug gezwungen werden. Dies kann auch eine Familie betreffen, ungeachtet dessen, dass die Kinder durch einen Wegzug sogar die Schule wechseln müssen. Armutsbetroffene sind mancherorts nicht erwünscht und werden über eine aktive Verknappungspolitik von günstigen Wohnungen verdrängt. In den letzten Jahren sind wiederholt Beispiele bekannt geworden, dass Gemeinden Liegenschaftsbesitzer dazu aufgefordert haben, nicht an Sozialhilfebeziehende zu vermieten oder ihren günstigen Wohnraum abzureissen und mit Neubauten Gutverdienende anzulocken. 

Anstatt günstigen Wohnraum zu eliminieren, gilt es vielmehr, solchen vermehrt zu schaffen. Die Volksinitiative «Mehr bezahlbare Wohnungen» verfolgt das Ziel, dass sich gesamtschweizerisch mindestens zehn Prozent der neu gebauten Wohnungen im Eigentum von Trägern und Organisationen des gemeinnützigen Wohnungsbaus befinden. Eine solche Vorgabe kann mindestens einen Beitrag zur Milderung der Problematik leisten. Es liegt dann an diesen Trägern, dafür zu sorgen, dass Menschen mit kleinem Einkommen auch wirklich Zugang zu den günstigeren Wohnungen haben.

Bild: Conradin Frei

Unsere Aktion: Überleben an der Armutsgrenze - würden Sie es schaffen?

 

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